Haiti Suche nach Überlebenden eingestellt

Mehr als 111.000 Tote wurden nach dem Erdbeben auf Haiti bisher gezählt. Elf Tage danach haben die Einsatzkräfte kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden - und deshalb wurde die Suche offiziell beendet. Die ersten Hilfsteams kehren bereits wieder zurück.

Rettungskräfte im Einsatz: Keine Hoffnung mehr
Reuters

Rettungskräfte im Einsatz: Keine Hoffnung mehr


Port-au-Prince - Nach wie vor ist die Not der Menschen in Haiti unermesslich. Und die Hoffnung der Einsatzkräfte, Verschüttete zu retten, ist praktisch gleich Null. "Abgesehen von Wundern", sagte die Uno-Sprecherin Elisabeth Byrs. Trotz mancher Hoffnungsschimmer war die Zahl der Geretteten in den vergangenen Tagen immer weiter zurückgegangen.

Die Regierung in Port-au-Prince habe sich daher "nach Beratungen mit internationalen Experten" dafür entschieden, die Suche offiziell einzustellen, sagte Byrs. Selbstverständlich könnten die Einsatzkräfte aber weiter das tun, was sie für notwendig hielten. "Falls es das geringste Lebenszeichen gibt, werden sie handeln."

Insgesamt seien 132 Menschen nach dem verheerenden Beben von internationalen Rettungsteams aus den Trümmern gerettet worden, teilte das Uno-Büro für die Nothilfekoordination und humanitäre Angelegenheiten (OCHA) mit. Das Erdbeben hat mehr als 111.000 Menschen getötet und mehr als 193.000 verletzt. Damit zählt es zu den zerstörerischsten Naturereignissen der vergangenen 100 Jahre.

Suche nach Leichen geht weiter

In dem Katastrophengebiet auf der Karibikinsel waren zuletzt bis zu 67 Hilfsteams mit gut 1900 Rettungskräften und 160 Spürhunden im Einsatz. Die ersten Suchtrupps mit leichtem Gerät seien bereits wieder auf dem Weg nach Hause, sagte Byrs. Auch deutsche Helfer befänden sich auf dem Rückweg. Die Arbeiten würden aber fortgesetzt, "um nach Leichen zu suchen". Vor allem Rettungsteams mit schwerem Gerät arbeiteten weiter, um große Trümmerteile aus dem Weg zu räumen.

Noch am Freitag hatte es zwei Wunder gegeben: Retter retteten eine 84-jährige Frau und einen 21-jährigen Studenten aus den Trümmern. Der junge Mann erzählte, dass er zehn Tage lang weder Wasser noch Essen hatte. Als er den Durst nicht mehr aushalten konnte, trank er seinen Urin.

Inzwischen leben Hunderttausende in Zeltlagern, jeden Tag steigt die Zahl der Flüchtlinge aus Port-au-Prince und anderen stark zerstörten Städten wie Jacmel und Léogâne. Nach UN-Angaben nutzten bisher mehr als 130.000 Menschen das Angebot der Regierung, sie kostenlos in andere Städte zu fahren.

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Die haitianische Handelskammer schätzt, dass sich der wirtschaftliche Schaden infolge des Bebens auf bis zu eine Milliarde Dollar belaufen könnte. Bis das bitterarme Land wiederaufgebaut ist, werden nach Ansicht von Experten Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen - eine Aufgabe, die nicht ohne immense internationale Unterstützung bewältigt werden kann. Der Präsident der benachbarten Dominikanischen Republik, Leonel Fernandez, schätzt, dass Haiti in den kommenden fünf Jahren zehn Milliarden Dollar benötigt.

Das Beben hat eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Bei einer Benefizgala haben zahlreiche internationale Top-Stars Spenden für die Opfer gesammelt. Die Gala wurde weltweit im Fernsehen übertragen.

cib/apn/dpa



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