Flugunglück Helikopter stürzt auf Pub im Zentrum von Glasgow

Ein schweres Unglück hat sich in der Nacht zu Samstag in Glasgow ereignet. Ein Helikopter der Polizei stürzte auf das Dach eines gut besuchten Pubs. Offenbar wurden viele Menschen verletzt, Schottlands Ministerpräsident rechnet mit Todesopfern.


Glasgow - In der schottischen Stadt Glasgow ist am späten Freitagabend ein Polizeihubschrauber abgestürzt und in das Dach eines gut besuchten, hauptsächlich von jungen Leuten frequentierten Lokals gekracht. Bei dem Unglück habe es Verletzte gegeben, sagte der Labour-Abgeordnete Jim Murphy der BBC. Der Unfall ereignete sich dem Sender zufolge um 22.25 Uhr Ortszeit. Das Wrack des Helikopters steckte in dem demolierten eingeschossigen Gebäude fest. An Bord des Eurocopters EC 135 T2 waren ein ziviler Pilot und zwei Polizeibeamte.

Völlig unklar war zunächst, wie viele Verletzte oder sogar Tote es gegeben haben könnte. Die BBC zitierte einen Mitarbeiter des Krankenhauses Royal Infirmary, der von "ernsten Verletzungen" sprach. Augenzeugen sahen blutverschmierte Menschen aus den Gasträumen laufen. Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond schloss am frühen Samstagmorgen nicht aus, dass auch Tote zu beklagen seien. "Bei einem Ereignis dieser Größenordnung müssen wir uns alle darauf gefasst machen, dass es möglicherweise Todesopfer geben könnte", schrieb er im Kurznachrichtenportal Twitter.

Passanten berichteten von einer Menschenkette, die Bewusstlose aus den Trümmern transportiert habe. Die Feuerwehr hatte umgehend 15 Einsatzwagen am Unfallort. Bei der Frage, ob es eine Explosion gegeben habe, gingen die Berichte der Augenzeugen auseinander. Einige berichteten von einem "Knall wie bei einem Feuerwerk". Andere sagten, es gebe kein Feuer. Der Pub "The Clutha" befindet sich nur wenige Gehminuten von der Haupteinkaufsstraße im Zentrum Glasgows entfernt.

In dem Pub spielte zum Zeitpunkt des Unglücks die Ska-Band Esperanza. Ein Gast beschrieb der BBC seine Wahrnehmung des Unglücks: "Mitten im Konzert gab es plötzlich eine gigantische Explosion," sagte der 34-Jährige. "Teile des Raums waren in Staub gehüllt. Wir wussten nicht, was geschehen war," berichtete er. "Wir hielten eine Sekunde lang inne; dann entstand eine Panik, und die Leute versuchten, durch die Tür nach draußen zu kommen. Ich würde sagen, es waren vielleicht 120 Leute im Pub. Wir wollten Platz machen, um die Einsatzkräfte durchzulassen."

Eine andere Besucherin sagte der BBC: "Die Band machte noch Witze und sagte, sie hätten so toll gespielt, dass sie das Haus zum Einsturz gebracht hätten. Sie spielten weiter und dann rutschte das Dach immer tiefer, jemand schrie, und der Raum füllte sich mit Staub. Man konnte nichts sehen, man konnte nicht mehr atmen." Ähnlich schilderte auch Jim Murphy die Situation.

Gordon Smart, der Herausgeber der schottischen Ausgabe des Boulevardblatts "Sun", sagte dem TV-Sender "Sky News", der Hubschrauber sei "wie ein Stein" vom Himmel gefallen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei allen, die mit dem Unglück zu tun hätten. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Schottlands, Nicola Sturgeon, schrieb beim Kurznachrichtendienst, es seien "schockierende Nachrichten".

bos/dpa/AP

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