Hanf-Song: Raab rappt Ströbele zu neuer Popularität

Von David Heimburger

Gerhard Schröder ist mit dem "Steuersong" nicht mehr der einzige Politiker in den Charts. Mit dem neuen Hit "Gebt das Hanf frei" verschaffte der TV-Komiker Stefan Raab dem grünen Urgestein Hans-Christian Ströbele unerwartete Beliebtheit: Schon fangen Berliner Teenager an, vor ihrem neuen Idol in der U-Bahn zu rappen.

Verteilt Erlöse aus Urheberrechten für den guten Zweck: Hans-Christian Ströbele
REUTERS

Verteilt Erlöse aus Urheberrechten für den guten Zweck: Hans-Christian Ströbele

Während der Bundeskanzler den "Steuersong" nicht mehr hören will, freut sich der 63-jährige Ströbele über die Sympathie der jungen Bürger. "Man lernt eine ganz neue Fan-Gemeinde kennen", sagte er SPIEGEL ONLINE, nachdem Jugendliche ihn in der U-Bahn erkannt hatten und das Lied für ihn anstimmten.

"Gebt das Hanf frei", hatte Ströbele auf der Hanfparade in Berlin gefordert, als die Polizei die Pflanzen vom Wagen der Grünen Jugend beschlagnahmt hatte - ganz zu Unrecht. Denn die Büsche enthielten nicht den Rauschstoff THC und waren zuvor als Dekoration genehmigt worden. Stefan Raab hat sich mit dem Rapper Shaggy nach seiner Sendung "TV Total" zusammengesetzt und das Lied produziert.

Auch Schröder gewann mit Raabs Hilfe vor zwei Jahren neue Anhänger. Damals hatte der Kanzler bei einer Rundreise durch die neuen Länder einem Team von SPIEGEL TV den Satz "Hol mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik ich hier" ins Mikrofon gesagt. Dank Raab wurde der Song dann zum Megahit.

Der Grünen-Politiker Ströbele sagt, er selber rauche nicht, trinke nicht und nehme keine Drogen. Dennoch setzt er sich für die Legalisierung von Cannabis ein. Ströbele findet es verlogen, für Alkohol und Zigaretten zu werben, Hanf aber zu kriminalisieren. "Ein Bekiffter ist weitaus weniger gefährlich als ein Betrunkener", begründet er seine Position.

Das CD-Cover ist ohne den Alt-Grünen Ströbele ein bisschen attraktiver

Das CD-Cover ist ohne den Alt-Grünen Ströbele ein bisschen attraktiver

Als er das erste Mal von Raabs neuem Lied hörte, wollte Jurist Ströbele sich gegen die Verwendung seiner Worte wehren. Doch dann kam er in Raabs Fernsehsendung und erklärte: "Nach Anhören des Stücks habe ich gedacht, dass es der Sache dient." Bis zum Erscheinen des Liedes kannte Ströbele weder Stefan Raab noch dessen Sendung. "Während ich da war, hat er sich sehr bemüht, als seriöser Moderator aufzutreten", sagt Ströbele im Nachhinein.

Problemlos konnten Politiker und Komiker sich einigen, dass Ströbele einen Anteil aus den Verwertungserlösen des Liedes erhält. Der Grüne will diese Einnahme an die Kampagne zur Hanf-Legalisierung und an die Drogensuchtprävention spenden.

Mit den Spenden bleibt Ströbele sich treu. Schon seit Jahren gibt er seine Gewinne aus der bekannten Radio-Reportage vom Finale der Fußballweltmeisterschaft von 1954 ("Tooor, Tooor, Tooor") an Wohltätigkeitseinrichtungen weiter. Der Reporter Herbert Zimmermann, der den ersten deutschen WM-Sieg zu einem unvergesslichen Hörerlebnis machte, war Ströbeles Onkel und hat dem Politiker und dessen Geschwistern die Rechte an den Originalworten vererbt.

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