Hamburger Terror-Prozess "Mzoudi gehörte zu Attas Zelle"

Im Hamburger Qaida-Prozess hat ein Zeuge ausgesagt, der angeklagte Marokkaner Abdelghani Mzoudi sei Mitglied der Hamburger Terrorzelle gewesen. Die Gruppe um die mutmaßlichen Attentäter vom 11. September 2001 sei extrem antisemitisch gewesen.


Der Prozess gegen Abdelghani Mzoudi begann am 14. August
DDP

Der Prozess gegen Abdelghani Mzoudi begann am 14. August

Hamburg - In den Diskussionen der Gruppe sei immer wieder vertreten worden, dass die Juden die Welt beherrschen und gemeinsam mit den USA Moslems unterdrückten, sagte der Zeuge am Mittwoch vor dem Hamburger Oberlandesgericht. Zudem hätten die Juden nach Ansicht der Gruppe den Zweiten Weltkrieg organisiert, um Israel gründen zu können.

"Die Diskussionen waren sehr antisemitisch und insbesondere Attas Überzeugungen hatten nationalsozialistische Strukturen", sagte der Mann, der von mehreren Kriminalbeamten beschützt wurde. Der heute 22 Jahre alte Student aus Hamburg war Mitte der neunziger Jahre zum Islam konvertiert und gehörte nach eigenen Angaben von 1996 bis 1999 zur Gruppe um die mutmaßlichen Flugzeugentführer Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah.

Von dem jetzt in Hamburg angeklagten Marokkaner Abdelghani Mzoudi habe er solche Äußerungen zwar nicht vernommen, dieser habe aber auch keinen Widerspruch geäußert, sagte der Zeuge. Mzoudi habe seines Wissens nach allerdings nicht zum Kern der Gruppe gehört. Er sei aber sehr häufig bei den Treffen gewesen.

Die Bundesanwaltschaft wirft Mzoudi Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Er soll - wie sein bereits im Februar zu 15 Jahren Haft verurteilter Freund Mounir al-Motassadeq - zu der Gruppe um Atta in Hamburg gehört und von der Planung der Anschläge am 11. September 2001 gewusst haben. Die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon sollen mit dem Moslem-Extremisten Osama Bin Laden in einem afghanischen Ausbildungslager abgesprochen worden sein.

Mohamed Atta gilt als der Kopf der Hamburger Gruppe
AP

Mohamed Atta gilt als der Kopf der Hamburger Gruppe

Von den Attentatsplanungen der Gruppe habe er nichts gewusst, sagte der Zeuge. Atta habe aber Ende 1999 einmal zu ihm gesagt: "Man kann etwas machen, du wirst schon sehen." Was Atta damit gemeint hatte, könne er nicht sagen, sagte der Zeuge. "Ich habe jedenfalls nicht an einen Anschlag in den USA gedacht." Er glaube aber, dass es bei Atta und Alshehhi Bestrebungen gegeben habe, für den Islam zu sterben. "Ich dachte, die wollen nach Tschetschenien oder in den Kosovo."

Der Zeuge hatte ähnliche Aussagen bereits in dem Prozess gegen Motassadeq gemacht und ihn damit nach Ansicht des damaligen Gerichts erheblich belastet. Mzoudi muss im Falle einer Verurteilung ebenfalls mit 15 Jahren Haft rechnen.

Mounir al Motassadeq wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt
AP

Mounir al Motassadeq wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt

Vor der Vernehmung des Studenten hatte Mzoudis Rechtsanwältin Gül Pinar einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Klaus Rühle gestellt, weil der den arabischen Dolmetscher des Angeklagten in der vergangenen Woche von seinem Amt entbunden hatte. Der Übersetzer hatte in einer Gerichtspause mit einem Freund Mzoudis über den Prozessverlauf gesprochen. "Der Dolmetscher wusste nicht, dass es sich um einen Freund unseres Mandanten handelt, darum gibt es keinen Grund für die Entlassung", sagte die Anwältin. "Die Neutralität des Vorsitzenden Richters gegenüber dem Angeklagten ist zweifelhaft." Das Gericht muss Pinars Angaben zufolge bis Dienstag eine Entscheidung über den Befangenheitsantrag treffen.



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