Zeichen gegen Rassismus Heilsarmee lehnt Spende ab

Deutsche ja, "Neger" nein: Ein Spender der Heilsarmee hatte klare Vorstellungen davon, wer von seinem Geld profitieren sollte. Die Organisation lehnte die Spende ab - und bekommt dafür nun viel Zuspruch.

eindeutiger Verwendungszweck

eindeutiger Verwendungszweck


Am 25. Mai ging bei der Heilsarmee die Spende eines gewissen Jürgen B. ein. Der Herr hatte genaue Vorstellungen davon, wem sein Geld zugute kommen sollte - und vor allem, wem nicht: "Spende fuer Deutsche, Spende nicht fuer musl. Imigranten oder Neger."

Für die Heilsarmee stellten sich zwei Fragen: Sollen wir das annehmen? Und sollen wir darauf reagieren?

Die erste Frage sei schnell beantwortet gewesen, sagt Andreas Quiring, Pressesprecher der Heilsarmee: "Die Entscheidung, das Geld zurückzugeben, war sofort gefallen." Wie hoch die Spende war, will Quiring nicht sagen. Das sei auch vollkommen unerheblich, "weil es ums Prinzip geht".

Die zweite Frage - nach dem Umgang mit der Sache - war schwieriger zu beantworten. "So etwas ist noch nie passiert", sagt Quiring. "Wir haben auch noch nie so einen krassen Verwendungszweck bekommen." Man entschied sich schließlich, Herrn B. einen Brief zu schreiben.

Schreiben der Heilsarmee an abgelehnten Spender

Schreiben der Heilsarmee an abgelehnten Spender

"Deutlich machen, wo wir als Heilsarmee stehen"

Darin steht unter anderem:

"Unser Auftrag besteht darin, 'menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen' [Hervorhebung im Original]. Aus zutiefst christlicher Überzeugung machen wir daher bei unserer Hilfe keinen Unterschied im Hinblick auf Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Geschlecht. (…) Daher werden wir keine Spenden entgegennehmen, deren Zweck hilfsbedürftige Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Religion oder ihres Geschlechts ausgrenzt."

Mittwochnacht veröffentlichte die Heilsarmee einen Auszug der Spendeninformation und den Antwortbrief auf Facebook. Bislang wurde er rund 1600-mal geteilt und sammelte knapp 3000 "Gefällt mir"-Klicks ein.

Man habe lange überlegt, ob man die Sache öffentlich machen solle, sagt Quiring. "Wir haben uns dafür entschieden, weil es die Möglichkeit war, einen Standpunkt zu setzen, deutlich zu machen, wo wir als Heilsarmee stehen."

Das Echo auf Facebook ist überwiegend positiv. "Super! Das ist wirklich christliche Nächstenliebe. Danke für das klare Statement", hieß es dort. Oder auch: "Ich staune immer wieder, wie weit die Unverschämtheit mancher Menschen geht! Tolle Reaktion der Heilsarmee!"

Manche Nutzer kritisieren allerdings, die Heilsarmee führe Herrn B. vor und habe sich Geld entgehen lassen, das man besser für Hilfsbedürftige eingesetzt hätte. Die Heilsarmee kontert, ein Rückschluss auf den Spender sei anhand der veröffentlichten Daten nicht möglich.

Was den finanziellen Verlust angeht: Mehrere Facebook-Nutzer sind von der Reaktion der Helfer so angetan, dass sie nun selbst spenden wollen - oder dies nach eigener Aussage bereits getan haben: "Das war mir eine eigene Spende wert. Danke für dieses Statement."

Schön öfter gab es laut Quiring von potenziellen Spendern die Frage, ob das Geld auch an Flüchtlinge gehe - oder deutschen Obdachlosen helfe. "In solchen Kategorien denken wir nicht", sagt Quiring. "Das eine beeinträchtigt nicht das andere." Es sei aber bemerkenswert, "dass Leute, die sonst verächtlich auf Obdachlose schauen, sich plötzlich darüber Gedanken machen, ob Spenden für Flüchtlinge verwendet würden".

Und Herr B.? Möglicherweise habe er den Brief erst heute im Briefkasten, sagt Quiring. Jedenfalls habe der Herr bislang nicht auf das Schreiben reagiert.

ulz



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