Großbritannien 2500 Kältetote in einer Woche

In Großbritannien starben allein in der vergangenen Woche rund 2500 Menschen in Folge der kalten Witterung. Das ergab eine neue Studie. Für den Winter rechnen Experten mit mehr als 50.000 Kältetoten auf der britischen Insel - mehr als in Russland.


Winter in London: Archivaufnahme der Tower Bridge
DPA

Winter in London: Archivaufnahme der Tower Bridge

London - Obwohl es in England lange nicht so kalt wird wie in Russland und das Land viel reicher ist, sterben dort nach Erkenntnissen der Behörden relativ mehr Menschen an den Folgen von Kälte. Damit ist gemeint, dass sie durch die Kälte eine Bronchitis, eine Lungenentzündung, einen Herzinfarkt, die Grippe oder andere Krankheiten bekommen und daran sterben.

Allein in der vergangenen Woche sind in England und Wales nach Berechnungen des britischen Wetteramtes und einer Ärzteorganisation etwa 2500 Menschen an den Folgen der - relativ - kalten Witterung gestorben. Die Temperaturen bewegten sich um die fünf Grad und sanken nachts manchmal unter Null. Für diesen Winter sagte Professorin Sian Griffiths heute bis zu 50.000 Kältetote voraus. Griffiths ist Präsidentin der Ärzteorganisation, die die Ziele und Standards für das staatliche britische Gesundheitswesen vorgibt.

"Großbritannien bleibt eines der schlimmsten Länder der Welt, wenn es darum geht, mit niedrigen Temperaturen fertig zu werden», sagte Griffiths. Stephen Ladyman, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, sagte, das Ganze sei eine Einstellungssache: "Wir lassen uns jedes Mal wieder vom Winter überraschen. Die Leute müssen sich auf die kalte Jahreszeit vorbereiten."

Nach Angaben von Ärzten ziehen sich viele Engländer schlicht nicht dick genug an oder heizen nicht genug. Ein Großteil der Wohnungen ist zudem schlecht isoliert. Viele Alte bekommen nur eine so niedrige Rente, dass sie entweder nicht richtig heizen können oder etwa auf Obst und Gemüse verzichten müssen. In beiden Fällen leiden ihre Abwehrkräfte.

Ein besonders erschütternder Fall wurde in dieser Woche bekannt: Ein 89 und 86 Jahre altes Ehepaar starb in seiner unbeheizten Londoner Wohnung, nachdem ihm die Gasgesellschaft wegen einer ausstehenden Rechnung das Gas abgedreht hatte. Datenschutz-Bestimmungen verboten es der Gesellschaft, das Sozialamt auf das offenbar verarmte Ehepaar aufmerksam zu machen.



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