Haiders Todesfahrt: Pathologin weist Gerüchte um K.o.-Tropfen zurück

Haiders Tod ruft in Österreich Verschwörungstheoretiker auf den Plan: Ein Unbekannter soll dem Rechtspopulisten vor seinem Unfall K.o.-Tropfen eingeflößt haben. Die Chefin der Gerichtsmedizin wiegelt ab - der entsprechende Test habe ein negatives Resultat gehabt.

Wien - Um den Unfalltod von Jörg Haider kursieren neue Gerüchte. Die Todesfahrt des Rechtspopulisten liegt inzwischen zwei Wochen zurück. Doch die Gemüter in Österreich bleiben erhitzt.

Am Freitag wies die Leiterin der Gerichtsmedizin in Graz, Kathrin Yen, Zeitungsberichte zurück, wonach Haider möglicherweise durch K.o.-Tropfen das Bewusstsein und somit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe.

Die Gerichtsmedizinerin, die den Toten obduziert und pathologisch untersucht hatte, sagte der Nachrichtenagentur APA am Freitag, sie mache sich in Hinblick auf eine mögliche zweite Untersuchung des Leichnams "keine Sorgen". Sie gehe nicht davon aus, dass eine weitere Autopsie zu einem anderen Ergebnis komme.

Es gebe keine Spuren, die auf K.o.-Tropfen im Körper Haiders hindeuten würden: "Ich habe keinerlei Zweifel an meinen Ergebnissen", konstatierte Yen. "K.o-Tropfen sind nachweisbar, aber der Test bei Haider war negativ", versicherte sie. Als K.o.-Tropfen werden verschiedene Betäubungsmittel bezeichnet, die meist in alkoholischen Getränken aufgelöst werden.

Haider war am frühen Morgen des 11. Oktober auf dem Weg zu seinem Haus nach einem Überholmanöver mit seinem Dienstwagen bei mindestens 142 Stundenkilometern verunglückt und hatte sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte er einen Blutalkoholspiegel von 1,8 Promille.

Die Gerüchte um die Todesursache Haiders hatten durch Medienberichte neue Nahrung erhalten, wonach der Leichnam des rechtsgerichteten Kärntner Landeshauptmanns noch immer nicht zur Feuerbestattung freigegeben worden sei.

Seine Witwe Claudia Haider wies am Freitag Berichte zurück, wonach sie eine zweite Obduktion Haiders im Ausland erwäge. "Alle diese Gerüchte (...) sind völliger Unsinn", sagte sie der APA. Zwar könne sie zurzeit eine zweite Autopsie des Leichnams "nicht völlig ausschließen", es sei aber "äußerst unwahrscheinlich", dass sie sich zu diesem Schritt entschließen werde.

Die Berichterstattung über den Tod ihres Mannes bezeichnete sie als "widerwärtig". Die Witwe betonte, dass sie nichts verschweigen wolle, zurzeit aber weder zu Interviews noch zu öffentlichen Stellungnahmen bereit sei.

cht/dpa

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