Großbritannien: Hochwasser-Opfer fürchten neue Regenfälle

In Häusern steht das Wasser, Lehm und Klärschlamm bedecken die Straßen: Sintflutartige Regenfälle haben in Großbritannien schwere Schäden angerichtet. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten - doch noch geben die Meteorologen keine Entwarnung.

Hochwasser England: Was die Flut zurückließ Fotos
Getty Images

Hamburg - Das Wasser verwandelte Straßen in Kanäle und spülte Autos weg, als seien sie Papierschiffe. Nun stehen sie, wo die Flut sie zurückgelassen hat. Das Wasser hat sich zurückgezogen, doch es hat Spuren hinterlassen. Die Straßen sind bedeckt mit Klärschlamm und Schlick, Wasser steht in Häusern, Schaufenster sind zerborsten.

Besonders schwer hat es die Region Cumbria im Nordwesten Großbritanniens und Teile Irlands getroffen. 314 Millimeter Regen fielen innerhalb von 24 Stunden - es waren die schwersten Regenfälle in Großbritannien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Zahl der Todesopfer durch die Überschwemmungen stieg auf mindestens zwei, eine Frau galt am Sonntag noch als vermisst.

Schätzungen zufolge wurden 1300 Häuser durch das Hochwasser beschädigt, in 1000 fiel der Strom aus. Rund 100 Menschen sind obdachlos. Vier Brücken stürzten ein. Der Polizist Bill Barker, der am Samstag seinen 45. Geburtstag hätte feiern sollen, leitete Autofahrer weg von einer Brücke in der Stadt Workington, als diese plötzlich einbrach. Seine Leiche fand man später ein Stück weiter flussabwärts. Es sei eine Flut "biblischen Ausmaßes", sagte der Abgeordnete des Bezirks, Tony Cunningham. Nun sollen alle Brücken in der Region überprüft werden.

"Es ist das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass mein Haus unter Wasser steht", sagte die 88-jährige Doris Studholme. "Ich weiß nicht, wann ich in meine Wohnung zurückkehren kann. Ich habe auch dieses Mal alles verloren. Beim letzten Mal mussten sie mich aus dem Haus tragen, aber dieses Mal waren die Helfer rechtzeitig vor der Flut da."

Der britische Premier Gordon Brown sicherte bei einem Besuch in den betroffenen Regionen Unterstützung in Höhe von umgerechnet 1,1 Millionen Euro zu. Die Schäden könnten sich nach Medienberichten auf bis zu 112 Millionen Euro belaufen.

Überschwemmungen in Irland

Doch auch den Südwesten Großbritanniens und Irland haben die Niederschläge schwer getroffen. In der Grafschaft Devon kam ein Kanufahrer ums Leben, nachdem sich sein Boot in einem Baum verfangen hatte und der Pegel des Flusses immer weiter anstieg. Eine Frau wurde im ebenfalls sehr regnerischen Wales von den Fluten mitgerissen, die Suche nach ihr dauerte am Sonntag an.

Auch in Irland traten Flüsse über die Ufer, an den Küsten stieg der Wasserpegel gefährlich hoch, in Irlands zweitgrößter Stadt Cork brach in 18.000 Haushalten die Wasserversorgung zusammen, nachdem das Pumpwerk beschädigt worden war. Nach tagelangen starken Regenfällen wurden im Süden und Westen des Landes Soldaten zur Unterstützung der Rettungskräfte eingesetzt. Tausende Hektar landwirtschaftlicher Flächen waren überflutet.

Der irische Umweltminister John Gormley sprach von einem Ereignis, wie es "einmal in 800 Jahren vorkommt".

Meteorologen sagen für Großbritannien und Irland für die kommenden Tage weitere schwere Regenfälle voraus. Sie sollen allerdings bei weitem nicht die gleiche Stärke haben wie am Donnerstag und Freitag.

han/AFP

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