Geständnisse im Mordprozess "Wir müssen ihn abstechen"

Vier Jugendliche haben vor Gericht gestanden, im Januar einen 27 Jahre alten Mann umgebracht zu haben. Nach einem Streit lockten sie ihr Opfer in einen Wald. Dort prügelten und traten sie auf den Mann ein. Schließlich erstachen sie ihn.


Gera - Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Gera sagten die vier Angeklagten aus, sie hätten mit dem 27-jährigen Bekannten Alkohol getrunken und seien dann in Streit geraten. Die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren griffen den Mann in einem Wäldchen in der Nähe eines Plattenbauviertels an. Sie töteten ihn mit Tritten, Messerstichen und Hammerschlägen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gemeinschaftlichen Mord vor.

Der 14-jährige Hauptangeklagte berichtete, alle fünf hätten den Abend in der Wohnung eines der Jugendlichen verbracht. Der 27-Jährige habe dann eine abfällige Bemerkung über die Katze eines der Freunde gemacht. Die vier Angeklagten beschlossen daraufhin, den Mann zu verprügeln. Unter dem Vorwand, draußen weiter trinken zu wollen, verließen sie gemeinsam die Wohnung und gingen in das Wäldchen.

Getreten, geschlagen, erstochen

Dort schlugen die vier Täter der Anklageschrift dem 27-Jährigen erst eine Bierflasche von hinten auf den Kopf. Dann traten die Täter auf ihn ein, teilweise mit Springerstiefeln. Auch mit einer Antenne und einem Schlagholz sollen sie auf ihr Opfer eingeprügelt und es bei Frost im Schnee liegen gelassen haben.

Aus Angst, der Mann könnte sich aufrappeln und die Täter anzeigen, kehrten die Jugendlichen noch mehrere Male in das Wäldchen zurück und fielen erneut über ihr Opfer her. "Ich habe gesagt, wir müssen noch mal hochgehen und ihn abstechen", sagte der 14-Jährige. Gerichtsmediziner zählten später 30 Messerstiche am Körper sowie die Wunden von fünf Hammerschlägen am Kopf. Alle vier Angeklagten sind vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, Raub und Vandalismus. Zwei der Angeklagten sollen der rechten Szene angehören. Das Urteil wird am 21. Juli erwartet.

Tödlicher Streit um eine Hütte

In einem ähnlichen Fall müssen sich fünf Jugendliche zurzeit vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Ein 14-Jähriger, drei 15-Jährige und ein 20-jähriger Hauptangeklagter sollen einen Obdachlosen im Oktober 2003 im Streit um eine Hütte in einem Wald bei Neulußheim über Stunden hinweg zu Tode geprügelt haben.

Die Staatsanwaltschaft forderte Haft- und Bewährungsstrafen für die Angeklagten. Der Hauptangeklagten soll demnach wegen Totschlags für sechseinhalb Jahre in Haft. Die drei 15-Jährigen sollten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zwei Jahre Haft auf Bewährung erhalten. Für den jüngsten der Angeklagten forderte die Anklagebehörde 15 Monate Haft auf Bewährung wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Urteil soll am 5. Juli gesprochen werden.



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