Orkanböen Mindestens zwei Tote bei Herbststurm in Großbritannien

Die Windböen fegen mit bis zu 160 km/h übers Land, in Großbritannien hat eines der schwersten Unwetter seit Jahren gewütet. Zwei Menschen wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen, der Fährverkehr auf dem Ärmelkanal musste eingestellt werden. Auch in Deutschland wird es stürmisch.


London - Die heftigen Herbststürme in Großbritannien haben mindestens zwei Todesopfer gefordert. Eine 17-Jährige und ein etwa 50-Jähriger wurden von Bäumen erschlagen. Das junge Mädchen lag in der Grafschaft Kent im Bett, als der Baum auf das Haus schlug. Der Mann wurde in der Grafschaft Hertfordshire nördlich von London im Auto sitzend von einem entwurzelten Baum getroffen. Zudem wird noch immer ein 14-Jähriger vermisst, der am Sonntag von den Wellen ins Meer gerissen worden war.

Der Wind fegte Wetterdiensten zufolge mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde über die britischen Inseln. Der Sturm führte zu erheblichen Beeinträchtigungen im Flug- und Straßenverkehr sowie praktisch zum Erliegen des Zugverkehrs im Süden Großbritanniens. 220.000 Haushalte waren ohne Strom.

Wegen des schweren Sturms wurden auch die Fährverbindungen über den Ärmelkanal ausgesetzt. Von den Häfen in Dover und Calais legten seit dem Morgen keine Fähren mehr ab, wie die französischen Behörden mitteilten. Der Fährverkehr sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn Wellengang und Wind nachgelassen haben.

Fähren können nicht anlegen

Zwei Fähren der Reederei P&O mit mehr als 400 Menschen an Bord hingen vor Dover auf dem Ärmelkanal fest, weil sie nicht in den Hafen einlaufen konnten, wie die Hafenverwaltung von Calais mitteilte. Die Situation sei aber vollständig unter Kontrolle. Der Betrieb des Eurostar-Zuges, der unter dem Ärmelkanal verkehrt, wurde am Morgen wieder aufgenommen.

Am Flughafen London Heathrow seien 130 Flüge gestrichen worden, sagte ein Sprecher des Airports.

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Herbststurm in Großbritannien: Raue Küste
Neben Hunderten Zugverbindungen war auch die Londoner U-Bahn - deren Streckennetz zu großen Teilen oberirdisch verläuft - von den Behinderungen betroffen. Zehntausende Pendler kamen zu spät oder gar nicht zur Arbeit. "Wenn wir bis Dienstag wieder einen ordentlichen Service hinbekommen, bin ich ganz froh", sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft Network Rail.

Auch Frankreich, Niederlande und Deutschland betroffen

Im Nordwesten Frankreichs waren am Morgen zwischenzeitlich 75.000 Haushalte ohne Strom. In den Niederlanden starb eine Frau, die von einem umgestürzten Baum erschlagen wurde. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden 50 Flüge gestrichen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Orkanböen in Norddeutschland. Für Schleswig-Holstein, Bremen, Teile Niedersachsens und einige Regionen in Nordrhein-Westfalen gilt eine Unwetterwarnung (Einen Überblick finden Sie hier). Grund ist das Orkantief "Christian", dessen Ausläufer im Laufe des Tages über den Norden Deutschlands hinwegziehen sollen. Auf den Nordfriesischen Inseln werden laut DWD sogar extreme Orkanböen von mehr als 140 Kilometern pro Stunde erwartet.

Trotzdem ist "Christian" nach Angaben der Wetterexperten "nur ein kräftiger Herbstorkan", der sich nicht in die Reihe der großen Stürme des vergangenen Jahrhunderts einreihen werde. Sturmtiefs wie "Kyrill" hätten ein wesentlich höheres Schadenspotential gehabt, sagte DWD-Experte Christian Herold. Der Höhepunkt des Sturms wird in Deutschland für den frühen Nachmittag erwartet, anschließend soll das Orkantief schnell weiter Richtung Skandinavien ziehen.

Für die nordfriesische Küste und das nördliche Elbegebiet gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie eine Sturmflutwarnung heraus. Der Fährverkehr ist nach Angaben der Betreiber vielerorts behindert.

Bei Köln starb am Sonntag ein 45-jähriger Segler, der auf einem See bei starkem Wind gekentert war.

hut/dpa/AFP



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