Katastrophe in Backnang Kretschmann trauert mit Familie der Brandopfer

Am Abend nach der Brandkatastrophe versinkt die Kleinstadt Backnang in tiefer Trauer. Angehörige der Familie besuchen die rauchende Ruine, in der eine türkische Mutter und sieben Kinder in den Flammen starben. Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht von einer nationalen Katastrophe.

DPA

Backnang - Die Folgen des Brands von Backnang sind erschütternd: Eine Mutter und sieben ihrer Kinder kommen ums Leben. Der Vater und die übrigen drei Geschwister haben auf einen Schlag einen großen Teil ihrer Familie verloren.

Baden-Württembergs Ministerpräsident hat den Angehörigen am Abend kondoliert. "Wir sind betroffen und erschüttert angesichts dieser Katastrophe, die diese große Familie und unser Land heimgesucht hat", sagt Winfried Kretschmann.

Ziegel liegen auf der Straße. Rauch steigt auf. Kretschmann ist im schwarzen Anzug gekommen, mit dunkler Krawatte.

Die Mutter, die bei dem Brand starb, war erst 40, ihr jüngstes Kind ein sechs Monate altes Baby. Die Opfer wurden wohl im Schlaf überrascht. Sie erstickten im Qualm. Dann verbrannten ihre Leichen.

Einsatzkräfte tragen die Leichen aus dem Haus

Die Wohnung der Familie liegt im ersten Stock, in einem Haus in der Innenstadt, in dem früher eine Lederfabrik war. Am späten Nachmittag gehen Einsatzkräfte hinein und tragen die Leichen aus dem Haus, abgeschirmt von einer schwarzen Zeltplane. Nachbarn und Angehörige kommen, bringen Plüschtiere und Blumen, gedenken der Opfer.

"Ich will allen Angehörigen und der ganzen türkischen Gemeinde mein Beilied aussprechen", sagt Kretschmann. "Auch im Namen der baden-württembergischen Landesregierung und des baden-württembergischen Volkes."

Neben Kretschmann stehen der türkische Botschafter, Hüseyin Avni Karslioglu, und Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall. "Die Rettungskräfte haben getan, was sie tun konnten", sagt Gall. "Dennoch gehen sie mit dem Gefühl nach Hause, nicht allen geholfen haben zu können."

Die Großmutter ist zurück an den Unfallort gekommen, zurück zur qualmenden Ruine. Sie hatte sich in der Nacht auf den Balkon retten können, dort halfen ihr die Sicherheitskräfte. Ein elf Jahre alter Junge und sein Onkel konnten so ebenfalls den Flammen entkommen.

Der Familienvater erreicht später den Unglücksort. Dem Vernehmen nach hatte er sich von seiner Frau getrennt und war ausgezogen.

Türkei in Trauer

Die Regierung in Ankara forderte eine vollständige Untersuchung. Die Türkei sei in Trauer, schreibt Bekir Bozdag, der Vizeregierungschef, auf Twitter. "Von Deutschland erwarten wir, den wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel aufzuklären und der Öffentlichkeit mitzuteilen."

Es gebe keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung, sagt ein Sprecher der Polizei. Die genaue Brandursache sei noch unklar. Ein technischer Defekt an einem Holzofen, vielleicht.

Das alte Fabrikgebäude war schon vor dem Feuer nicht mehr in bester Verfassung gewesen, sagen Augenzeugen. Der Vater der Opferfamilie soll viel selbst repariert haben. Es habe Problemen mit der Elektrik gegeben, sagt ein ehemaliger Mieter. Er habe den Vermieter mehrmals darauf hingewiesen. Ebenso andere Nachbarn. Ohne Erfolg.

Vor einem Altenheim sitzen Frauen mit und ohne Kopftuch, weinen und trösten einander. In einer Moschee ein paar Häuser wird gebetet.

ssu/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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brennholzverleiher 10.03.2013
1. Schimm
Eine türckische Familie mit 10 (zehn) Kindern ist betroffen. Das ist schlimm und ich finde es sehr richtig, dass sich in dem Fall der Ministerpräsident persönlich darum kümmert. Auch hat die Türkei jeden Anspruch darauf, dass die Angelgenheit rückhaltlos aufgeklärt wird.
edii 10.03.2013
2. Traurig
Das war ein schreckliche Unfall,es ist schlimm egal wo immer auch ein mensch stirbt,ob in Deutschland oder Türkei oder Japan,menschen sind gleich.
teiler 10.03.2013
3.
Anspruch auf Aufklärung hat nicht nur der türkische Vizepremier... Denk drüber nach.
phoeni 10.03.2013
4.
Zitat von brennholzverleiherEine türckische Familie mit 10 (zehn) Kindern ist betroffen. Das ist schlimm und ich finde es sehr richtig, dass sich in dem Fall der Ministerpräsident persönlich darum kümmert. Auch hat die Türkei jeden Anspruch darauf, dass die Angelgenheit rückhaltlos aufgeklärt wird.
Ohne Frage eine schlimme Tragödie unabhängig der Ursache ist es geradezu grotesk, welch Auswüchse an Betroffenheit an den Tag gelegt werden, weil es sich um muslimische Mitbürger handelt. Reflexartige Buße, präventive Betroffenheit, weil,auch schon der türkische Vizepremier durch die Blume eine rassenmotivierte Tat vermutet bei den Dauerschuldigen Deutschen. Werde würde irgendwer diesen Aktionismus an den Tag legen für eine "nicht-verfolgte" Bevölkerungsgruppe wie Franzosen, Kanadier oder Deutsche an den Tag legen noch würden reflexartig Vorwürfe in den Raum fliegen, wenn bspw. Ein Haus mit Armeniern in der Türkei in Flammen aufgehen würde.
UdoKnalcher 10.03.2013
5. Es ist ein böses Trauerspiel
Sieben Kinder und deren Mutter! Das ist böse, böser geht es kaum. Deshalb widert es mich an, was da latent im Hintergrund gekocht wird, angestoßen von einem - ich sag zu seinen Gunsten mal extrem ungeschickt - daherredenden Politiker. Ganz sicher, die Mordserie der NSU, das klägliche Bild sämtlicher mit den Ermittlungen Befasster provoziert Reflexhandlungen. Darauf ist Bekir Bozdag hereingefallen. Trotzdem sollten die Behörden reagieren, indem sie glasklar ihre Ermittlungsergebnisse veröffentlichen. Die vermutlich eine Kette technischer und vielleicht auch aus Gewinnsucht rührender Unsäglichkeiten offenbaren wird aber keinen gezielten Mord an kleinen Kindern und deren Mutter. Am meisten ärgert es mich, dass ich beim Mitreden jetzt mich der gleichen Pietätlosigkeit schuldig mache wie dieser türkische Politiker, der völlig unbedacht und ohne jeden konkreten Grund Pulver ins Feuer streut. Mit nur einem Satz, der ganz und gar überflüssig, vielleicht auch nur komplett dumm war. Das meinte ich in zweiter Linie in meiner Überschrift: Es ist ein böses Trauerspiel. Sieben tote Kinder und es dauert nur ein paar Stunden, bis irgendeiner selbst die noch instrumentalisiert oder zumindest den Anshein erweckt :-( Ich hoffe inständig, dass der Rest der betroffenen Familie sich für eine Zeit von sämtlichen Medien fernhält - lesend, hörend, sehend. Und vor allem sprechend. Wenigstens ihre Trauer sollten sie still haben dürfen.
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