Nach verzweifeltem Notruf Rettungskräfte suchen schwer verletzten Weltumsegler

Im Indischen Ozean ist eine internationale Rettungsaktion für einen indischen Segler angelaufen. Der Mann soll schwer verletzt mit seiner Yacht im Meer treiben - und bewegungsunfähig in seiner Koje liegen.

Abhilash Tomy auf der "Thuriya" am 29. Juni 2018 vor dem Start des Golden Globe Race
AFP/ Damien Meyer

Abhilash Tomy auf der "Thuriya" am 29. Juni 2018 vor dem Start des Golden Globe Race


Im Indischen Ozean läuft eine internationale Suche nach einem schwer verletzten, vermutlich in Seenot geratenen Solo-Weltumsegler. Fregatten und Flugzeuge der indischen und australischen Streitkräfte haben sich auf den Weg zum letzten bekannten Standort des Mannes gemacht - etwa 1800 Seemeilen vor der Westküste Australiens.

Bei dem Segler handelt es sich um den 39 Jahre alten Abhilash Tomy aus Indien, der an der Weltumrundung Golden Globe Race (GGR) teilnimmt. Er war mit seiner Yacht am Freitag in einem Sturm mit bis zu 14 Meter hohen Wellen gekentert, hatte einen Mast verloren und sich nach eigenen Angaben eine schwere Rückenverletzung zugezogen. Der 39-jährige Marineoffizier liegt nach Angaben der Regattaleitung "bewegungsunfähig in seiner Koje".

Tomy segelt alleine in seinem zehn Meter langen Schiff "Thuriya" und hatte am Samstag verzweifelte Notsignale gesendet: "EPIRB AKTIVIERT. KANN NICHT GEHEN. KÖNNTE TRAGE BENÖTIGEN". Epirb bezeichnet eine Notfunkbake zur Kennzeichnung der Seenotposition. In einer zweiten Nachricht schrieb Tomy: "KANN ZEHEN BEWEGEN. FÜHLEN SICH TAUB AN. KANN NICHT ESSEN UND TRINKEN. SCHWIERIG, NACH TASCHE ZU GREIFEN."

"Er liegt verletzt in seinem Schiff"

Nach dem Notruf hatte eine australische Fregatte am Samstagabend Perth in Richtung des letzten bekannten Standortes der Yacht verlassen. Australien übernahm am Sonntag die Koordination der Rettungsaktion, wie die Seesicherheitsbehörde Amsa mitteilte. Die australische und die indische Luftwaffe schickten zwei Suchflugzeuge los, die Tomys Yacht überflogen. Sie begutachteten das beschädigte Boot, konnten den Segler aber nicht erreichen.

"Er liegt verletzt in seinem Schiff und kann deshalb nicht kommunizieren", sagte ein Sprecher der Behörde. Tomy hatte mit der Regattaleitung über eine Satelliten-Verbindung kommuniziert. Sein Satellitentelefon ist aber kaputt, ein zweites Satellitentelefon und ein Funkgerät an Bord kann er wegen seiner Verletzung nicht erreichen.

Die Yacht des 39-Jährigen treibt in einem derart abgelegenen Teil des Indischen Ozeans, dass Schiffe ihn vorerst nicht bergen können. Ein französisches Patrouillenschiff, das von den australischen Behörden alarmiert wurde, kann ihn wahrscheinlich erst am Montag oder Dienstag erreichen.

Ein weiterer Teilnehmer des Rennens sowie ein französisches Fischereipatrouillenschiff befänden sich in der Nähe des Standortes, teilten die GGR-Veranstalter mit. Sie würden sich ebenfalls an der Suche nach Tomy beteiligen.

Weltumsegelung ohne moderne Technik

Tomy hatte im Jahr 2013 als erster Inder die Welt umsegelt. Bevor er die Notsignale absetzte, hatte er den Angaben zufolge mehr als 10.500 Seemeilen zurückgelegt. Das GGR ist eine 30.000 Seemeilen lange Weltumrundung. Die Segler wollen dabei ein legendäres Rennen von 1968 wiederholen: Sie nutzen Nachbauten der damaligen Boote und haben bis auf Kommunikationsgeräte keine moderne Technik an Bord.

Tomys Yacht "Thuriya" ist ein Nachbau des Schiffs des Briten Robin Knox-Johnston, der das erste Rennen vor 50 Jahren gewonnen hatte. Laut GGR berichteten mehrere Teilnehmer des aktuellen Rennens von sehr schlechten Wetterbedingungen. Wie die Magazine "Yacht" und "Segelreporter" berichten, waren bei dem Sturm am Freitag insgesamt drei Yachten durchgekentert. Zwei davon hätten ihren Mast verloren, darunter Tomys Schiff.

fok/dpa/AFP



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