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Augsburg: Flüchtlinge sollen doch nicht in ehemaliger KZ-Außenstelle leben

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Halle 116 in Augsburg: "Großer Druck" Zur Großansicht
DPA

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Halle 116 in Augsburg: "Großer Druck"

In Augsburg werden keine Flüchtlinge in einer ehemaligen KZ-Außenstelle untergebracht werden. Das Vorhaben der Stadt war heftig kritisiert worden. Jetzt intervenierte der Freistaat Bayern.

Augsburg - Die Pläne, in Gebäuden eines ehemaligen KZ-Außenlagers in Augsburg Flüchtlinge unterzubringen, sind offenbar vom Tisch. Wie "Augsburger Allgemeine" und der Bayerische Rundfunk berichten, wird der Freistaat Bayern diese Möglichkeit nicht weiter prüfen.

In der sogenannten Halle 116 auf dem Sheridan-Areal sollten ursprünglich etwa 90 Migranten untergebracht werden. Das Gebäude diente in der NS-Zeit bis zu 2000 Zwangsarbeitern als Unterkunft. Nach dem Krieg hatten US-Streitkräfte die Baracke als Fahrzeughalle genutzt.

Die Stadt Augsburg und der Stadtrat hatten zunächst beschlossen, die Halle trotz der belasteten Vergangenheit anzubieten. Die Entscheidung sei aus dem großen Druck heraus gefällt worden, möglichst zügig Asylbewerber unterbringen zu müssen, hieß es. Aber München gebot den Plänen jetzt Einhalt.

Augsburgs Oberbürgermeister und Rechtsanwalt Kurt Gribl (CSU) und Sozialreferent Stefan Kiefer erklärten am Montag, sie seien sich der "sensiblen Historie" bewusst gewesen. Die Halle solle nun zu einem "Lern- und Denkort Frieden" entwickelt werden.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, hatte entsetzt auf das Augsburger Vorhaben reagiert. Es sende ein "verheerendes Zeichen" und bedeute das "Ende der dringend notwendigen Erinnerungskultur". Dem hatte Sozialreferent Kiefer widersprochen.

Auch im nordrhein-westfälischen Schwerte sollen Asylbewerber auf dem Gelände eines früheren KZ-Außenlagers unterkommen. Das Gebäude, in dem die 21 Flüchtlinge wohnen sollen, wurde allerdings erst nach dem Krieg errichtet.

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