Giraffen-Tötung in Tierpark Zoodirektor muss um sein Leben fürchten

Die öffentliche Zerlegung eines toten Giraffenbullen im Kopenhagener Zoo sorgt für Entsetzen. Der Direktor des Tierparks hat jetzt Morddrohungen erhalten. Dennoch will er nicht davon abrücken, Besucher möglichst authentisch mit den Gesetzen der Natur in Berührung zu bringen.


Kopenhagen - Im Zoo der dänischen Hauptstadt ist eine Giraffe vor den Augen von Besuchern - darunter zahlreiche Kinder - zerlegt und an Raubtiere verfüttert worden.

Die Bilder waren verstörend: Am Sonntag machte sich ein Zooangestellter mit einem Messer daran, dem auf dem Boden liegenden und bereits per Bolzenschuss getöteten Giraffenbullen den Bauch aufzuschlitzen. Geduldig erklärte der Mann im weißen Overall, was er mit dem Kadaver anstellte. In der ersten Reihe hatten zahlreiche Kinder Stellung bezogen, die angesichts des Gemetzels entsetzt das Gesicht verzogen. Kurz darauf wurden die Überreste des 18 Monate alten Tieres an Löwen verfüttert.

Der Aufschrei weltweit war groß: Tierschützer verurteilten die sinnlose Tötung des gesunden Tieres, das dem Zoo zufolge nur umgebracht wurde, um Inzucht innerhalb der Giraffenfamilie zu vermeiden. Schon vor der öffentlich vollzogenen Schlachtung im Gehege am Sonntag hatten Tausende Tierfreunde in einer Online-Petition Unterschriften dafür gesammelt, dass der Bulle namens "Marius" verschont bleiben möge. Vergeblich.

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Giraffe in Kopenhagen: Abschied von Marius
Mehr als 1500 SMS und Mails bekam Zoodirektor Bengt Holst seitdem - und die wenigsten waren freundlich: "Die meisten waren hasserfüllt", sagte Holst dem "Ekstra Bladet". "Ich habe fünf echte Todesdrohungen erhalten, alle in dem Stil: 'Jetzt komme ich und erschieße dich'." Auch seine Familie habe Morddrohungen erhalten. Der Ton in den sozialen Netzwerken war rüde, man empfahl, den Zoodirektor selbst den Löwen zum Fraß vorzuwerfen. "Bengt Holst, ich hoffe, sie werden einen grausamen Tod sterben", schrieb etwa ein englischsprachiger User auf Twitter. Bisher sieht der Bedrohte davon ab, Anzeige zu erstatten.

Im Chat mit "Ekstra Bladet"-Lesern erklärte Holst, es sei die Aufgabe des Tierparks, den Menschen ein möglichst authentisches Verständnis von Natur zu vermitteln. "Hätten die Löwen die Giraffe nicht bekommen, wäre es ein Pferd gewesen, das wir vom Schlachthof erhalten hätten. Aber wir werden die Herkunft von Fleisch nicht geheim halten - und auch nicht das Leben und den Tod."

Holst hatte das Vorgehen des Zoos auf dessen Internetseite verteidigt: Kopenhagen sei Teil eines internationalen Zuchtprogramms für Giraffen. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm achte streng darauf, dass sich nur solche Giraffen paaren, die nicht verwandt sind - um die genetische Vielfalt der Population in den Zoos zu erhalten. Und nach diesen Regeln habe man Marius töten müssen, um die Gesundheit der Giraffenpopulation zu erhalten.

Der Zoo in Kopenhagen gab an, es habe sich kein anderer Tierpark gefunden, der bereit gewesen wäre, Marius aufzunehmen. Auch eine Auswilderung in einem natürlichen Habitat sei keine Option gewesen. Dass Tiere in Zoos zur Vermeidung von Inzucht getötet werden, ist nicht unüblich.

Eine Giraffe zu verfüttern, sei im Grund nichts anderes, als ein Schwein zu keulen, sagte der Direktor des Nürnberger Zoos, Dag Encke, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die Leidensfähigkeit der beiden Tiere ist identisch", betonte er. "Wir Zoos sind auch da, um den Menschen zu zeigen: Das ist etwas ganz Natürliches, auch eine Giraffe wird gefressen."

ala/dpa

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the.anthony 10.02.2014
1. *kopfschüttelnd*
Und weswegen wurde die Giraffe nicht kastriert?
raphaela45 10.02.2014
2. Man hätte
den jungen Giraffenbullen problemlos kastrieren oder private Asyl-Angebote (die es gab) für ihn annehmen können...Das EINZIG Gute an dieser Vorgehensweise ist, daß ein großer Teil der zuschauenden Kinder und Jugendlichen zukünftig vegetarisch oder sogar vegan leben wird.
rbbthunter 10.02.2014
3.
"es sei die Aufgabe des Tierparks, den Menschen ein möglichst authentisches Verständnis von Natur zu vermitteln." Da ist es natürlich absolut die Regel, dass Giraffen mit einem Bolzenschussgerät hingerichtet werden.
EvilGenius 10.02.2014
4. Erklärungsbedarf
---Zitat--- Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm achte streng darauf, dass sich nur solche Giraffen paaren, die nicht verwandt sind - um die genetische Vielfalt der Population in den Zoos zu erhalten. Und nach diesen Regeln habe man Marius töten müssen, um die Gesundheit der Giraffenpopulation in Europas Zoos zu erhalten. ---Zitatende--- Kastrieren war nicht drinnen oder wie?
amor.fati 10.02.2014
5. Ekelhaft
Wenn man Löwen schon in Gefangenschaft hält sollte man sie wenigstens vegan ernähren.
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