Missbrauchsvorwürfe Weinstein verteidigt sich mit Zitaten von Streep, Lawrence und Paltrow

Sechs Frauen verklagten Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein in New York wegen sexueller Übergriffe. Der wehrt sich nun - und nutzt dazu Aussagen weiblicher Hollywoodstars. Die Frauen finden das unverschämt.

Harvey Weinstein
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Der frühere Filmmogul Harvey Weinstein will erreichen, dass ein New Yorker Gericht eine Sammelklage wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn fallen lässt - und greift dabei auf Aussagen namhafter Schauspielerinnen wie Meryl Streep und Jennifer Lawrence zurück. Weinsteins Anwälte nutzten Zitate der Frauen zur Verteidigung ihres Mandanten.

Streep habe kurz nach Bekanntwerden des Skandals im Oktober 2017 gesagt, Weinstein habe sich ihr gegenüber immer respektvoll verhalten, hieß es in einer Erklärung der beiden Verteidigerinnen Phyllis Kupferstein und Mary Flynn am Dienstag vor Gericht. Weiter hieß es: Jennifer Lawrence habe Oprah Winfrey erzählt, dass sie Weinstein kenne, seitdem sie 20 Jahre alt sei, und er sei "immer nett zu ihr gewesen".

Streep reagierte prompt. Weinstein missbrauche ihr Statement als Beweis dafür, dass er andere Frauen nicht sexuell belästigt habe. Das sei armselig, schrieb sie in einer Erklärung. Die kriminellen Machenschaften, wegen denen er angeklagt sei, lägen einzig und allein in seiner Verantwortung. "Wenn es in diesem System noch irgendeine Gerechtigkeit gibt, wird er dafür bezahlen."

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Weinsteins Verteidiger dagegen hatten gefordert, die Richter sollten die Sammelklage, die sechs Frauen gegen Weinstein wegen sexuellen Missbrauchs erhoben hatten, fallen lassen. Die Vorwürfe bezögen sich auf Ereignisse, die schon zu lange zurückliegen würden. Die Frauen hätten zudem keinerlei Beweise für ihre Behauptungen vorgelegt.

Weinstein gehörte jahrelang zu den erfolgreichsten Produzenten Hollywoods, bis im vergangenen Herbst mehrere prominente Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen ihn wegen sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung erhoben, darunter Angelina Jolie, Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Rose McGowan und Mira Sorvino. Weinstein räumte zwar Fehlverhalten ein, wies jedoch Vergewaltigungsvorwürfe wiederholt zurück.

Weinsteins Anwälte berufen sich auf Paltrow

Doch immer mehr Frauen berichteten von Einschüchterungen und sexuellen Übergriffen. Im Februar erhob der Bundesstaat New York Klage gegen Weinstein und dessen früheres Unternehmen wegen Verletzung der Bürgerrechte, Menschenrechte und des Arbeitsrechts. Die Führungskräfte der Weinstein Company hätten es wiederholt nicht vermocht, die Angestellten vor "unablässiger sexueller Belästigung, Einschüchterung und Diskriminierung" durch Weinstein zu schützen.

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Weinsteins Anwälte kritisierten, die Vorwürfe seien so "verheerend weit gefasst", dass die Klage potenziell letztlich alle Frauen betreffe, die Weinstein jemals getroffen habe - und zwar selbst wenn diese sich selbst gar nicht als Opfer sehen würden.

Der Vorwurf, Weinstein habe Frauen mit negativen beruflichen Konsequenzen gedroht, wenn sie seine Übergriffe abwehren oder publik machen würden, sei wenig glaubwürdig, teilten die Anwälte mit - und beriefen sich auf Gwyneth Paltrow. Die Schauspielerin habe 1998 mit Weinstein den Film "Shakespeare in Love" gedreht, obwohl es nach ihrer Darstellung 1994 zu Übergriffen gekommen sei.

Von Paltrow und Lawrence gab es nach Angaben der Nachrichtenagentur AP kein neuerliches Statement. Die Anwältin der sechs Klägerinnen meldete sich jedoch zu Wort: "Wenn Weinstein glaubt, dass er den Frauen die Worte im Mund herumdrehen kann, um sie gegen sie zu verwenden, täuscht er sich", sagte Elizabeth Fegan. "Dann hat er auch nicht verstanden, was das Gesetz zu sexuellem Missbrauch beinhaltet und wie verdorben sein Verhalten ist."

fok/AP

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