Hambacher Forst Reporter nach Sturz von Hängebrücke gestorben

Nach dem Sturz von einer Hängebrücke im Hambacher Forst ist ein Journalist laut Polizei seinen schweren Verletzungen erlegen.

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Der im Hambacher Forst abgestürzte Journalist ist tot. Das sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Der Mann war durch eine Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und etwa 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Zum Zeitpunkt des Absturzes waren keine anderen Personen in unmittelbarer Nähe des Mannes, wie Polizei und Aktivisten übereinstimmend berichteten. Der Polizeisprecher bezeichnete den Tod des Mannes als tragischen Vorfall. Rettungskräfte hätten Erste Hilfe geleistet, aber die Verletzungen seien zu schwer gewesen.

Der Verunglückte dokumentierte das Leben der Aktivisten in dem Waldgebiet. Der Mann habe wohl von einem Baumhaus ins andere wechseln wollen. Dem Sprecher zufolge wollte der Journalist mit einem Kollegen, der die Polizei kontaktiert hatte, eine SD-Karte tauschen. Der zweite Reporter und ein Polizist seien zu einem Baumhaus gegangen. "Man verabredete gerade, wie ein Austausch der SD-Karte erfolgen kann, als der Mann stürzte", sagte der Sprecher.

Die Polizei untersucht den Tatort. Wenn es Hinweise auf Fahrlässigkeit geben - etwa, wenn die Bretter der Brücke nicht mehr stabil gewesen sein sollten - werde eventuell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, sagte der Sprecher.

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Mann nach Sturz gestorben: Tödlicher Unfall im Hambacher Forst

Seit vergangenen Donnerstag wird der Wald zwischen Köln und Aachen mit einem Großaufgebot der Polizei geräumt - dagegen gibt es Widerstand von Klima- und Umweltschützern, die auf Baumhäusern in dem Waldgebiet ausharren. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle abbauen zu können.

Nach dem Sturz setzte die Polizei die Räumung vorerst aus. Die Initiative "Hambi bleibt" forderte auf ihrer Website RWE und die Polizei auf, "den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen".

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst seit Jahren gegen die geplante Abholzung. In bis zu 25 Meter Höhe hatten sie rund 55 Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt. Bis zum Nachmittag waren 39 der gut 50 von Klimaschützern errichteten Baumhäuser geräumt. Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern.

Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4100 Hektar groß; nach Angaben des Tagebau-Betreibers RWE Power wurden bislang 3900 Hektar für den Kohleabbau gerodet, nun soll noch einmal gut die Hälfte des verbliebenen Walds abgeholzt werden.

Vier Waldbesetzer - zwei Frauen und zwei Männer - sind mittlerweile in Untersuchungshaft. Drei von ihnen verweigerten die Feststellung ihrer Personalien, der Vierte habe einen knienden Polizisten von hinten angegriffen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen.

Mit mehr als 500.000 Unterschriften wollen Umweltschützer die NRW-Landesregierung dazu bringen, die geplante Rodung doch noch zu stoppen. Für Donnerstag planen BUND, Campact und Greenpeace die Übergabe der im Internet gesammelten Unterschriften an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Das Motto der Aktion: "Armin lasset!"

le/ulz/dpa



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