Gutachten zu "Wetten, dass..?"-Unfall "Verkettung unglücklicher Umstände"

Ein Gutachten entlastet die "Wetten, dass..?"-Macher: Die Ursache für Samuel Kochs Unfall bei einem Stunt mit Sprungfedern ist demnach ein Fehler des Kandidaten gewesen. Auch eine interne ZDF-Untersuchung sieht kein schuldhaftes Verhalten des Senders.

DPA

Köln - Für ZDF-Intendant Markus Schächter ist klar: "Die notwendigen und möglichen Sicherheitsmaßnahmen waren eingehalten." Unterstützt wird er nun von einem unabhängigen Experten. Demnach ist der Unfall von Samuel Koch bei "Wetten, dass..?" auf "eine Verkettung unglücklicher Umstände" zurückzuführen. Der Biomechaniker Gert-Peter Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule in Köln stellte am Mittwoch ein wissenschaftliches Gutachten zu dem Unfall vor.

Brüggemanns Schlussfolgerung lautet: "Bei dem Unfall handelt es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände, wobei die Unfallursache eindeutig auf einen Bewegungsfehler des Kandidaten zurückzuführen ist." Weiter heißt es in dem Gutachten: "Ob die Risikobeurteilung durch das ZDF hinreichend und genügend war, ist schwer zu beurteilen." Der SPIEGEL hatte bereits am Wochenende über die entlastende Aussage des Gutachtens berichtet. Weder der Vater, der bei dem Unglückssprung das Auto fuhr, noch den Mitarbeitern der Sendung werde demnach Versagen vorgeworfen.

Auch eine interne Untersuchung des ZDF sieht kein schuldhaftes Verhalten. Bei der Auswahl von Wetten würden künftig trotzdem strengere Maßstäbe angelegt, so Intendant Schächter. Künftig soll es keine "hochsportiven Wetten" mit hohem Unfallrisiko mehr geben. Dies sei für das ZDF die Konsequenz aus dem schweren Unfall von Samuel Koch in der letzten Sendung, sagte Programmdirektor Thomas Bellut. Er glaube, dass "Wetten, dass..?" auch ohne solche spektakulären Wetten funktionieren werde. Die Sendung lebe zum Beispiel auch sehr von den pfiffigen Wetten.

Bellut betonte, dass das ZDF weiterhin die Verantwortung für den Unfall trage, auch wenn zwei Untersuchungen kein schuldhaftes Verhalten festgestellt hätten. Im Nachhinein sehe er mit "Grausen", was für gefährliche Wetten in der Thomas-Gottschalk-Show im Laufe der Jahre alles gelaufen seien.

In der Sendung am 4. Dezember war Samuel Koch mit Sprungstelzen über entgegenkommende Autos gesprungen. Dabei war der 23-Jährige gestürzt und hatte sich schwer verletzt. Er ist seitdem gelähmt und wird nach Angaben des behandelnden Chefarztes "nie mehr normal laufen" können. Nach dem Unfall waren Vorwürfe erhoben worden, der Sender habe die Wette unnötig riskant gemacht.

wit/dpa



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Seite 1
gsm900, 26.01.2011
1. Wer sich in Gefahr begibt
Zitat von sysopEin Gutachten entlastet die*"Wetten, dass..?"-Macher:*Die Ursache für*Samuel Kochs Unfall*bei einem Stunt mit Sprungfedern ist demnach*ein Fehler des Kandidaten gewesen.*Auch eine interne ZDF-Untersuchung sieht kein schuldhaftes Verhalten*des Senders. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,741717,00.html
kann darin umkommen, sonst jetzt nur noch Gummibärchenweitwurf oder Hallenhalma für Fortgeschrittene?
Matthias Hofmann 26.01.2011
2. Das freut uns doch alle!
Zitat von sysopEin Gutachten entlastet die*"Wetten, dass..?"-Macher:*Die Ursache für*Samuel Kochs Unfall*bei einem Stunt mit Sprungfedern ist demnach*ein Fehler des Kandidaten gewesen.*Auch eine interne ZDF-Untersuchung sieht kein schuldhaftes Verhalten*des Senders. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,741717,00.html
Jetzt können wir munter weiter so machen und noch verrücktere Wetten auflegen. Voyeure aufgebaßt: In Südamerika gibt es Sender, die sich darauf spezialisiert haben Menschen beim Sterben zu filmen. Selbstmörder, Attentatsopfer, Vergewaltigungen. Das wär doch was für die Einschaltquote! Mal im Ernst: Diese Sendung gehört einfach abgesetzt. Ein mediokrer Moderator, der sich auf Kosten fremdsprachiger Gäste auf geschmacklose Weise lustig macht und nun bei dem Unfall den Betretenen spielt wirkt auf mich schon lange unangenehm und in diesem Fall unglaubhaft.
anny_1996, 26.01.2011
3. Bodenmatten
Denke auch, dass dem Sender keine große Schuld trifft. Als die Wette vorgestellt wurde, sah ich auch keine große Gefahr darin. Der einzige Kritikpunkt ist, dass keine Bodenmatten vorhanden waren, evtl. wären die Unfallfolgen nicht so dramatisch gewesen.
vubler, 26.01.2011
4. solche Studien
"Auch eine interne ZDF-Untersuchung sieht kein schuldhaftes Verhalten des Senders." Hahahaha....selten so gelacht! Ist das nun Ironie oder bezeichnet man das schon als Sarkasmus? Zu welchem Ergebnis sollte eine interne ZDF-Untersuchung den nauch sonst kommen. Da fällt mir auch eine andere abgedroschene Politikerfloskel ein. " Die Partei weisst den Vorwurf der Oposition entschieden zurück". Fällt in die gleiche Rubrik "reflexartiige Abwehr". Aber in diesem Fall stimmt das Ergebnis der Untersuchung sogar ausnahmsweise mal. Natürlich kann niemand etwas für die Dummheit von Samuel, über ein fahrendes Auto springen zu wollen. Da ist einzig und allein nur der dumme Bub schuld!
M. Michaelis 26.01.2011
5. ...
Zitat von sysopEin Gutachten entlastet die*"Wetten, dass..?"-Macher:*Die Ursache für*Samuel Kochs Unfall*bei einem Stunt mit Sprungfedern ist demnach*ein Fehler des Kandidaten gewesen.*Auch eine interne ZDF-Untersuchung sieht kein schuldhaftes Verhalten*des Senders. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,741717,00.html
Mit der Entscheidung die Wetten weiter einzuschränken wird das Format nun entgültig das Schicksal anderer einstmals gelungener Formate teilen und zur betulichen Gerontenunterhaltung verkommen. Legte man diesen absurden Masstab an andere Unterhaltung wie Sportveranstaltungen an müsste man die meisten Sportübertragungen aus dem Programm nehmen.
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