Grillweltmeister im Interview "Die Deutschen brauchen mehr Phantasie"

Holzkohle anzünden, Würstchen drauf, Bier drüber - so sieht der deutsche Grillalltag aus. Noch. Grill-Weltmeister und Grillschulen-Betreiber Hans-Joachim Fuchs will die Deutschen die Kunst des Profi-Barbecues lehren. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview verrät er einige seiner Tricks.


SPIEGEL ONLINE: Endlich ist wieder richtiges Grillwetter. Was können wir von Ihnen, dem Grill-Weltmeister, jetzt noch schnell lernen?

Fuchs: Das klingt größenwahnsinnig, aber die Schüler, die zu mir kommen, sagen selbst, dass sie beim Grillen bislang alles falsch gemacht haben.

Grillmeister Fuchs: "Von einem Grill von der Tanke für zehn Euro kriege ich nichts Vernünftiges runter"
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Grillmeister Fuchs: "Von einem Grill von der Tanke für zehn Euro kriege ich nichts Vernünftiges runter"

SPIEGEL ONLINE: Was denn zum Beispiel?

Fuchs: Zum Beispiel diese Unsitte, Bier über das Grillgut zu schütten. Dabei werden die Aschepartikel aufgewirbelt, und das ist so, als würden Sie den Sonntagsbraten auf den Fußboden werfen. Was noch viel schlimmer ist: Durch das Ablöschen entstehen polyzyklische Kohlenwasserstoffe. Die sind krebserregend und haften am Gargut. Und obwohl der Qualm sehr gut stinkt, bringt das geschmacklich gar nichts.

SPIEGEL ONLINE: Überhaupt scheint Grillen ganz schön bedrohlich für die Gesundheit. Erst am Wochenende hat sich ein Familienvater beim Anzünden schwer verbrannt.

Fuchs: Ja, dieser Mensch hat Spiritus über die Kohlen geschüttet. Das ist immer falsch, aber bei dieser Hitze erst recht. Bis man den anzündet, hat sich eine Spirituswolke gebildet, und die explodiert dann.

SPIEGEL ONLINE: Was sollte man stattdessen machen?

Fuchs: Einfach einen Eierkarton nehmen und zerreißen, das ist der beste Grillanzünder überhaupt. Und der preisgünstigste.

SPIEGEL ONLINE: Was brauche ich denn sonst an Ausrüstung?

Fuchs: Von einem Grill von der Tanke für zehn Euro kriege ich nichts Vernünftiges runter. 250 Euro sollte man schon ausgeben, etwa für einen Kugelgrill aus Emaille, der hält die Hitze. Früher waren ja auch Badewannen aus diesem Material. Kugelgrill deshalb, weil ich damit herrlich indirekt grillen kann.

SPIEGEL ONLINE: Was bitte ist das?

Fuchs: Die beste Art zu grillen. Dabei liegt das Gargut nicht direkt über einem Feuer, sondern über einer Auffangschale, die mit Wasser gefüllt ist. Die steht in der Glut und hat nur die Aufgabe, den heruntertropfenden Saft aufzufangen. Dann gibt es keinen Fettbrand, den ich ablöschen müsste. Und den Deckel habe ich für den Backofeneffekt.

SPIEGEL ONLINE: Aber man will ja grillen, nicht backen...

Fuchs: Braun wird es auch. Und es ist eine besonders schonende Art, etwas zu garen. Das Fleisch wird so sehr viel saftiger. Man nennt das deutsches Barbecue.

SPIEGEL ONLINE: Aber da fehlt doch das typische Grillgefühl.

Fuchs: Das Aroma bleibt das gleiche. Ich kann's nur empfehlen, aber sagen Sie einem Raucher, dass Rauchen schädlich ist - dann fragt er sie in der nächsten Sekunden nach Feuer.

SPIEGEL ONLINE: Lohnt es sich, Geld für Kohle auszugeben?

