Hamburger Derby Krawalle auf der Reeperbahn

Das Derby der beiden Hamburger Fußballvereine HSV und St. Pauli galt als Sicherheitsspiel. Bereits vor dem Anpfiff kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei. Auch nach dem Unentschieden gab es vereinzelte Übergriffe rund um das Stadion.

kicker.tv

Hamburg - Im Stadtteil St. Pauli prallten am Sonntag vor dem Spiel der beiden Hamburger Fußballvereine Anhänger und Polizei aufeinander. Rund 2000 HSV-Fans zogen vom Bahnhof Altona zum Spielbudenplatz auf der Reeperbahn und attackierten dabei Polizeibeamte mit Flaschen und Knallkörpern, wie Polizeisprecher Mirko Streiber sagte. Zudem seien Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen worden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden die Hamburger Fans am Hans-Albers-Platz an der Reeperbahn von Polizisten eingekesselt. Nachdem einige HSV-Anhänger Böller gezündet hatten, machte die Polizei eine Durchsage, dass alle eingekesselten Personen auf Pyrotechnik durchsucht werden sollten, woraufhin die Fans weitere Feuerwerkskörper abbrannten. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern.

Kurz vor dem Spiel stürmten HSV-Fans den Gästeblock des Millerntorstadions, dabei verletzten sich drei Personen. Dies bestätigte St. Paulis Organisationschef Sven Brux nach dem Spiel. Das Trio gehörte zu einer Gruppe von HSV-Anhängern, die versucht hatte, sich ohne gültige Tickets Einlass zu verschaffen. Dieses Unterfangen hatte die Polizei unterbunden.

Während des Spiels flogen aus der St.-Pauli-Kurve immer wieder Klopapierrollen auf das Tor des HSV-Keepers Frank Rost. In der HSV-Kurve wurde nach dem Ausgleichstreffer ein Bengalisches Feuer gezündet. Die beiden Vereine trennten sich nach einem Tor von Fabian Boll in der 77. Spielminute und einem Tor von Mladen Petric in der 88. Minute 1:1. Insgesamt verfolgten im Stadion 24.360 Zuschauer das Spiel.

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Stadtderby mit Konfliktpotential: Knallkörper gegen Wasserwerfer
Direkt nach dem Spiel versuchten HSV-Fans, die St.-Pauli-Fankneipe Jolly Roger zu stürmen. Etwa 50 bis 70 gewaltbereite HSV-Anhänger zogen auf eine Fankneipe des FC St. Pauli zu, sagte ein Polizeisprecher. Dort kam es zu Handgreiflichkeiten, bei denen ein HSV-Anhänger schwer verletzt wurde. Die Polizei konnte anschließend weitere Zusammenstöße im Bereich der Kneipe verhindern. Um weitere Übergriffe zu verhindern, wurde nach Spielende die U-Bahn-Station Feldstraße zeitweise geschlossen.

Außerdem kam es im Bereich der Reeperbahn zu Übergriffen, als Polizisten eine Gruppe HSV-Anhänger eskortierte. Die Polizisten wurden mit Flaschen beworfen und attackiert. Erst nachdem die Reiterstaffel die Menge auseinander getrieben hatte und Wasserwerfer zum Einsatz gekommen waren, beruhigte sich die Lage. Insgesamt wurden rund 50 Fußballfans festgenommen. Sechs Polizisten seien durch Flaschenwürfe leicht verletzt, sagte ein Polizeisprecher. Über verletzte Fans lagen zunächst keine Zahlen vor.

Die Polizei hatte die Partie zwischen dem HSV und St. Pauli als sogenanntes Risiko- oder Sicherheitsspiel eingeschätzt, hatte Streiber vor Spielbeginn gesagt. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz, um gewaltsame Zusammenstöße gegnerischer Fußballfans zu verhindern.

Das letzte Mal begegneten sich die beiden Vereine vor mehr als acht Jahren in der Bundesliga. Das Derby fand zum ersten Mal seit 1962 im Millerntorstadion auf St. Pauli statt. Den Kiezclub zog es zumeist aus finanziellen Gründen in das mehr als doppelt so große ehemalige Volksparkstadion, auch wenn Sicherheitsaspekte als Anlass für das unter den Anhängern so verhasste Untermietverhältnis beim Nachbarn herhalten mussten.

Besonders angespannt ist die Lage, seit eine Gruppe von HSV-Anhängern St. Pauli-Fans nach der Rückkehr vom Bundesliga-Spiel in Freiburg auflauerte und mit Flaschen, Schlägen und Tritten attackierten. Der HSV entschuldigte sich umgehend beim Nachbarn und sprach vier Stadion- sowie zwei Hausverbote gegen an dem Angriff beteiligte Personen aus.

siu/dpa



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