Golf von Aden Piraten bitten Reederei bei Entführung um Hilfe

Piraten-Posse im Golf von Aden: Seeräuber kaperten den deutschen Frachter "Magellan Star", konnten aber nicht damit fahren. Die Maschine war abgestellt, die Crew in einem Schutzraum. Also riefen die Kidnapper die Reederei an und verlangten Hilfe - doch stattdessen kam die US-Marine.

Von Simone Utler

U.S. Navy

Manama - Mittwochmorgen um 8.10 Uhr erhielt die Reederei DS Schiffahrt der Dr. Peters Gruppe in Dortmund die Nachricht von einem Angriff auf einen ihrer Frachter. Ein Motorboot mit Piraten liege längsseits der "Magellan Star". 20 Minuten später meldete sich der Kapitän bei der Reederei und berichtete, er habe - wie in einem Entführungsfall vorgesehen - die Maschine abgeschaltet und sich mit der Crew in einem Sicherheitsraum eingeschlossen.

Einen noch interessanteren Anruf bekam die Reederei kurz darauf. "Die Piraten wählten die neben den Telefonen stehende Notrufnummer und fragten uns, wo die Mannschaft sei", berichtet Jürgen Salamon, Firmeninhaber der Dr. Peters Gruppe. Darauf hätten die Piraten aber ebensowenig eine Antwort erhalten wie auf ihre nächste Frage, wie sie denn bitteschön die Maschine wieder in Gang bringen könnten.

Es folgten wüste Beschimpfungen von Seiten der Piraten - doch die Reederei wusste: Der polnische Kapitän und seine neunköpfige Crew waren in dem gut versteckten und mit einer schweren Stahltür verschlossenen Panic Room in Sicherheit, und die Piraten konnten das Schiff nicht in Betrieb nehmen, weil der Motor blockiert war. "Sie hatten also kein Faustpfand in der Hand", so Salamon. Daher lief das durchaus übliche Verfahren, dass Piraten nach der erfolgreichen Enterung eines Schiffs bei der Reederei anrufen und Forderungen stellen, ins Leere.

Erst die dritte erfolgreiche Befreiung

Die Besatzung der "Magellan Star" und die Reederei hatten doppeltes Glück: zum einen, weil die an Bord eingeübten Sicherheitsmaßnahmen funktionierten. Zum anderen, weil US-Marines in der Nähe waren und den Frachter, der einer deutschen Familie gehört und unter der Flagge von Antigua und Barbuda fährt, nach 22 Stunden aus der Gewalt der Piraten befreien konnten.

Die "Magellan Star" war laut Salamon das dritte Schiff eines Konvois, der von US-Kriegsschiffen begleitet wurde. Auch das erste Schiff aus dem Konvoi, der unter maltesischer Flagge fahrende Frachter "Olig B" mit drei Türken und 15 Georgiern an Bord, sei angegriffen worden.

Bevor sie sich in dem Schutzraum verbarrikadierte, hatte die Besatzung der "Magellan Star" einen Notruf abgesetzt, der von einer türkischen Fregatte des multinationalen Einsatzverbands zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika aufgefangen wurde. Das Kriegsschiff "USS Dubuque" entsandte daraufhin ein Kommando. Um 3.30 Uhr am Donnerstagmorgen besetzte die US-Marine laut Reederei den Frachter, um 6.30 Uhr gingen die Soldaten mit den festgesetzten Piraten von Bord.

Bei der Aktion, bei der unter anderem acht Hubschrauber eingesetzt wurden, seien die zehnköpfige Besatzung befreit und neun Entführer festgenommen worden, teilte die US-Marine am Donnerstag mit. Verletzt wurde niemand.

Erst zum dritten Mal ist im Golf von Aden die gewaltsame Befreiung eines von Piraten gekaperten Schiffs gelungen.

"Sehr umsichtig gehandelt"

Inzwischen sei der 8000-Tonnen-Frachter auf dem Weg nach Dubai, sagte Firmenchef Salamon. Das Schiff könne nur langsame Fahrt machen, es sei nicht voll seetüchtig. "Die Piraten haben aus Wut alles zerstört", so der Reeder.

