Urteil in Polen Leichendiebe müssen mehrere Jahre in Haft

Die Diebe von zwölf Leichen aus Brandenburg müssen für zwei bis vier Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht im westpolnischen Posen sprach die drei Männer schuldig - allerdings nicht wegen der Störung der Totenruhe, sondern wegen Autodiebstahls.

Die Särge tauchten in einem Waldstück hundert Kilometer östlich von Posen wieder auf
Polizei Polen/ DPA

Die Särge tauchten in einem Waldstück hundert Kilometer östlich von Posen wieder auf


Warschau - Drei Diebe, zwölf Leichen und zwei bis vier Jahre Gefängnis: Ein Gericht im westpolnischen Posen hat am Montag drei Männer wegen Autodiebstahls zu Haftstrafen verurteilt. Außerdem muss jeder der Angeklagten eine Geldstrafe in Höhe von 16.000 Zloty (etwa 4000 Euro) bezahlen.

In dem Verfahren hatte das Trio stets bestritten, im Oktober vergangenen Jahres in Hoppegarten bei Berlin einen Transporter mit zwölf Särgen gestohlen zu haben. Sie seien nur für die Überführung von Fahrzeugen angeheuert worden und hätten nicht gewusst, dass es gestohlene Wagen waren.

Der spektakuläre Autodiebstahl hatte im vergangenen Oktober bundesweit für Aufsehen gesorgt. Vom Parkplatz eines Bestattungsunternehmens in Hoppegarten bei Berlin hatten die mutmaßlichen Täter einen weißen Mercedes Sprinter gestohlen - offenbar ohne eine Ahnung davon zu haben, dass der Wagen zwölf Särge geladen hatte. Bestimmt waren die einfachen Holzkisten samt Inhalt für den Transport zu einem Krematorium im sächsischen Meißen.

In der Folge ermittelte die Soko "Grenze" der deutschen Polizei gemeinsam mit Behörden in Osteuropa. Bis nach Litauen suchten die Fahnder nach den verschwundenen Särgen. Schließlich tauchten sie unversehrt in einem polnischen Waldgebiet bei Posen auf, verstreut zwischen Bäumen. Offenbar hatten die Täter versucht, die Kisten samt Inhalt loszuwerden. Bereits am Tag zuvor hatte die Polizei den gestohlenen Sprinter sichergestellt.

Von den gestohlenen Toten stammten acht aus Berlin, die anderen vier aus Brandenburg. Bereits zwei Tage vor dem Diebstahl waren sie in den Transporter geladen worden, der von außen nicht als Leichenwagen erkennbar war.

Für Diskussionen hatte in der Folge nicht nur der Diebstahl selbst gesorgt, sondern auch die gängige Praxis, wonach Verstorbene Hunderte Kilometer weit in andere Städte verfrachtet werden, weil dort die Bestattung billiger ist. So zahlen Angehörige für die Kremation etwa in Meißen deutlich weniger als in Berlin.

Nach dem mutmaßlichen Anführer der Diebesbande wird noch mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Ein geständiger Mittäter war bereits vor mehreren Monaten zu einer elfmonatigen Haftstrafe verurteilt worden.

rls/ala/dpa



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