Glücklicher als Vanuatu Warum die Dänen so lykkelig sind

Britische Forscher haben mal wieder eine Weltkarte des Glücks ausgetüftelt: Einem Wissenschaftler aus Leicester zufolge ist darauf Dänemark das glücklichste Volk der Erde. Dabei hatte erst kürzlich eine Londoner Ideenschmiede diesen Titel den Bewohnern der Südseeinsel Vanuatu zugebilligt.

Von Brenda Strohmaier


Hamburg - Nun also die Dänen. 177 Staaten haben sie beim Glücksranking des britischen Sozialpsychologen Adrian White abgehängt, Vanuatu liegt weit abgeschlagen auf Platz 24. Dabei leuchtet das Glück von Südseebewohnern bestimmt vielen Deutschen noch eher ein. Strand, Sonne, exotische Tiere - das klingt doch nach Dauerurlaub. Aber glückliches Dänemark?

Dänischer Fußballfan: Auch ohne WM glücklich
AP

Dänischer Fußballfan: Auch ohne WM glücklich

Da fällt einem doch eher der Regisseur Lars von Trier ein, der Meister der cineastischen Depression. Oder der verrückte Muppet-Show-Koch, der immer sein Handwerkszeug durch die Gegend warf und "Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm" rief. Doch der gemeine Däne behauptet tatsächlich von sich, glücklich zu sein.

Der Wissenschaftler White hat für seine Weltkarte hundert Glücksstudien mit 80.000 Befragten ausgewertet, bei denen es um subjektive Zufriedenheit ging. Das Ergebnis: Mehr als zufrieden ist man dort, wo es gut um Gesundheit, Wohlstand und Bildung bestellt ist. "Diese Studie macht Schluss mit der Idee, der Kapitalismus stürze Menschen ins Unglück", verkündet er. Anders gesagt: In Dänemark (wo glücklich lykkelig heißt) muss die Sache mit dem Kapitalismus ganz gut funktionieren.

Wie gut, zeigt schon ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik: Nur 4,5 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote in Dänemark, Tendenz fallend. "Wichtig ist für das Glücksempfinden der Dänen sicher, dass es nur geringe Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt. In Dänemark besteht ein Konsens darüber, dass man teilen muss", erklärt der dänische Gesandte Svend Olling.

Dänen sehen die Globalisierung als Chance

Ihn hat das gute Abschneiden seines Staats nicht überrascht. Er weist darauf hin, dass Dänemark bei derartigen Untersuchungen schon öfter vorne dabei war. Umfragen zeigen dem Gesandten zufolge auch, dass man in Dänemark keine Angst vor der Zukunft habe. "Da sieht man die Globalisierung als Möglichkeit, als Chance. Das liegt wohl daran, dass wir immer ein kleines, offenes Land waren und immer viele wirtschaftliche Beziehung mit dem Ausland gepflegt haben."

Gerade der wirtschaftliche Erfolg ist wohl dafür verantwortlich, dass die Dänen bei der Studie, bei der Vanuatu so gut abschnitt, nur auf Platz 99 landeten. Für ihren "Happy Planet Index" hatte der Londoner Thinktank New Economics Foundation nicht nur Lebenserwartung und subjektive Zufriedenheit mit eingerechnet, sondern auch den Ressourcenverbrauch des Landes. Dementsprechend kamen die großen Industrienationen schlecht weg.

So landete Deutschland lediglich auf Platz 88. Laut der Studie zur "Weltkarte des Glücks" des Wissenschaftlers White sind die Deutschen dagegen Nummer 35 der Rangliste - und liegen damit weit vor den Japanern (90) und Franzosen (62). Die Briten rangieren auf Platz 41, im oberen Viertel also. Unklar bleibt deshalb, warum ausgerechnet von dort bereits die zweite Glücks-Studie zum Thema kommt. Etwas anderes zeigen die unterschiedlichen Untersuchungen allerdings ganz deutlich: Es ist einfacher, das Unglück zu messen als das Glück. Bei den Schlusslichtern gibt es nämlich nur geringe Abweichungen. In beiden Studien zählen dazu Burundi, Simbabwe und der Kongo.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.