Fluten, Brände, gesperrte Gleise Unwetter wüten über Deutschland

Erst kam die Hitze, jetzt gewittert es heftig. Über viele Teile Deutschlands fegen Unwetter hinweg. Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz. Meteorologen warnen sogar vor Tornados: "Die Wetterlage hat Zunder."


Hamburg - Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und brennende Häuser: Unwetter mit Blitz und Donner haben in weiten Teilen Deutschlands kräftig gewütet und für Millionenschäden gesorgt. Im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel hielt ein Supermarkt-Dach den Wassermassen nicht stand und brach ein. In Bremen sprengte ein Blitz den Schornstein eines Hauses. Verletzt wurde niemand.

Von den Unwettern in der Nacht und im Laufe des Donnerstages waren auch Teile von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern sowie des Saarlandes betroffen. Die Meteorologen warnen vor weiteren Unwettern und sogar Tornados.

"Im gesamten Gebiet ging quasi die Welt unter", sagte Britta Breuers von der Polizeidirektion in Oldenburg. In Bremen und mehreren Landkreisen Niedersachsens brannten Gebäude nach Blitzeinschlägen. In Scheeßel, wo vor Beginn des "Hurricane"-Festivals Tausende Musikfans ankamen, forderte der Veranstalter am Abend die Besucher auf, die Zelte zu sichern und sich in Autos in Sicherheit zu bringen.

In Bremen hielten fast hundert Einsätze Feuerwehr und Polizei auf Trab, in Hamburg waren es rund 150. In Schleswig-Holstein musste die Feuerwehr mehr als tausendmal ausrücken. Laut Bahn kam es auf den Strecken Kiel-Lübeck, Büchen-Lüneburg sowie Neumünster-Kiel zu Verspätungen, weil Bäume von den Gleisen geschafft werden mussten.

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Heftige Unwetter: Blitz und Donner über Deutschland
Auch in Nordrhein-Westfalen legten Gewitter und starker Regen den Bahnverkehr auf mehr als einem Dutzend Strecken lahm. Betroffen war vor allem der Nahverkehr. Gleise wurden unterspült, Äste fielen auf Oberleitungen, Erdreich wurde auf Gleise geschwemmt. Wasser drang in elektronische Signal- und Weichensteuerungsanlagen und verursachte Ausfälle. Betroffen waren unter anderem die Regionen Bonn, Gummersbach, Dortmund und Münster.

In Gütersloh standen nach Polizeiangaben Dutzende Keller und Tiefgaragen unter Wasser. Im Rhein-Sieg-Kreis kämpften Polizei und Feuerwehr ebenfalls gegen Wassermassen. In Dülmen kam ein 80-Jähriger ums Leben. Angehörige fanden den Mann am Nachmittag leblos in einem überschwemmten Keller. Rettungskräfte konnten ihm nicht mehr helfen. Die Polizei ging davon aus, dass er beim Arbeiten gegen eindringendes Wasser aus gesundheitlichen Gründen zu Tode kam.

In Bochum schlug das Unwetter besonders heftig zu. Zwischen 13 und 15 Uhr fielen laut Deutschem Wetterdienst 73 Liter pro Quadratmeter. "Das ist schon wie Monsun in Indien", sagte der Meteorologe Thomas Ruppert. Die Feuerwehr zählte mehr als 350 Einsätze.

"Leute, bleibt lieber zu Hause"

In Mecklenburg-Vorpommern richteten die Hitzegewitter teils erhebliche Schäden an. Im Raum Rostock knickten Sturmböen mehrere Bäume um. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim brach Stunden nach dem Gewitter ein fünf Meter langer Ast von einem Baum und stürzte auf die Windschutzscheibe eines vorbeifahrenden Kleintransporters. Das Auto geriet ins Schleudern, der Fahrer wurde leicht verletzt.

