Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Getöteter Löwe Cecil: Ein Jäger wird zur Hassfigur

Der US-amerikanische Zahnarzt Walter P. hat den Löwen Cecil in Simbabwe getötet - seither wird der Jäger im Netz hart angefeindet. Da hilft es auch nicht, dass der 55-Jährige nun sagt, er bedaure den Tod des Tieres.

Für Walter P. geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Der Zahnarzt aus den USA hat in Simbabwe den Löwen Cecil getötet - mit seiner dunklen Mähne eine der Hauptattraktionen im Hwange National Park. Seither steht P. stellvertretend für reiche Ausländer, die viel Geld ausgeben, um nach Afrika zu fahren und dort zum Vergnügen Großwild zu erlegen.

Was er angerichtet hat, begreift P. inzwischen. Mit Hilfe einer PR-Firma gab er ein Statement heraus: Er bedaure, den Löwen getötet zu haben, zitiert die US-Zeitung "Star Tribune" daraus. Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. "Ich habe mehrere professionelle Führer engagiert, und sie haben alle Genehmigungen eingeholt", heißt es in der Mitteilung.

"Soweit ich weiß, war alles an dieser Reise legal und wurde ordnungsgemäß abgewickelt. Ich hatte keine Ahnung, dass der Löwe vor Ort ein bekannter Liebling war, ein Halsband trug und bis zum Ende der Jagd Teil einer Studie war." Er habe sich auf die Fachkenntnis seiner lokalen Führer verlassen, um eine legale Jagd sicherzustellen. Er bedaure zutiefst, dass die "Ausübung einer Aktivität, die ich liebe und der ich verantwortungsbewusst und legal nachgehe, dazu führte, dass dieser Löwe tot ist".

Fotostrecke

3  Bilder
Nationalpark in Simbabwe: Tod eines geliebten Löwen
45.000 Euro für Löwenjagd

So verantwortungsvoll, wie er sich darstellt, ist P. als Jäger nicht. 2008 wurde er zu einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe von knapp 3000 Dollar verurteilt, weil er 2006 in Wisconsin einen Schwarzbären getötet hatte - rund 60 Kilometer außerhalb des zulässigen Jagdgebiets. P. gab zu, den toten Bären zurück in das Areal gebracht zu haben und Angaben zum Abschussort gefälscht zu haben.

Der Zahnarzt ist zudem kein Jagd-Novize. Laut "Star Tribune" ist er Mitglied in einer Großwildjägervereinigung namens Safari Club International. Auf einer Liste der Organisation sind 43 Abschüsse durch P. vermerkt.

Für Kritiker ist das Statement zu Cecils Tod deshalb ein allzu durchsichtiger Versuch, Verantwortung abzuwälzen. Ein einheimischer Jäger und der Besitzer des Grundstücks, auf dessen Land das Tier getötet wurde, müssten sich vor Gericht wegen Wilderei verantworten, teilte die zuständige Behörde in Simbabwe mit. Auch nach P., der umgerechnet rund 45.000 Euro für die Löwenjagd bezahlt haben soll, wird Berichten zufolge gesucht. P. sagte laut "Star Tribune", ihn hätten bislang keine Offiziellen aus Simbabwe oder den USA kontaktiert. Er werde aber mit Ermittlern kooperieren.

Möglicher juristischer Ärger könnte noch sein geringstes Problem sein. Binnen weniger Tage ist der Zahnarzt zur Hassfigur geworden.

  • Seine Praxis wurde auf dem Bewertungsportal Yelp mit Beschimpfungen überschüttet. Ein Beispiel: "Wenn Sie einen Wilderer brauchen, der Löwen zum Spaß tötet, ist dieses mörderische A-Loch ihr Mann!"
  • Vergleichbare Kommentare gab es auch auf der inzwischen abgeschalteten Facebook-Seite der Praxis.
  • Eine Petition fordert Gerechtigkeit für Cecil und ein Ende der Wilderei - am späten Mittwochvormittag hatten mehr als 280.000 Leute unterschrieben.

Besonders bitter könnte die Sache für P. werden, weil viele Prominente sein Verhalten ebenfalls unmöglich finden - und dies Abermillionen von Twitter- und Instagram-Followern mitteilen. Stellvertretend für viele Äußerungen steht ein Tweet des britischen Komikers Ricky Gervais, der sich für Tierschutz einsetzt: Es gehe nicht um Nahrung. Auch nicht ums Schießen, denn sonst wären Dosen als Ziel ausreichend. "Es muss der Nervenkitzel des Tötens sein. Krank."

Das südafrikanische Model Candice Swanepoel schrieb auf Instagram, sie könne nicht ausdrücken, wie traurig sie die Sache mache. "Diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, ist solch ein Segen, du musst krank sein, solch ein majestätisches Geschöpf Gottes töten zu wollen. Du kommst nach Afrika mit deinen Dollars und Euros und denkst, du könntest dir Macht kaufen, indem du Afrikas Armut ausnutzt und Leute dafür bezahlst, dir dabei zu helfen, ein unschuldiges Wesen zu töten. Ekelhaft!"

Nach derzeitigem Kenntnisstand band die Jagdgesellschaft des Zahnarztes ein totes Tier an ein Auto, um Cecil aus dem Nationalpark zu locken. Außerhalb des Parks ist die Jagd legal. P. schoss dann mit Pfeil und Bogen - manche Quellen sprechen auch von einer Armbrust - auf Cecil, tötete das Tier aber nicht. Erst 40 Stunden nach der nächtlichen Aktion entdeckten die Jäger den Löwen und erschossen ihn mit einem Gewehr. Anschließend wurde Cecil gehäutet und geköpft. Zudem wurde vergeblich versucht, sein mit einem GPS-Sender versehenes Halsband zu zerstören. Forscher des von der Oxford-Universität unterstützten Hwange Lion Research hatten es ihm angelegt.

"Der traurigste Teil von Cecils Tod ist, dass der rangnächste Löwe Jericho nun höchstwahrscheinlich alle von Cecils Jungen töten wird, damit er seine eigene Blutlinie in die des Weibchens einfügen kann", schrieb der Vorsitzende der Umweltorganisation Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF), Johnny Rodrigues. "Das ist bei Löwen das Standardverfahren."

Simbabwe stellt ausländischen Jägern Lizenzen aus, um Großwild wie Elefanten, Büffel und Löwen legal zu jagen - aber nur in begrenztem Umfang. Die Einnahmen werden für den Tierschutz verwendet.

ulz/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: