Griechenland Feuerwalze bedroht antikes Olympia

Die verheerenden Brände bedrohen nun auch antike Schätze Griechenlands - die Flammen wälzen sich auf Olympia zu. Inzwischen sind Tausende Feuerwehrleute und Soldaten gegen die Katastrophe im Einsatz, schon mehr als 50 Menschen verloren ihr Leben.


Athen - Die Waldbrände bedrohen mittlerweile auch die Ausgrabungsstätte des antiken Olympia. Die Flammen näherten sich bereits den umliegenden Dörfern, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Bewohner würden derzeit in Sicherheit gebracht. Wie das staatliche Fernsehen NET berichtet, brennt es bereits um das Dorf Pelópion, das nur etwa vier Kilometer von Olympia entfernt liegt. Löschhubschrauber sollen verhindern, dass die Flammen den Schauplatz der Olympischen Spiele der Antike erreichen.

Aus der Umgebung riefen verzweifelte Einwohner und Behördenvertreter bei Fernsehstationen an, um Hilfe zu erbitten. "Wir werden lebendig verbrennen", sagte eine Frau aus dem Dorf Lambeti. Die Bewohner versuchten mit Gartenschläuchen, ihre Häuser vor den Flammen zu retten. "Die Feuer sind sehr groß. Sie können nicht vom Boden aus bekämpft worden", sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Ileia, Panagiotis Platanias. Die Stätte des antiken Olympia sei mit einem automatischen Brandschutzsystem ausgerüstet. Doch es sei nicht klar, ob dieses ausreiche, wenn die Feuer sich weiter ausbreiteten.

In Olympia fanden die ersten Olympischen Spiele in der Antike statt. Am Heratempel in Olympia wird das Olympische Feuer entzündet - das nächste Mal am 25. März 2008 für die Sommerspiele in Peking.

Das halbe Land brennt

"Die Brände lodern in mehr als der Hälfte des Landes", sagte Feuerwehrsprecher Nikos Diamandis. "Das ist sicher eine beispiellose Katastrophe für Griechenland." Die schlimmsten Feuer wüteten weiterhin auf dem Peloponnes und der Insel Evia nördlich von Athen.

Nach offiziellen Angaben sind seit Freitag 53 Menschen in den Flammen ums Leben gekommen. Tausende Feuerwehrleute und Soldaten sind im Einsatz, im ganzen Land wurde der Notstand ausgerufen. Auch aus dem Ausland trifft inzwischen Hilfe ein. In der vergangenen Nacht sind 60 französische Feuerwehrleute in der Nähe von Athen gelandet, wie ein ranghoher Offizier sagte. Unter ihnen Löschspezialisten bei Hubschraubereinsätzen sowie ein Arzt. Frankreich schickte außerdem vier Canadair-Löschflugzeuge nach Griechenland.

Deutschland schickt drei Hubschrauber zur Unterstützung der Brandbekämpfung. Spanien, Schweden und Italien helfen mit weiteren Löschflugzeugen. Auch aus den Niederlanden und dem Nicht-EU-Land Norwegen kommt Hilfe. Zypern schickte an Bord von Militärflugzeugen sechs Fahrzeuge und 30 Feuerwehrleute.

Die Feuerfront breitet sich, durch starke Winde angefacht, bis zur Tourismusregion Mani im Süden der Peloponnes auf einer Länge von 160 Kilometern aus. Das Feuer erreichte in der vergangenen Nacht die Küste bei Tholon, wo mehr als 400 Menschen Zuflucht gesucht hatten. Ein Versuch der Küstenwache, sie mit einem Boot in Sicherheit zu bringen, scheiterte, weil das Boot auf dem seichten Sandboden auf Grund zu laufen drohte, berichtete der staatliche griechische Rundfunk. Insgesamt mussten Dutzende Dörfer in der Region des Westens der Halbinsel Peloponnes evakuiert werden - sie sind von den Flammen eingeschlossen.

Weitere Brände tobten nahe der Hafenstadt Kalamata, bei Sparta im Südosten der Halbinsel. Feuerfronten mit starker Rauchbildung gab es auch im Raum Korinth auf dem Nordpeloponnes und auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa. Nach Medienberichten brannten hunderte Häuser nieder. Die Feuerwehr sei im Dauereinsatz und konzentriere sich praktisch nur noch darauf, Menschenleben zu retten, berichteten die Medien.

Die griechische Regierung rief angesichts des Ausmaßes der Katastrophe den landesweiten Notstand aus und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Bis Montag werden die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt. Nach inoffiziellen Schätzungen verbrannten allein in den vergangenen drei Tagen 70.000 Hektar Land.

ler/AFP/dpa/Reuters



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