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Kampf gegen Essstörungen: Israel verbietet Magermodels in der Werbung

Künftig sollen keine Klappergestelle mehr auf Plakatwänden zu sehen sein: Ein Gesetz in Israel verbietet Magermodels in der Werbung. Damit will der Staat Essstörungen bekämpfen.

Gesetz in Israel: Keine Macht den Magermodels Fotos
AP

Jerusalem - In Israel müssen Models künftig per medizinischem Bericht nachweisen, dass sie gemäß Uno-Standards nicht unterernährt sind. Ein entsprechendes Gesetz wurde am Montag verabschiedet. Die Untersuchung darf jeweils nicht weiter als drei Monate zurückliegen. Maßstab ist der sogenannte Body Mass Index" (BMI), der Untergewicht über das Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße ermittelt.

Außerdem muss ab jetzt von der Werbeindustrie angegeben werden, ob Fotos von Models digital verändert und Frauen oder Männer künstlich am Bildschirm dünner gemacht wurden. Das verabschiedete Gesetz ist der erste Versuch einer Regierung, gegen Schönheitsideale der Modeindustrie juristisch vorzugehen.

Zu den Initiatoren des Gesetzes zählte auch der israelische Topmodel-Agent Adi Barkan. Er arbeite seit 30 Jahren in der Branche und habe beobachtet, wie die jungen Frauen immer knochiger und kränker würden. "Heute sehen sie aus wie Tote", sagte Barkan. Er kritisiert aber, dass die Regelung nur für die rund 300 israelischen Models im Land, nicht jedoch für internationale Werbekampagnen gelte.

Andere Kritiker halten das verabschiedete Gesetz für unzureichend und fordern eine umfassendere Betrachtung, da viele Models von Natur aus sehr dünn seien. "Bewertet werden sollte der allgemeine Gesundheitszustand der Models, da sich unser Körpergewicht von Stunde zu Stunde ändern kann", sagt David Herzog, US-amerikanischer Psychologie-Professor und Experte für Essstörungen.

Auch der Anthropologe Sigal Gooldin bezweifelt, dass das Gesetz die Zahl der Essstörungen bei israelischen Teenagern reduzieren kann. "Es ist nicht klar, ob das Gesetz einen messbaren Effekt haben wird."

In Israel leiden zwei Prozent aller Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren unter Essstörungen.

nga/dapd

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