Hurrikan-Katastrophe 1,4 Millionen Menschen in Haiti sind in Not

Die Bilanz des Hurrikans "Matthew" in Haiti ist erschütternd. Mindestens 500 Menschen starben, 1,4 Millionen brauchen dringend Hilfe. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, erlebte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bei einer Visite.

REUTERS

Die Verzweiflung der Menschen in Haiti nach dem schweren Hurrikan "Matthew" ist riesig. Uno-Blauhelme und haitianische Polizisten setzten Tränengas ein, nachdem sie von rund hundert Bewohnern des Inselstaats angegriffen wurden, wie Videoaufnahmen der britischen BBC zeigen.

"Wir verstehen die Ungeduld und die Wut der Bevölkerung, die auf Nothilfe wartet", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon danach. Er war am Samstag in Haiti eingetroffen. "Ich fordere alle mit Haiti befreundeten Länder auf, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, die die Menschen so dringend brauchen", sagte er in Les Cayes im stark betroffenen Südwesten des Landes. "Ich bin enttäuscht über die Antwort der internationalen Gemeinschaft", sagte er weiter. "Ich hoffe ernsthaft und ich dringe darauf, dass die großen Geber ihre helfende Hand reichen."

Am 4. Oktober hatte "Matthew" Haiti mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometer pro Stunde getroffen. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, Straßen und Felder überschwemmt. Nach Angaben des Zivilschutzes sind 1,4 Millionen Menschen der rund zehn Millionen Einwohner dringend auf rasche humanitäre Hilfe angewiesen. Nach bisherigen Erkenntnissen starben 546 Menschen. In dem immer wieder von Konflikten erschütterten Land ist seit 2004 auch eine Uno-Friedensmission stationiert.

Ban war am Samstag zunächst in der Hauptstadt Port-au-Prince gelandet und dann nach Les Cayes weitergereist. Er sprach dort bei Temperaturen von mehr als 30 Grad mit Helfern und machte sich ein Bild von den Zerstörungen. "Die derzeitige Situation, die derzeitige Katastrophe, die 'Matthew' in diesem Land verursacht hat, ist unbeschreiblich", sagte Ban.

480 Tonnen Hilfsgüter

Die US-Hilfsagentur USAID flog 480 Tonnen Hilfsgüter in die Region, aus Frankreich trafen zwei Transportflugzeuge mit Rettungskräften und Material ein. Aufgrund der starken Beschädigung der Infrastruktur im Südwesten gelangen Lebensmittel, Wasser und Hygieneartikel allerdings nur langsam zu den Menschen, einige Orte sind nur per Boot oder Helikopter zu erreichen.

Der bitterarme Karibikstaat hat sich noch immer nicht von den Folgen des verheerenden Erdbebens des Jahres 2010 erholt, weshalb die erneute Naturkatastrophe die Menschen dort besonders hart trifft. Neben den Zerstörungen ihrer Häuser leiden die Überlebenden unter fehlendem Trinkwasser, was die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten erhöht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fürchtet einen großen Cholera-Ausbruch und hat eine Million Impfdosen in das Katastrophengebiet geschickt. Sie reichen aus, um 500.000 Menschen lebenslang vor Cholera zu schützen oder eine Million Menschen für ein halbes Jahr.

yes/dpa/AFP



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