Hausverbot für Schwule Vatikan untersagt Homo-Gottesdienst

Beten verboten: Für Lesben und Schwule ist die katholische St. Moritz-Kirche in Augsburg dieses Jahr tabu. Der Vatikan hat den traditionellen Gottesdienst der Homo-Gemeinde zum Christopher Street Day untersagt.


Augsburg - Seit 1999 war die römisch-katholische Kirche einmal im Jahr Treffpunkt für Homosexuelle: Anlässlich des Aktionstags für die Rechte von Schwulen und Lesben beteten sie dort und gedachten den Aids-Toten. Jetzt wurden ihnen die Tore des Gotteshauses vor der Nase zugeschlagen.

Wie der Augsburger Generalvikar Josef Heigl heute bestätigte, darf er den rund 40 Homosexuellen die Pfarrei nicht mehr für einen ökumenischen Gottesdienst zur Verfügung stellen. Ein Mitglied der Diözese habe in Rom im vergangenen Jahr eine Beschwerde eingereicht und damit das Verbot ausgelöst, sagte Heigl.

Seinem Eindruck zufolge gehe es dem Vatikan nicht um ein grundsätzliches Verbot derartiger Gottesdienste. Vielmehr habe Rom sich offenbar an der zeitlichen Nähe zum Christopher Street Day gestört.

Mit seiner Weisung habe der Vatikan den Eindruck vermeiden wollen, die katholische Kirche würde eine homosexuelle oder lesbische Beziehung in irgendeiner Weise gut heißen, sagte Heigl. Er selbst habe kein Problem in den Gottesdiensten gesehen.

Die vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger - heute Papst Benedikt XVI. - geführte Glaubenskongregation hatte sich dem Generalvikar zufolge mit der Beschwerde befasst und die Bayerische Bischofskonferenz angewiesen, den Gottesdienst zu verbieten.

Die Organisatoren des Homo-Gottesdienstes wollen sich nun einen anderen Raum zum Beten suchen. "Dann wird der Gottesdienst eben in einer Kirche stattfinden, in der wir willkommen sind", erklärten sie.

str/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.