Fuchs: Kohle für Kohle? Ja. Die billige Holzkohle hat manchmal Tanne, Kiefer oder Erle mit drin. Und man sollte wirklich nur mit Buche grillen, die ist kräftig, hat gutes Feuer und kaum Harz.

SPIEGEL ONLINE: Was für Fleisch empfehlen Sie?

Fuchs: In Deutschland gibt's normalerweise Steak, Ketchup drauf, fertig. Wir brauchen beim Grillen mehr Phantasie! Wie wär's denn mal damit, ein Kammsteak zu füllen? Zum Beispiel mit ein, zwei Löffeln Obstcocktail aus der Dose, ein bisschen Curry oder Honig dran, fertig. Ach so, und wenn Sie das mit Zahnstochern zusammenhalten - denken Sie dran, dass die zwei Stunden einweichen müssen, damit sie nicht brennen.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist das mit der Marinade?

Fuchs: Die gehört unbedingt dazu. Auch bei dem gefüllten Fleisch. Ich stelle alle Marinaden auf Ölbasis her. Meine Faustregel: 500 Milliliter Rapsöl, kalt gepresst, mische ich mit 150 Gramm Trockengewürz. Welches man da nimmt, muss jeder für sich durchkosten. Die Marinade muss drei Tage lang stehen. Und dann gebe ich am Grilltag noch frische Kräuter dazu. Darin muss das Gargut dann vier Stunden ziehen. Aber Achtung mit Knoblauch, das schmeckt sonst alles danach. Und Salz hat beim Grillen erst etwas auf dem Tisch zu suchen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch einen Tipp, was man außer Fleisch auf den Grill packen kann? 

Fuchs: Klar, Gemüse liegt beim Grillen im Trend. Wichtig ist, dass man gleich große Stücke schneidet und das Gemüse mariniert. Dann gibt's in jedem Baumarkt für 3 Euro 65 einen Grillkorb aus Metall mit Löchern, den setzt man auf den Grill und schwenkt das Gemüse darin.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie zum Abschied noch eine Erklärung, warum immer die Männer am Grill stehen?

Fuchs: Die Antwort darauf kann nur sein, dass die Männer in Urzeiten von der Jagd nach Hause kamen und sich das größte Stück sicherten, indem sie das Fleisch am Feuer zubereiteten.