Ein Blitzeinschlag setzte in Arendsee in Sachsen-Anhalt eine Scheune in Brand. Das Gebäude brannte vollständig nieder. Verletzt wurde niemand. Zudem stürzten während des Unwetters viele Bäume um.

Viel Regen verursachte auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland zahlreiche Einsätze der Feuerwehr. Keller liefen voll, Straßen waren überschwemmt. Auf der Strecke zwischen Trier und Koblenz rutschte Erdreich auf Gleise. Die Strecke musste zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden. Auch in Bayern knickten Bäume um.

Nach der Hitze der vergangenen Tage wird zum kalendarischen Sommeranfang am Freitag unbeständiges, wechselhaftes Wetter erwartet. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor heftigen Unwettern in der Nacht, auch Tornados seien nicht ausgeschlossen, sagte Meteorologe Ruppert. "Leute, bleibt lieber zu Hause", lautete sein Rat. "Die Wetterlage hat Zunder." Bis Freitag soll die Front über die Mitte Deutschlands hinweg bis zur polnischen Grenze ziehen.

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wit/dpa/AFP

insgesamt 75 Beiträge
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eisbaerchen 20.06.2013
1. Ach Gottchen,
da gibt es mal ein Unwetter, in ganz normalem Rahmen, und schon drehen alle Schreiberlinge durch. Lächerlich!! Ihr habt doch alle völlig den normalen Draht zur Natur verloren! Aber das kommt eben davon, wenn alle nur noch schicki-micki im urbanen Umfeld wohnen und nicht mehr mit der Natur leben wollen. Und von so einem Wetterchen wird nicht mal ein Blockheizkraftwerk um die Ecke gefährdet...ich könnte mich wirklich schlapplachen...
Nevermeind 20.06.2013
2.
Dieser Gedanke waere in der Tat ein Fehler. Unsteter Fruehling hin und her mit allerlei Ueberraschungen bis hin zum Giro d'Italia im Schnee, letztlich kommt im Sueden immer ein konstanter Sommer, wenn nicht schon im Mai, dann halt im Juni, und stets bis Ende Oktober. Ich weiss, ist aergerlich, dass sich die Tiefdrucksysteme mit richtig viel Wasser zum Teil ueber Adria, Riviera und Poebene bilden, um sich dann jenseits der Alpen abzuregnen. Andererseits weiss man das seit dem Magdalenenhochwasser.
relic 20.06.2013
3. Wer jetzt noch glaubt...
... das der Klimawandel nicht stattfindet, dem ist nicht mehr zu helfen...
wwwwalter 20.06.2013
4. Nomen est Omen
Hurricane-Festival in Scheeßel... das ist nicht zum Lachen, aber zweifellos komisch. Es gab auch mal die Sushi-Marke Tsunami, die man in besseren Supermärkten an der Kühltheke bekam. Nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean (2004) muste sich die Firma umbenennen... das ging gar nicht mehr. Hoffen wir, dass es diesem Festival nicht auch so geht.
Oelteichscheich 20.06.2013
5. Ein Klimawandel vom feinsten wird das erst noch!
Zitat von sysopDPAErst kam die Hitze, jetzt gewittert es heftig. Über viele Teile Deutschlands fegen Unwetter hinweg. Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz. Meteorologen warnen sogar vor Tornados: "Die Wetterlage hat Zunder." http://www.spiegel.de/panorama/gewitter-unwetter-wueten-ueber-deutschland-a-907020.html
Sagten die Mayas nicht es käme nach dem 21. Dez. 12 Wasser, sehr viel Wasser? So kann auch ein Untergang aussehen. Wasser in Form von vielem Schnee und harten langen zukünftigen Wintern, Hochwasser, starke Regenfälle. Sieht so aus als dulde Planet Erde das Gastspiel des Menschen auf ihm nicht mehr lange. Die 90-iger waren das letzte "ruhige" Jahrzehnt, jetzt häufen sich die Wetterextreme bis ins Unermessliche.
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