Lob gab es für den Einsatz der Besatzung. "Der Kapitän und seine Leute haben sehr umsichtig gehandelt, wir sind stolz auf sie", so Salamon. Unter anderem sei es ihnen gelungen, die Maschinen rechtzeitig abzustellen und das Handelsschiff für die Piraten manövrierunfähig zu machen.

Seit einigen Jahren kapern Piraten im Golf von Aden verstärkt Schiffe. Inoffiziellen Angaben zufolge gab es im Jahr 2009 mehr als 200 Angriffe somalischer Piraten und 68 erfolgreiche Entführungen. Dabei wurden schätzungsweise mehr als 50 Millionen Dollar (39 Millionen Euro) Lösegeld gezahlt.

Ecoterra International, eine Organisation zur Überwachung der Piraterie, hatte in einem Bericht vom 31. August 23 Schiffe mit mehr als 411 Besatzungsmitgliedern aufgeführt, die in der Gewalt von Piraten sind.

mit Material von dpa/AFP/AP

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
d.chavez 09.09.2010
1. Falsch verstanden
Die Piraten haben doch bestimmt nur angerufen weil sie sich Sorgen um die Mannschaft gemacht haben... Aber ernsthaft: Noch so ein paar solcher Panikraum-Motorausschalt-Nummern (von denen es ja schon mehrere gab) und die entnervten Seeräuber werden sich einen neuen Job suchen müssen... oder sich schon im Vorfeld und nicht erst von der bestohlenen Reederei an Schiffen ausbilden lassen. Aber auch für einen Schiffsmotor brauchts doch bestimmt eine Art Zündschlüssel den man abziehen kann, oder?
hilfloser, 09.09.2010
2. Es wurden
die Freibeuter zu 5 Jahren Knast in einem Deutschen Gefängnis verurteilt, Ähammm, Ähhh, ich will da ja mal nicht als Rassist rüberkommen ( habe aber Jahrelang in Subsahara Afrika gearbeitet ) aber ein Deutscher Knast mit regelmäßigen 3 Mahlzeiten am Tag, Ärztlicher Versorgung, fließendem warmen und kaltem Wasser, nebst Sport und Freizeitmöglichkeiten jeglicher Coulleur, nebst psychologischer, konsularischer, gutmenschlicher NGO Betreuung, das ist ganz gewiß eine furchtbar abschreckende Strafe für jeden Somalischen Piraten!
M@ESW, 09.09.2010
3. Also
es ist ja sehr löblich das die das Schiff wieder befreit haben, aber ---Zitat--- Die "Magellan Star" war laut Salamon das dritte Schiff eines Konvois, der von US-Kriegsschiffen begleitet wurde. Auch das erste Schiff aus dem Konvoi, der unter maltesischer Flagge fahrende Frachter "Olig B" mit drei Türken und 15 Georgiern an Bord, sei angegriffen worden. ---Zitatende--- Wieso konnten die überhaupt geentert werden wenn die in einem von Kriegsschiffen begleiteten Konvoi fuhren?
rascal, 09.09.2010
4. .
Hätten die Piraten nicht einfach mit Sprengladungen drohen können? Die sehen doch Ihrer Piraterie als einen heiligen Krieg, so hätte der Panik Raum auch nicht mehr viel geholfen auch wenn sie nur geblöfft hätten. Gut dass sie nicht die hellsten waren.
df7si 09.09.2010
5. Begleiten ...
Zitat von M@ESWes ist ja sehr löblich das die das Schiff wieder befreit haben, aber Wieso konnten die überhaupt geentert werden wenn die in einem von Kriegsschiffen begleiteten Konvoi fuhren?
... heißt nicht wie in WK2 üblich auf Sichtweite fahren (Konvoi) , sondern dieselbe Strecke fahren mit bis zu 50 Seemeilen dazwischen, so dass das Kriegsschiff in zwei Stunden da sein kann. Und dass war es ja dann auch bzw. die Hubschrauber waren noch schneller da.
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