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Trophäenfotos von der Großwildjagd: Die Jägerin mit dem eiskalten Herzen

Michaela Fialova sieht gut aus - solange sie nicht mit toten Löwen oder Hyänen posiert. Der jagdlüsterne Exhibitionismus der jungen Tschechin geht Tierschützern gehörig auf die Nerven. Sie selbst ficht das nicht an.

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Jagt aus humanitären Gründen: Michaela Fialova aus Tschechien

Prag - Hotpants, ein enganliegendes T-Shirt und ein Cap, das beim langen Warten, Lauern oder Pirschen vor der Sonne schützt: So sieht das Outfit von Groß- und Kleinwildjägerin Michaela Fialova aus. Seit geraumer Zeit dokumentiert die aus Tschechien stammende 27-Jährige in den sozialen Netzwerken ihr wildes Tun - seit neuestem wird sie dafür von Tierschützern schwer angegangen.

So appetitlich die Ganzkörperaufnahmen der jungen Frau auf den einen oder die andere wirken mögen, so unangenehm sind jene Fotos, auf denen sie aufreizend mit toten Tieren posiert. Da wird Hyänen das Maul aufgerissen, um die Zähne zu präsentieren. Die Beine einer erschossenen Giraffe werden sorgsam verknotet, damit sie nicht aus dem Bild kippt. Ein älteres Foto zeigt Fialova, wie sie ihren Ex-Freund küsst und gleichzeitig ein totes Tier in der Hand hält.

Im vergangenen Jahr erlegte Fialova in Afrika offenbar einen Löwen. Sie legte ihn bäuchlings in den Sand, zerrte seine Vorderläufe auseinander und drückte die Schnauze in den Staub. Dann hockte sie sich daneben, griff in seine Mähne und lächelte in die Kamera, als wollte sie Werbung für Zahnpasta machen.

Wenn man einen Löwen jagen wolle, brauche man eine Genehmigung, die von den örtlichen Behörden ausgestellt werde, rechtfertigte sich die Jägerin. Und überhaupt: Man solle doch bitte bedenken, wie viel Geld die Jäger nach Afrika bringen würden, das käme doch schließlich den Gemeinden zugute. Die Großwildjagd als ein Akt humanitärer Hilfe - da muss man erst einmal drauf kommen.

"Liebe Anti-Jäger", erklärt sie in einem "Aufklärungsvideo", das sie in einem Kühlhaus drehte. "Wir jagen, um das Fleisch der Tiere zu essen." Während die Zuschauer ihr Fleisch mehrheitlich von Schlachthöfen bekämen und mithin gequälte und unglückliche Tiere verzehrten, hätten ihre Jagdopfer ein gutes Leben gehabt. Ja, überhaupt die Tierliebe. Besonders schlimm findet die Jägerin Zoos, denn Tiere solle man sich doch bitte in freier Wildbahn anschauen. Wenn es denn beim Anschauen bliebe.

In einer Online-Petition forderten mehr als 7700 Menschen, der Jägerin die Einreise nach Afrika zu verbieten und ihre Facebook-Seite zu schließen. Es sei "verabscheuungswürdig und widerwärtig", mit toten Tieren als Jagdtrophäen zu posieren, erklärten sie. "Hey, Antis, glaubt ihr wirklich, dass ihr mich stoppen könnt? Ich werde niemals aufhören zu jagen!", so die rotzige Reaktion Fialovas. In einem neuen Video zeigt sie, wie man Zebrafleisch am besten als Steak zubereitet. "Diese Frau ist ein herzloses Monster", schrieb ein Internet-User.

Überhaupt zeigt sich die Jägerin Fialova auf ihrer Facebook-Seite unbeeindruckt von den Querelen um ihre zur Schau gestellte Jagdlust. Penibel postet sie weltweite Publikationen über ihr Tun - es sind Artikel aus Mexiko, Taiwan oder Peru. "Danke für eure Unterstützung!", schrieb sie am Montag an ihre Fans. "Es war der Plan, zwei Kühe und einen Bullen zu schießen, aber nach vier Tagen laufen und pirschen haben wir noch nicht mal einen erlegt …. Wünscht mir Glück für heute!!!!"

Das tun bei Weitem nicht alle. Der Kommentar eines Facebook-Users lautete ganz unverhohlen: "Ich werde den Tag feiern, an dem sie von einem Löwen oder einer Hyäne gefressen wird."

ala/dpa

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