Großfeuer in Nairobi: Dutzende Menschen sterben in brennendem Kaufhaus

Von Horand Knaup, Nairobi

Es ist der Alptraum jedes Feuerwehrmannes: ein Großbrand, eingeschlossene Menschen, die um Hilfe schreien - und kein Löschwasser, keine Leitern, die Retter im Stau. In einem Kaufhaus in Kenias Hauptstadt Nairobi sind Dutzende Menschen verbrannt - die Einsatzkräfte mussten hilflos zusehen.

Nairobi - Bei einem verheerenden Kaufhausbrand in der Innenstadt von Kenias Hauptstadt Nairobi sind vermutlich Dutzende von Menschen ums Leben gekommen. Fast zwei Tage nach dem Feuer, das am Mittwochmittag in einer Filiale der Supermarktkette Nakumatt im belebten Zentrum Nairobis ausgebrochen war, sind 14 Leichen geborgen, ein Mann ist im Krankenhaus gestorben, und 32 Personen werden noch immer vermisst. Die Feuerwehr konnte den Brand erst nach 24 Stunden löschen.

Überlebende hatten bereits unmittelbar nach ihrer Rettung berichtet, sie hätten noch Schreie von Menschen hinter sich vernommen, denen der Fluchtweg abgeschnitten war. Insbesondere im ersten Stock des Kaufhauses scheint es Opfer gegeben zu haben. Dort sind offenbar auch die Gaszylinder explodiert, von deren Detonation mehrere Augenzeugen berichteten.

Inzwischen hat die Bundesregierung der kenianischen Regierung die kurzfristige Entsendung einer so genannten Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamtes angeboten, die bei der Identifizierung der zahlreichen Todesopfer helfen sollen. Die deutschen Experten sollen insbesondere bei jenen Opfern eingreifen, die längere Zeit sehr hohen Temperaturen ausgesetzt waren. Die kenianische Polizei hat das Angebot bereits angenommen.

Die Hydranten geben kein Wasser - seit Jahren

Angehörige von Vermissten sagten der Tageszeitung "Daily Nation", ihre Familienmitglieder hätten sich noch per Handy gemeldet und berichtet, dass alles voller Rauch sei und es kein Entkommen gebe. Überlebende erzählten, Rettungstüren seien verstellt und versperrt gewesen, manche konnten sich durch die Ventilatorenschächte in der Decke aufs Dach retten. Dabei soll es unter den Eingeschlossenen erbitterte Kämpfe um die wenigen Leitern gegeben haben, die zur Verfügung standen.

Eine Reihe von Überlebenden rettete sich durch einen Sprung vom Dach oder von Vordächern. Andere sprangen an nahe stehende Laternenmasten und ließen sich daran zu Boden gleiten.

Die Feuerwehr von Nairobi, ohnehin nicht in bestem Zustand, war vollkommen überfordert. Die Hydranten in der Innenstadt gaben kein Wasser - offenbar schon seit Jahren nicht mehr, wie sich jetzt herausstellt. Als das Ausmaß des Feuers offensichtlich wurde, wurde alles in Marsch gesetzt, was zur Verfügung stand.

Zu wenig Leitern, zu wenig Wasser

Die Feuerwehr des Flughafens Nairobi rückte an, nachdem sie viel Zeit im täglichen Verkehrsstau verloren hatte, die Polizei stellte ihre Wasserwerfer zur Verfügung, mit der sie normalerweise Demonstranten von der Straße spült, und selbst Tankwagen, eigentlich für den Transport von Trinkwasser gedacht, waren im Einsatz. Teilweise mussten private Sicherheitsfirmen der Stadtfeuerwehr ihre Leitern zur Verfügung stellen.

Zunächst waren die Behörden von einem hohen Schaden und wenigen Opfern ausgegangen, nachdem die Kaufhauskette noch am Mittwochabend mitgeteilt hatte, alle Angestellten und Kunden seien in Sicherheit gebracht worden. Inzwischen ist davon auszugehen, dass rund 40 Todesopfer zu beklagen sind, darunter ein zweijähriges Kind sowie fünf Mitarbeiter des Supermarktes. Dass nicht mehr Mitarbeiter betroffen sind, hat wohl auch damit zu tun, dass sie mit den Örtlichkeiten bestens vertraut sind und sich auch im dunklen Chaos des brennenden und rauchenden Kaufhauses orientieren konnten.

Über die Ursache des Brandes herrscht noch Unklarheit. Zeugen wollen eine Explosion im Generatorraum des Kaufhauses beobachtet und gehört haben. Zuvor soll der Strom ausgefallen sein. Stromausfälle sind in Kenia ebenso an der Tagesordnung wie starke Stromschwankungen. Der halbstaatliche Stromversorger dementierte allerdings umgehend, dass es zuvor einen Stromausfall gegeben habe.

Die Kaufhauskette Nakumatt ist die größte und erfolgreichste Supermarktkette in Kenia. Sie unterhält 19 Filialen im Land, darunter in allen größeren Städten, und beschäftigt inzwischen rund 4000 Mitarbeiter.

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