Segelschulschiff "Gorch Fock" soll offenbar weitersegeln

Bleibt die "Gorch Fock" doch im Einsatz? Laut NDR soll das Segelschulschiff der Marine noch 15 Jahre weitersegeln.

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Die "Gorch Fock" soll nach Informationen des NDR repariert werden und noch bis 2032 im Einsatz sein. Ein neues Segelschulschiff ist bereits geplant, damit es 2032 einen nahtlosen Wechsel geben kann.

Der Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, diese Informationen stammten aus einer Vorlage, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorliege. Es fehle aber noch der grüne Haken der Ministerin unter der Vorlage. Von der Leyen wolle den Verteidigungsausschuss am Donnerstagabend über ihre Entscheidung unterrichten.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte die Meldung nicht kommentieren, kündigte jedoch an, dass noch in dieser Woche eine Entscheidung über die "Gorch Fock" fallen soll.

Nach deutlich gestiegenen Reparaturkosten von aktuell 35 Millionen Euro war über eine Stilllegung des Schiffes und einen Neubau diskutiert worden.Seit fast 60 Jahren ist die "Gorch Fock" im Dienst. Im Herbst 2015 startete die 168. und bisher letzte Ausbildungsfahrt nach Norwegen und Schottland. Etwa 15.000 Männer und Frauen der Marine, darunter praktisch alle Offiziersanwärter, haben ihre seemännische Basisausbildung auf der "Gorch Fock" absolviert.

Seit dem 4. Januar 2016 liegt die "Gorch Fock" in der Bredow Werft in Bremerhaven. Bereits zwölf Millionen Euro sind laut Verteidigungsministerium für Reparaturen geflossen. Am 11. Oktober 2016 habe der Projektleiter die Arbeiten gestoppt, da sich deutliche Kostensteigerungen wegen verdeckter Schäden abzeichneten und keine Klarheit über den Umfang bestand. Zuerst sollte die Instandsetzung knapp 10 Millionen Euro kosten, inzwischen werden die Kosten auf 35 Millionen Euro geschätzt.

"Es wäre finanziell nicht sinnvoll, mitten in den Arbeiten aufzuhören und die Gorch Fock auszumustern", sagte Gädechens. Durch die absehbaren weiteren 15 Jahre Dienstzeit dürfte sich auch die teure Reparatur rechnen, meinte er. Außerdem würde ein Neubau mehrere Jahre dauern und es müsste dann eine Zwischenlösung geben.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), hatte am Dienstag die Bedeutung des Schulschiffs für die Ausbildung unterstrichen. Es sei "ein Symbol, ein Wahrzeichen" der Marine. "Ich bin immer für die Gorch Fock gewesen und fände es gut, wenn man sie zu vertretbaren Kosten wieder instandsetzen könnte", sagte der langjährige Kieler Bundestagsabgeordnete.

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Seit dem tödlichen Unfall einer Kadettin - sie war aus der Takelage gestürzt - sei viel Geld in die Sicherheit und Technik geflossen, sagte Bartels. Zudem war eine Kadettin, die Wache hatte, von Bord verschwunden; der Leichnam wurde später im Meer gefunden.

Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie als Pate des Schiffs betonte: "Wir wollen auch zukünftig die Offiziersanwärterinnen und -anwärter in ihrer Ausbildung begleiten. Die unmittelbare, direkt erlebte Seemannschaft kann nur auf einem Segelschiff erworben werden." Dies sei für die Offiziere der Marine "ein absolut notwendiger Teil ihrer Ausbildung".

koe/dpa

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