Götz George: Lukrativer Badeunfall

Das Oberlandesgericht München hat in zweiter Instanz entschieden, dass dem Schauspieler nach seinem Badeunfall auf Sardinien Schadenersatz in voller Höhe zusteht. "Schimi" verlangt 1,1 Millionen Mark Schmerzensgeld.

Hat gut lachen: Götz George
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Hat gut lachen: Götz George

München - George war am 30. Juli 1996 im Urlaub beim Schwimmen von einem Motorboot erfasst und am linken Bein schwer verletzt worden. Der Schauspieler hatte den Bootsbesitzer, einen Offenbacher Unternehmer, auf 1,1 Million Mark Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt. Die genaue Höhe der Entschädigung muss nun in einem weiteren Verfahren vom Landgericht München I festgestellt werden.

Das Oberlandesgericht ging von einer alleinigen Schuld des Bootsbesitzers aus. Es korrigierte damit das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts München I, das eine Mitschuld des heute 61-jährigen Schauspielers gesehen und ihm deshalb nur eine Entschädigung in Höhe von 70 Prozent des tatsächlichen Verdienstausfalls zugesprochen hatte. Bei dem Unfall war Georges linker Fuß der Länge nach aufgeschlitzt worden, die Schiffsschraube zertrümmerte das Knie.

"Ich hätte tot sein können", sagte George geschockt nach dem Unfall. Plötzlich sei das Boot auf ihn zugeschossen, schilderte der Schimanski-Darsteller während des Verfahrens den Vorfall. "Ich bin dann noch 50 Zentimeter unter die Wasseroberfläche getaucht, weil ich meinen Kopf retten wollte." In Berlin musste er sich später einer vierstündigen Knieoperation unterziehen und nach eigenen Angaben etliche Dreharbeiten absagen oder verschieben. Zur Urteilsverkündung war der Schauspieler, der auf Sardinien ein Ferienhaus besitzt, nicht nach München gekommen.

Der Unfall habe sich nahe der Isola Rossa, einer Badeinsel, ereignet, wo mit Schwimmern gerechnet werden müsse, hieß es in der Urteilsbegründung. Für die Schwimmer und Badenden stellten Motorboote eine typische Gefahrenquelle dar, deren Beherrschung der Bootsführer zu verantworten habe. Dabei sei es unerheblich, ob der Fahrer von der Sonne geblendet gewesen sei oder hohe Wellen seine Sicht beeinträchtigt hätten. Denn die Fahrweise mit einem Boot müsse stets den Sichtverhältnissen angepasst werden.

Es könne nach der Beweisaufnahme auch nicht davon ausgegangen werden, dass George getaucht habe und deshalb für den Bootsführer nicht sichtbar gewesen sei, betonte das Gericht. Es könne ihm auch nicht vorgeworfen werden, beim Kraulen nur nach jeweils mehreren Armzügen hochgeschaut zu haben. Mit der Annäherung eines Motorboots mit 38 Stundenkilometern habe der Schauspieler nämlich nicht rechnen müssen.

Der Bootsführer hatte angegeben, George sei mit Flossen, Schnorchel und Taucherbrille ausgerüstet gewesen. Dies sprach nach Ansicht des Beklagten dafür, dass der Schauspieler geschnorchelt habe und nicht geschwommen sei und man ihn deshalb nicht habe sehen können. Das OLG betonte, dafür habe es keinen Beweis gegeben.

Der spektakuläre Zivilstreit wird möglicherweise auch noch den Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigen. Denn das OLG-Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision zum BGH möglich. Georges Anwalt Michael von Sprenger hält das neuerliche Urteil für "wasserdicht", geht aber dennoch davon aus, "dass die Gegenseite versuchen wird, Revisionsgründe zu finden".

Tatsächlich nannte Bernd Gabriel, der Anwalt des Bootsführers, das Urteil "ganz schlecht". Ob er es anfechten werde, hänge von der ausstehenden schriftlichen Urteilsbegründung ab. Einen Vergleichsvorschlag des OLG auf Zahlung von 50.000 Mark Schmerzensgeld und 700.000 Mark Schadenersatz hatte der Bootsführer abgelehnt, so dass die Richter entscheiden mussten.

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