Vulkanausbruch auf Big Island Hawaiis Arche Noah

Etliche Menschen ließen nach dem Ausbruch des Kilauea ihre Haustiere zurück. Aktivisten wagen sich in Hawaiis Gefahrenzone vor, um die Tiere vor der Lava zu retten.

Tierschützer auf Hawaii
AFP

Tierschützer auf Hawaii


Hunderte Menschen haben seit dem Vulkanausbruch auf Hawaii ihre Häuser verlassen müssen - viele ließen dabei ihre Haustiere zurück. Freiwillige haben es sich seither zur Aufgabe gemacht, die Tiere in Sicherheit zu bringen. Hunde und Katzen, aber auch Kühe, Pferde, Schweine oder Ziegen brachten die Tierschützer in die Notunterkünfte zu ihren Besitzern.

"Es geht hier zu wie auf einer verrückten Farm", sagt Burgandy Singleton, eine Freiwillige der Hawaii Humane Society, die in einer Unterkunft des Roten Kreuzes in Pahoa aushilft. Die Stadt liegt rund 40 Kilometer östlich des Vulkans Kilauea. "Wir haben hier alles mögliche untergebracht, von kleinsten Kreaturen bis zu riesengroßen Tieren." Wie auf der richtigen Arche Noah eben.

Probleme gebe es so gut wie keine, so Singleton. Einige der Bewohner würden draußen mit ihren Hunden zelten. So fühlten sich die Tiere schon wieder fast wie zu Hause. Der Vulkanausbruch sei für Tiere ebenso stressig wie für Menschen.

Lava-Spalten öffneten sich plötzlich im Boden

Pauline McLaren und ihr Ehemann Eddie gehören zu den Tierbesitzern, die draußen kampieren. Sie ließen ihren Hof in Kapoho am 12. Mai zurück, als sich ganz in der Nähe plötzlich Spalten im Boden öffneten und Lava herausfloss. Wegen ihrer fünf Hunde schlugen sie die Einladung aus, bei Freunden unterzukommen. "Es ist so viel Aufwand", sagt McLaren. "Fünf Hunde sind wirklich hart."

Eddie McLaren mit zwei seiner fünf Hunde
REUTERS

Eddie McLaren mit zwei seiner fünf Hunde

Bei den Tierrettungsaktionen fahren die Freiwilligen meist mit den Tierbesitzern in die verlassenen Gebiete rund um den Ausbruch. Mit Futter und Wasser und der vertrauten Stimme des Besitzers versuchen sie, die Tiere anzulocken. Inmitten von Lava-Strömen und rissigen Böden nicht immer ein leichtes Spiel.

Schafe zwischen Zaun und Lava gefangen

Vergangene Woche habe sie geholfen, vier Schafe und eine Ziege zu retten, sagt Singleton. "Die Lava lief direkt hinter ihnen entlang, und sie waren hinter dem Zaun gefangen." Bevor sie das letzte Schaf retten konnten, habe sich der Rettungstrupp zurückziehen müssen. Nicht aber ohne vorher das Tor im Zaun zu öffnen, um dem Tier die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu retten.

Die Nutztiere seien noch nervöser als die Haustiere, so Singleton. "Die Erdbeben, die Lava, der Rauch und die Helikopter - sie sind einfach verschreckt."

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Haustiere beim Vulkanausbruch: Gefangen in der Lava

"Das Einzige, was sie noch mit ihrem Zuhause verbindet"

Glücklicherweise sei die Hilfe aus der Nachbarschaft überwältigend gewesen. Das kann auch Pam Minzuno vom Pana'ewa Rainforest Zoo and Gardens bestätigen. Der Zoo hat einige der größeren Tiere wie Pferde oder Rinder aufgenommen. "Heute allein hatten wir eine Spende über drei Paletten Klee für die Pferde", sagt sie. "Das hilft enorm."

Singleton ist davon überzeugt, dass es auch für die Menschen wichtig ist, ihre Haustiere bei sich zu haben. "Einige haben ihren gesamten Besitz verloren, außer diesen Hund oder diese Katze. Es ist das Einzige, was sie noch mit ihrem Zuhause verbindet, das Einzige, was sie noch beieinander hält."

ans/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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stoffi 21.05.2018
1. Ich verstehe nicht
wie man seine Tiere zurücklassen kann, wenn man weiss, das sie unter schrecklichen Qualen sterben würden. Sicher müssen sich zuerst die Menschen retten, aber ich weiss, ich würde alles versuchen um meine Tiere zu retten. Danke an die Unbekannten, die versuchen ihre Mitgeschöpfe zu retten. Ihnen gehört jegliche Achtung und das sollte man öffentlich machen , obwohl diese Leute das ganz selbstlos tun Ich zöge meinen Hut vor ihnen und würde mich tief vor ihnen verbeugen.
Art. 5 21.05.2018
2.
Zitat von stoffiwie man seine Tiere zurücklassen kann, wenn man weiss, das sie unter schrecklichen Qualen sterben würden. Sicher müssen sich zuerst die Menschen retten, aber ich weiss, ich würde alles versuchen um meine Tiere zu retten. Danke an die Unbekannten, die versuchen ihre Mitgeschöpfe zu retten. Ihnen gehört jegliche Achtung und das sollte man öffentlich machen , obwohl diese Leute das ganz selbstlos tun Ich zöge meinen Hut vor ihnen und würde mich tief vor ihnen verbeugen.
Die Evakuierung um Pahoa war nur eine Vorsichtsmaßnahme, FALLS in der Nähe die Erde aufbrechen und Lava herausströmen sollte. Das Evakuierungsgebiet ist relativ groß, tatsächlich sind aber nur ganz wenige Häuser von der Lava erfasst worden. Es ist schon schwer genug, Tausende von evakuierten Menschen in der Umgebung sicher unterzubringen, da es an Unterkünften fehlt, dann auch noch vorsichtshalber sämtliche Haustiere mitzunehmen wäre logistisch gar nicht praktikabel. Manche Bewohner sind auch in ihrem Haus geblieben, aus Angst vor Plünderern.
-DSG- 24.05.2018
3. Gut das man drüber gesprochen hat ....
"Singleton ist davon überzeugt, dass es auch für die Menschen wichtig ist, ihre Haustiere bei sich zu haben..." Ähm gruselig das man das überhaupt erwähnen muss?! An sich gibt es aber leider auch viele Tierbesitzer, die zwar ihre Tiere lieben, sie aber noch lang nicht als Familienmitglied wahrnehmen. Ansonsten müssten nicht ehrenamtliche derartige Rettungsaktionen starten. Selbst wenn ich weiß, dass ich meine Hoftiere o.ä. nicht retten kann, macht mach doch wenigstens sämtliche Gatter auf?! Es gab auch bestimmt genügend Leute, die ihre Tiere aus Dummheit im Haus eingesperrt haben.
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