Guillaume Depardieu Bekenntnisse eines Pechvogels

Mit einer ausführlichen Lebensbeichte in Buchform will Guillaume Depardieu jetzt aus dem Schatten seines allmächtigen Vaters Gérard treten. Angsterfüllt und weit entfernt von einer "normalen" Vater-Sohn-Beziehung sei das Verhältnis zu der Schauspiellegende gewesen, beklagt der 33-Jährige.


"Wenn Blicke töten könnten": Guillaume Depardieu hatte "unheimliche Angst" vor seinem Vater
REUTERS

"Wenn Blicke töten könnten": Guillaume Depardieu hatte "unheimliche Angst" vor seinem Vater

Berlin - Sein bisheriges Leben ist voller rasanter Brüche: Guillaume Depardieu feierte Drogenexzesse und litt unter Alkoholabhängigkeit. Er hoffte auf Hilfe in der Psychiatrie und ging wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis. Nach einer schweren Infektion ließ er sich entgegen des ärztlichen Rates sein Bein amputieren. Dann verließ ihn seine Frau Elise. Jetzt hat der Sohn der französischen Schauspiel-Ikone Gérard Depardieu sein persönliches Dilemma in ein Buch verpackt.

"Alle wichtigen Vorkommnisse meines Lebens sind mir auf die Haut graviert. Ziemlich blutige Geschichte", sagte der 33-jährige Depardieu in einem Interview mit TV-Moderator Marc-Olivier Fogiel, das im Dezember auch in Deutschland in Buchform erhältlich sein wird. "Guillaume Depardieu: Im Schatten meines Vaters" ist der ausführliche und sehr persönliche Bericht des Schauspielers über die Hassliebe zu seinem Vater und die Narben auf seiner Seele.

Guillaume wurde am 7. April 1971 geboren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Julie in der Nähe von Paris auf. Als seine Mutter, die Schauspielerin und Psychologin Elisabeth Guignot, 1996 erfuhr, dass sein Vater mit dem Model Karine Sylla eine vierjährige Tochter hatte, trennte sie sich von ihrem untreuen Gatten - blieb aber bis heute mit ihm verheiratet.

An die Kindheit und das Leben mit dem berühmten Vater ("Cyrano von Bergerac") erinnert Guillaume sich offensichtlich ungern. Er habe sich vernachlässigt und herabgewürdigt durch seinen Vater gefühlt, beklagt er: "Unsere Beziehung war von einer 'normalen' Vater-Sohn-Beziehung weit entfernt." Manchmal habe er sogar "unheimliche Angst" vor Gérard empfunden - "am schlimmsten war sein Blick! Wenn Blicke töten könnten", sagte er in dem Interview. Seine frühen Kontakte mit Drogen und der Justiz führt der Sohn überwiegend auf die problematische Beziehung mit dem Vater zurück, der "die Ursache meiner Probleme" gewesen sei. Er habe ihn deshalb in die Pflicht nehmen wollen. "Aber das weiß mein Vater alles", erklärte er.

Ein einschneidendes Erlebnis sei seine Inhaftierung wegen eines Raubüberfalls gewesen, berichtete Depardieu. Seine Mitgefangenen seien "Bestien" gewesen, von denen er "viel gelernt" habe - "vor allem asoziales Verhalten": "Sie haben ein Tier aus mir gemacht", resümiert Depardieu, der sich in seinen Ausführungen vor allem als Opfer widriger Umstände darstellt.

Nach einem Motorradunfall im Jahr 1995 musste Guillaume insgesamt 17 Mal operiert werden. Bei einem der Eingriffe infizierte er sich im Krankenhaus mit Staphylokokken, eine anschließende Antibotikabehandlung scheiterte. "Ich hatte nur noch ein Ziel vor Augen: diesen ständigen Schmerz loszuwerden. Meine Nerven lagen blank. Ich ging am Stock und zog mein Bein hinter mir her, unter mörderischen Schmerzen, die ich mit Alkohol betäubte; ich schlug nur noch so um mich." Im Juni 2003 folgte die Entscheidung, die weder Ärzte, noch Freunde und Familie verstanden: Der schmerzgeplagte Patient bat die Ärzte, ihm das Bein zu entfernen. Doch der Jammer kannte kein Ende: Kurz darauf verließ ihn seine Frau und nahm das Töchterchen Louise mit sich. An diesem Punkt gesteht der Schauspieler zum ersten Mal eine eigene Schuld ein. "Ich lebte voll in meinem Schmerz, und sie war so fröhlich und konnte so gut damit umgehen. Zu welchem Preis, das wurde mir erst später klar."

Eine neue Beziehung schließt Depardieu für sich zurzeit noch aus. Er müsse zunächst mit sich selbst ins Reine kommen und lernen, mit seiner Behinderung zu leben. "Es ist mir leichter gefallen, mit dem Trinken aufzuhören, als das zu machen, was ich schon immer machen wollte. Darin besteht jetzt die Herausforderung."

Guillaume Depardieu: "Im Schatten meines Vaters", Heyne, 8,95 Euro



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.