Boston-Attentat: Getöteter Terrorverdächtiger in Virginia beigesetzt

Der getötete mutmaßliche Attentäter von Boston wurde heimlich begraben. Auch den Ort der Begräbnisstätte wollte die Polizei nicht preisgeben. Nun machen muslimische Geistliche aus Virginia ihn publik: Sie sind verärgert, dass sie niemand gefragt hat.

Washington - Auch nach seiner heimlichen Beisetzung sorgt der Umgang mit dem Leichnam des getötete Terrorverdächtigen von Boston weiter für Unmut. Am Freitag machten empörte islamische Geistliche die Begräbnisstätte von Tamerlan Zarnajew bekannt. Sein Leichnam sei auf einem muslimischen Friedhof in Doswell, einer kleinen Gemeinde in der Nähe der Großstadt Richmond, Virginia, beerdigt worden, sagte Ammae Ammonet, Imam des Islamischen Zentrums von Virginia. Er missbillige die Entscheidung, seine Gemeinde sei nicht informiert worden. "Wir sind sehr verärgert, Tausende Muslime sind betroffen, und wir wurden nicht gefragt," sagte Ammonet.

Die Polizei wollte den Begräbnisort des 26-Jährigen zuvor nicht öffentlich machen. Mehrere Friedhöfe hatten sich geweigert, die sterblichen Überreste des mutmaßlichen Bombenlegers aufzunehmen. Er lag bis Mitte der Woche bei einem Bestatter in der Stadt Worcester 70 Kilometer westlich von Boston.

Bereits vor dem Beerdigungsinstitut hatten zahlreiche Menschen protestiert. Dutzende Gemeinden im Bundesstaat Massachusetts hatten sich geweigert, Zarnajew zu beerdigen. Viele hatten Angst vor Grabschändungen und anhaltendem öffentlichen Protest. Zuletzt hatte die Polizei öffentlich um Hilfe bei der Suche nach einer Grabstätte gebeten. Am Donnerstag teilte sie dann schließlich mit, eine "mutige und anteilnehmende Person" habe sie unterstützt.

Tamerlan Zarnajew starb vier Tage nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Die Todesursache sollen mehrere Schusswunden an Rumpf und Gliedmaßen sowie Traumata an Kopf und Körper gewesen sein. Der mutmaßliche Terrorist hatte sich ein Feuergefecht mit der Polizei geliefert, die ihn und seinen Bruder Dschochar verfolgte. Er soll seine gesamte Munition verschossen haben, bevor ihn sein Bruder mit einem gestohlenen Auto auf der Flucht überfuhr. Der 19-jährige Dschochar befindet sich in Haft.

sun/AP/dpa/Reuters

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insgesamt 1 Beitrag
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1. warum ...
ellenlasirene 11.05.2013
sind die muslime verärgert? weil sie den mörder auch nicht haben wollten? das ist jetzt keine ironie bitte, aber ich verstehe die aussage des artikels nicht.
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