Tropensturm "Harvey" erreicht Louisiana

In Texas hinterließ er schwere Verwüstungen. Nun hat Hurrikan "Harvey" die Küste von Louisiana erreicht. In New Orleans wird mit Sturzfluten gerechnet.

AFP

Tropensturm "Harvey" hat die Küste des US-Bundesstaats Louisiana erreicht. Das meldet das Nationale Hurrikanzentrum in den USA. Westlich der Stadt Cameron traf der Sturm mit einer Geschwindigkeit von 72 Kilometern pro Stunde auf Land.

Auch in Louisiana soll es zu starken Regenfällen kommen. Für New Orleans sagte die örtliche Wetterbehörde Sturzfluten voraus. Der Tropensturm ist für die Stadt besonders gefährlich, weil sie unterhalb des Meeresspiegels liegt.

Das Sturmzentrum wird nach Einschätzung der Meteorologen bis Donnerstag über das Mississippi-Tal hinwegziehen und sich zu einem tropischen Tiefdruckgebiet abschwächen. Auch in den Bundesstaaten Arkansas, Tennessee und Missouri könnte es demnach zu Überschwemmungen kommen.

Fotostrecke

18  Bilder
Tropensturm: "Harvey" zieht Schneise der Verwüstung

"Harvey" hatte am Freitag Texas erreicht und dort in der Millionenmetropole Houston und anderen Orten im Bundesstaat für Chaos gesorgt. Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die Wassermassen, um Menschen aus ihren Häusern zu befreien und in Sicherheit zu bringen.

Zahl der Toten in Texas steigt

Das endgültige Ausmaß der Verwüstung, die "Harvey" in Texas hinterlassen hat, ist noch immer nicht abzusehen. Behörden gehen laut einem Bericht der "New York Times" inzwischen von etwa 30 Toten aus. "Wenn die Straßen in Texas erst einmal wieder passierbar sind, erwarte ich einen signifikanten Anstieg der Todeszahlen", sagte ein Gerichtsmediziner der Zeitung.

Klarheit dürfte erst herrschen, wenn die Fluten zurückgegangen sind und die Bergungstrupps Zugang zu den überfluteten Häusern bekommen. Houstons Bürgermeister Sylvester Turner verhängte am Dienstagabend eine Ausgangssperre, um Plünderungen zu verhindern.

Turner kündigte an, weitere Notquartiere für Schutzsuchende zu öffnen. Nach Angaben des Roten Kreuzes suchten in Texas bereits in der Nacht zum Dienstag rund 17.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften.

"Harvey" könnte in Houston eine halbe Million Autos zerstören

Und auch die Sachschäden dürften enorm sein: So schätzt das Unternehmen "Cox Automotive", dass allein in der texanischen Millionenstadt Houston zwischen 300.000 und 500.000 Autos durch den Hurrikan zerstört werden könnten. Das berichtet der US-Nachrichtensender "CNN".

Die Schätzung des Unternehmens basiert demnach auf der Zahl der Autos, die 2012 durch den Sturm "Sandy" an der US-Ostküste und 2005 durch Hurrikan "Katrina" zerstört wurden sowie auf den bis dato in Houston gemeldeten Schäden.

Meinungskompass

Überschwemmungen könnten Alligatoren die Flucht ermöglichen

Wegen des steigenden Wassers könnten in Texas zudem Hunderte Alligatoren aus einem Tierpark ausbrechen. Der Abenteuerpark Gator Country nordöstlich von Houston wurde überschwemmt, das Wasser stieg bis kurz unter die Zäune der Alligatorengehege, sagte Parkchef Gary Saurage dem Fernsehsender KFDM.

"Wir wissen nicht, was wir tun sollen", sagte Saurage. Die Zäune seien die einzigen Barrieren, die die rund 350 Alligatoren zurückhalten. Nur die zwei größten Alligatoren des Parks seien sicherer untergebracht. Auch andere gefährliche Tierarten wie Giftschlangen und Salzwasser-Krokodile hatten die Mitarbeiter wegen des Sturms vorsorglich aus ihren Gehegen in Käfige gebracht.

Alligatoren kommen im Südosten von Texas auch in freier Natur vor und können einen Menschen problemlos töten.

Merkel sprechen Betroffenen ihre Anteilnahme aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den betroffenen Menschen in den USA ihr Mitgefühl ausgesprochen. Merkel habe die Naturkatastrophe "mit großer Betroffenheit" aufgenommen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

Den vielen Einsatzkräften und Helfern bekundete sie die Solidarität der Bundesregierung. Die steigende Zahl von Todesfällen und die Ausweitung der Überschwemmungsgebiete zeigten, dass das wahre Ausmaß noch gar nicht absehbar sei.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte dem US-Präsidenten Donald Trump seine Anteilnahme aus. Die gewaltigen Überschwemmungen in Texas und Louisiana hätten in Deutschland "großes Mitgefühl" ausgelöst, schrieb Steinmeier an Trump. "Ich möchte Sie bitten, dem amerikanischen Volk und besonders den Angehörigen der Opfer unsere tiefempfundene Solidarität zu übermitteln."

Der Bundespräsident ergänzte: "Wenn wir einen Beitrag zur Linderung der akuten Not leisten können, stehen wir dazu selbstverständlich bereit." Den Menschen, die nahe Angehörige verloren haben, gelte sein Beileid.

Zuvor hatte sich bereits die EU solidarisch mit den USA gezeigt und Satellitenbilder zu den Schäden geliefert. Das EU-Zentrum für die Koordinierung von Notfallmaßnahmen (ERCC) sei durch die US-Katastrophenschutzbehörde Fema um Unterstützung gebeten worden, teilte die EU-Kommission mit. Die EU stelle über ihre Satelliten nun "Karten zur Schadenseinschätzung für mehrere betroffene Gebiete in Texas" bereit.

asa/AP/Reuters/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.