Qualmender Bürgermeister: Nichtraucher wollen den "Vesuv von Neuss" stoppen

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Mika Schiffer

Ausnahmsweise ohne Zigarette: Herbert Napp (CDU), der rauchende Bürgermeister von Neuss

Herbert Napp, Bürgermeister von Neuss, raucht aus Leidenschaft. Zum großen Ärger der Nichtraucherlobby steckt sich der CDU-Politiker seine Zigaretten auch im Dienstbüro an. Doch nun soll die Luft im Rathaus endlich besser werden.

Neuss - Herbert Napp (CDU) ist nicht nur der Bürgermeister von Neuss, sondern wohl auch der bekannteste Raucher der Stadt. Auch in seinem Dienstzimmer lässt der 66-Jährige das Qualmen nicht - doch damit soll nun Schluss sein.

Deutschlands größter Nichtraucherverband, die Initiative Pro Rauchfrei, hat eine Beschwerde bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eingereicht: Der Bürgermeister soll das Rauchen in seinem Büro einstellen. Eine Sprecherin der Bezirksregierung bestätigte den Eingang des Schreibens.

Der Vorsitzende der Initiative, Siegfried Ermer, hat Napp daher einen Spitznamen verpasst: "Vesuv von Neuss". Er kritisierte, dass sich die Aufsichtsbehörden trotz mehrerer Beschwerden den Ball zuspielten und sich offenbar niemand mit Napp anlegen wolle. Der Landrat wolle nur auf Anweisung des Innenministeriums einschreiten - und das Innenministerium verweise auf den Landrat.

Seit 15 Jahren ist Napp Bürgermeister der Stadt Neuss - und Raucher aus Leidenschaft. Tagsüber im Rathaus rauche er Zigaretten, abends zum Rotwein auch gerne mal Zigarre. Wie viel will er nicht sagen. "Das weiß noch nicht einmal mein Hausarzt", sagt er.

Rauchen am liebsten beim Telefonieren

Die Neusser Bürger kennen ihr Stadtoberhaupt seit Amtsantritt nur mit Kippe in der Hand. "Es ist ein Genuss zu rauchen", sagt der 66-Jährige, der schon "im charmanten Alter von 17 Jahren" anfing. "Und es ist entspannend." Vor allem beim Telefonieren stecke er sich regelmäßig eine an.

Die Aufregung um sein Raucher-Dienstzimmer kann er nicht nachvollziehen. "Ich versteh nicht, wo das Problem ist", sagt er. Nach dem in NRW herrschenden Nichtraucherschutzgesetz dürfe es in öffentlichen Gebäuden ein Raucherzimmer geben, solange Nichtraucher nicht beeinträchtigt würden. Dies sei bei ihm der Fall, vor Kollegen und Gästen würde er eben nicht rauchen. Und die kämen angemeldet, da könne man vorher lüften. "Mein Büro ist ja kein Taubenschlag."

Und wenn er nun einfach auf dem Balkon rauchen würde? "Nur des lieben Friedens willen nicht in meinem Büro zu rauchen, widerstrebt meiner Natur." Er fühle sich nicht im Unrecht, schließlich rauche er nur alleine.

So oder so - eine Entscheidung zu der Beschwerde wird es laut der Sprecherin der Bezirksregierung frühestens im Mai geben.

Mit Material von dpa

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