Die Fragen stellte Brenda Strohmaier



insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
dericon, 12.06.2006
1.
---Zitat von sysop--- Ein echtes Naturgesetz: Im Sommer wird gegrillt. Was ist dran am rauchenden Freizeitvergnügen? Lieben Sie Duft und Geschmack des deftigen Bratgutes, oder ergreifen Sie lieber die Flucht zu feineren Genüssen, wenn der Funkenflug beginnt? ---Zitatende--- Wenn der Nachbar das Grillen bzw. Grillgut nicht beherrscht und bei entsprechenden Windverhältnissen die ganze Nachbarschaft verqualmt ... Frust pur. Die Geruchsbelästigung kann sogar bei Elektrogrills auf dem Balkon entsprechend hoch sein, aber sagen Sie mal so einem Grillmeister, seine Fähigkeiten seien unterdurchschnittlich ...
jimKn0pfEnhanced, 12.06.2006
2. Bürokratie Terror
---Zitat von sysop--- Ein echtes Naturgesetz: Im Sommer wird gegrillt. Was ist dran am rauchenden Freizeitvergnügen? Lieben Sie Duft und Geschmack des deftigen Bratgutes, oder ergreifen Sie lieber die Flucht zu feineren Genüssen, wenn der Funkenflug beginnt? ---Zitatende--- Same procedure then every year ... hatte man noch gedacht doch überfleissige Bürokraten sorgen für Frust, zumindest hier in Berlin. Normalerweise gibts in meinem Park um die Ecke Vietnamesische und Thailändische Spezialitäten. Die wurden immer schonend auf der Park Wiese zubereitet. Allerdings tauchte ein Herr von "Ordnungs Amt" ABM Mitarbeitern aus. Schick ausgestattet mit blauem leicht militärischem Outfit, einziger Unterschied zum Soldat - blaue Hinweis Infozetettel anstatt Knarre. Damit ausgerüstet überfielen Sie ahnungslose Parkbesucher oder Ihr main target, die asiatischen Griller. Die message - grillen ja, aber nur in einer eigens dafür vorgesehnen Area! Wer mal am Fehrbelliner Platz weilt, kann sich dieses eingezäunten Sandkasten mal anschauen. Ist in der letzten Ecke des Parkes, direkt Gegenüber des Mikrozensus und absolut ungrillerotisch. Ich dachte erst es ist eine Hundetoilette... Und es wird nicht genutzt, frage mich jetzt nur wieviel Steuergelder dafür drauf gehen. Wahrscheinlich wird es ein Programm sein was in allen Berlienr Parks eingeführt wurde und dann sicherlcih einige Millionen Euro kostet. Nur wiso? Die Rasenfläche war nie beschädigt. Die Asiaten haben Ihr Dreck UND den Dreck anderer weggeräumt. Einfach nur grotesk - Bürokratie Terror - Geldverschwendnung im grossen Stil!
Reziprozität 12.06.2006
3.
---Zitat von sysop 1--- Ein echtes Naturgesetz: Im Sommer wird gegrillt. Was ist dran am rauchenden Freizeitvergnügen? Lieben Sie Duft und Geschmack des deftigen Bratgutes, oder ergreifen Sie lieber die Flucht zu feineren Genüssen, wenn der Funkenflug beginnt? ---Zitatende--- Hallo sysop, ich mag jetzt nicht gleich mäkeln wollen, aber in punkto Feinstaubemissionen und Erzeugung krebsauslösender Substanzen ist Grillen superweit vorn auf der Agenda. Und gehört nach neu-deutschem Verständnis schlichtweg verboten! Bütikofer, übernehmen Sie!
Saracenia, 13.06.2006
4. Saisongrillen?
Meine Grillsaison (bzw. die meines näheren Umkreises) endet mit dem Silvester(saisonend)grillen, um dann nahtlos in ein Jahres(saison)anfangsgrillen überzugehen. Weil es einfach nichts Besseres gibt, als ein blutiges Steak frisch vom Feuer, plus all die anderen Leckereien und die gemütliche Atmosphäre. Egal, ob das Wetter dem Vorhaben gewogen ist oder nicht. Und ehrlich - das Leben führt nun mal zum Tod, ich lasse mir deshalb nicht die Freude an der ursprünglichen Garmethode verderben. Nur leider kann man nicht im Frieden grillen, wenn es einem der liebe Nachbar nicht gönnt - daher auch diverse Gerichtsurteile zum Thema. Wer mit seinen Nächsten auf gutem Fuße steht, hat es gut - da sitzt der Nachbar einfach mit am Tisch. Dass ich den Grill nicht gerade dann abfackle, wenn das weiße Damasttischtusch in der Sonne trocknet, ist wohl klar. Diese Kleingeisterei von wegen höchstem 5 Stunden im Jahr grillen - schon das Angrillen braucht 'ne Stunde. Dem Hund muss man auch beibringen, wann er bellen darf und wann nicht. Man kann sich das Leben auch höchstrichterlich gegenseitig schwer machen, es ist ja einfach genug. Ich wünsche jedem nette Nachbarn.
Shinji Ikari, 15.06.2006
5.
wie waers mit enem deal, ich hoer zu grillen auf und die franzosen verbieten das baguette oder die italiener verbieten die pizza beim grillen geht es nicht nur um fleisch schoen lecker mit einem raucharoma ueber manneskraft(feuer/glut) zuzubereiten, nein, grillen ist etwas typisch deutsches, ich kenne kein land wo die leute beim ersten sonnenstrahl im sommer kollektiv in die supermaerkte rennen um die fleischreserven zu vernichten grillen sollte gefördert werden, wir haben doch unnuetzes fleisch und bevor wir es wegwerfen koennen wir es doch auch vertilgen
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