Gesetzesänderung Belgien ebnet Weg für aktive Sterbehilfe für Minderjährige

Bis zuletzt hatten Gegner gegen die Abschaffung der Altersgrenze gekämpft, vergeblich. Die Abgeordnetenkammer in Belgien hat der umstrittenen Gesetzesänderung zugestimmt. Künftig haben Kinder und Jugendliche unter bestimmten Bedingungen ein Recht auf aktive Sterbehilfe.

Belgisches Abgeordnetenhaus: Ja zu aktiver Sterbehilfe für Minderjährige
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Belgisches Abgeordnetenhaus: Ja zu aktiver Sterbehilfe für Minderjährige


Brüssel/Hamburg - Als eines der ersten Länder der Welt erlaubt Belgien die aktive Sterbehilfe für Minderjährige. Die Abgeordnetenkammer verabschiedete am Donnerstag nach einer zweitägigen Debatte das entsprechende Gesetz. Im Parlament stimmten 86 Abgeordnete für die neuen Regeln, 44 dagegen. 12 Parlamentarier enthielten sich. Nun muss nur noch König Philippe das Papier unterzeichen - seine Unterschrift gilt als sicher.

Die umstrittene Gesetzesänderung erlaubt es Kindern und Jugendlichen, die unheilbar krank sind und unerträgliche Schmerzen haben, über den Zeitpunkt ihres Todes zu entscheiden. Sie benötigen die Zustimmung der Eltern, zudem müssen der behandelnde Arzt, unabhängige Kollegen und ein Psychologe einwilligen - aber die grundsätzliche Entscheidung liegt beim Kind.

Bis zuletzt hatten Gegner gegen die Abschaffung der Altersgrenze gekämpft, allen voran die katholische Kirche. "Man beurteilt die Jugend als rechtlich nicht geeignet, wichtige wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen", sagte der belgische Erzbischof André-Joseph Léonard. "Und plötzlich sollen sie fähig sein, zu entscheiden, dass man sie sterben lässt." Viele bezweifeln die Urteilsfähigkeit von Kindern. Kritische Mediziner schrieben in einem offenen Brief, es gebe "nicht die geringste objektive Methode", um die geforderte Entscheidungsfähigkeit festzustellen.

Im Parlament hatten Abgeordnete der zentristischen Parteien schockiert auf die Pläne reagiert. "Man hat alle Kinder, von null bis 18 Jahren, in dieselbe Kategorie gesteckt", empörte sich die Abgeordnete Marie-Christine Marghem (Mouvement réformateur) vor wenigen Tagen in der Zeitung "La Libre Belgique". Tatsächlich sieht das belgische Gesetz keine klar definierte Altersuntergrenze vor. Die Begründung: Jeder Fall müsse einzeln von Experten betrachtet und bewertet werden, die klaren Konditionen bei den Voraussetzungen seien zu beachten. In der EU ist aktive Sterbehilfe für Minderjährige sonst nur in den Niederlanden zulässig. Allerdings gilt dort das Mindestalter von zwölf Jahren.

Der Abgeordnete Christian Brotcorn kritisierte den Gesetzestext als nicht ausgereift: "Was macht man, wenn ein Elternteil einverstanden ist und der andere nicht?", fragt der Fraktionschef der Partei Centre Démocrate Humaniste.

Auch aus Deutschland, wo derzeitein Verbot des organisierten assistierten Suizid diskutiert wird, gab es scharfe Kritik. "Mit dieser Entscheidung verabschiedet sich Belgien von den gemeinsamen humanitären Werten in Europa", sagte Eugen Brysch, Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Sterbehilfe im europäischen Ausland

gam/AFP/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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seine_unermesslichkeit 13.02.2014
1.
Zitat: "Jeder Fall müsse einzeln von Experten betrachtet und bewertet werden, die klaren Konditionen bei den Voraussetzungen seien zu beachten." Genau unter dieser Bedingung finde ich das o.k.!
redtime 13.02.2014
2. Warum nicht ?
Ich kenne viele Kinder und Jugendliche, die sehr reif sind, und sehr wohl ein Urteil fällen können. Warum glaubt man, dass Kinder das nicht können ? Kinder wissen sehr wohl um die Folgen einer schweren, unheilbaren Krankheit. Ein Baby vielleicht noch nicht, aber ein Kind ab 4 Jahren kann sehr wohl sagen, wie es ihm geht, und was es bedeutet. Ich bin erwachsen und körperlich schwer behindert. Meine Krankheit ist nicht heilbar. Aber bei Behinderten kommt auch sofort Kritik auf, ob der Betroffene ein Urteil fällen kann. Ich erwarte, dass ich selbst bestimmen kann, was wann geschieht. Und dies nicht nur im Alltag, sondern auch bei derartigen Entscheidungen. Auch Kinder haben ein Recht drauf, selbst zu bestimmen, wie sie leben wollen oder eben nicht, wenn sie eine unheilbare Krankheit haben. Es ist das Kind, nicht der Erwachsene, der damit leben muss.
...xyz 13.02.2014
3. ...
also wenn ich mich an meine eigene Kindheit erinnere , muß ich sagen, dass ich eigentlich ziemlich gut für mich wußte, was ich gut fand und was nicht. Aber auf der anderen Seite hat man durch die körperliche Konstituition auch wahnsinnig viele Möglichkeiten als Kind in die Zukunft zu denken, Kompromisse zu machen und äußerlich erscheint man dann manipulierbar und ist es ja auch irgendwie. Es wird wahrscheinlich ein schwierige Frage bleiben .. man sollte in so Fällen vielleicht den Kindern auch abseits der Familie ein Leben in Aussicht stellen. So psychotherapeutische Fragen wie .. macht Dich Deine Familie krank willst Du eventuell bei jemand anderen leben (die man aber dann auch finden muß) oder ins Kinderheim (wollen das Kinder ?). Letztendlich würde das auch Familien ermöglichen, ihre Kinder irgendwie 'zu entsorgen' .. weil irgendwas in der Familie nicht stimmt .. Vergewaltigungen , uneheliche Kinder usw... was ich ein 100% Skandal finden würde wäre, wenn Eltern des Kindes das entscheiden würden, oder Kind zusammen mit den Eltern.
killi 13.02.2014
4. optional
Jeder Mensch soll selber entscheiden dürfen und können, wann und wie er sterben möchte. Bei Minderjährigen ist die Sachlage natürlich etwas komplexer, aber grundsätzlich sollte man auch da den Willen des Patienten berücksichtigen. Entsprechend falsch und verurteilungswürdig finde ich diejenigen, welche Komapatienten über Jahre hinweg am Leben halten. Dasselbe gilt für die Zwangsernährung von Hungerstreikenden - sollen sie doch qualvoll verenden, es ist immerhin ihre eigene Entscheidung!
zabbaru 13.02.2014
5. Sehr schwierig
Das ganze Thema Sterbehilfe ist extrem heikel und wenn es um Kinder oder Jugendliche geht, noch schwieriger. Es ist aber auch ein Akt der Humanität, Menschen, welche schwer leiden und bei denen keinerlei Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft besteht, die Möglichkeit zu erüöffnen, menschenwürdig von uns zu gehen. Das hier höchste Masstäbe anzusetzen sind, steht ausser Frage.
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