Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: Hessischer Landwirt löst Großalarm aus

Polizeiabsperrung in Hessen: Alarm nach dem Versprühen von Pflanzenschutzmitteln Zur Großansicht
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Polizeiabsperrung in Hessen: Alarm nach dem Versprühen von Pflanzenschutzmitteln

Der Fall gibt den Ermittlern Rätsel auf: Ein Landwirt hat sein Feld im hessischen Rosbach mit Pestiziden besprüht, ein benachbarter Biobauer klagte anschließend über Atemnot und Übelkeit. Auch bei mehreren Einsatzkräften traten Beschwerden auf.

Rosbach - Mit dem Versprühen von Pflanzenschutzmitteln hat ein Landwirt aus Rosbach in Hessen einen Großalarm ausgelöst. Etwa 150 Helfer von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten rückten in der Nacht zum Mittwoch teilweise in Schutzanzügen aus, nachdem sich ein benachbarter Bio-Bauer gemeldet hatte. Auf seinem Hof hatte er zuvor zwei tote Lämmer entdeckt, er selbst litt plötzlich unter Übelkeit, Atem- und Augenbeschwerden.

Auch bei mehreren Einsatzkräften seien Beschwerden aufgetreten, teilte die Polizei mit. Zwei Beamte und der Bio-Bauer kamen zu Untersuchungen in Krankenhäuser. Auch die Frau und der zweijährige Sohn des Bauern wurden vorsorglich untersucht.

Dem Giftinformationszentrum in Mainz zufolge ist es sehr selten, dass gleich mehrere Menschen nach dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln über Beschwerden klagen. "Klar steht dann die Frage im Raum, ob die Mittel fachgerecht versprüht worden sind", sagte ein Mitarbeiter.

Die beiden toten Lämmer sollen Veterinäre in Gießen untersuchen. Nach Angaben der Verwaltung des Hochtaunuskreises kam eines der Tiere aber bereits tot zur Welt.

"Mir ist der Vorfall unerklärlich"

Die genaue Ursache für den Vorfall ist der Polizei zufolge noch unklar. Nach Angaben eines Sprechers besteht der Verdacht einer fahrlässigen Körperverletzung sowie eines Verstoßes gegen Umweltschutzbestimmungen. Laut Polizei sollen zwei Mittel zum Einsatz gekommen sein. Die Ermittlungen zur Kombination und zur Konzentration dauerten noch an, sagte der Sprecher. Ein unabhängiges Labor soll demnach Proben der Substanzen und des Bodens untersuchen.

Dem Chemiekonzerns BASF zufolge handelt es sich bei den verwendeten Mitteln um ein von dem Unternehmen hergestelltes Präparat gegen Pilzbefall und um ein von BASF vertriebenes Produkt gegen Schadinsekten. Beides seien zugelassene Produkte, die seit vielen Jahren eingesetzt würden. Die gleichzeitige Ausbringung sei üblich. Bisher habe es keinerlei Probleme damit gegeben, sagte eine Sprecherin.

Der Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, sagte: "Mir ist der Vorfall unerklärlich. Mit ist kein ähnlicher Fall bekannt." Klar sei nur, dass mit den ersten warmen Frühlingstagen auch die Zeit für Insektizide beginne. Es gehe dabei auch um die Bekämpfung eines Käfers, der sich jetzt explosionsartig vermehre und die Rapsblüte und damit die Ernte bedrohe.

Der Bio-Hof und eine Straße waren wegen des Vorfalls für mehrere Stunden gesperrt. Gegen Mittag wurde die Sperrung aufgehoben, weil keine unmittelbare Gefahr bestand.

wit/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. So viel zu Bio, jedem sollte jetzt klar sein,
hdudeck 17.04.2013
das es selbst fuer Bio Bauern (fast) unmoeglich ist, im Freiland etwas Bio anzubauen und es Bio zu halten. Wo (ungefilterte (s)) Luft oder Wasser rankommt, ist Schluss mit Bio.
2. BioBio
darkview 17.04.2013
Es war einmal ein Biobauer mit einem viereckigen Feld. Östlich von ihm wohnte der Genetiker, nördlich der Chemiker, westlich der Apotheker und im Süden Nestle. BioBio eben.
3. Genetiker sind Bio-Logen!
cassandros 17.04.2013
Zitat von darkviewEs war einmal ein Biobauer mit einem viereckigen Feld. Östlich von ihm wohnte der Genetiker, nördlich der Chemiker, westlich der Apotheker und im Süden Nestle. BioBio eben.
"Bio" ist, wenn der Bauer "bio" auf die Verpackung schreibt und Leuten den doppelten Preis für sein Zeug abnimmt. Was hat das mit der Nachbarschaft zu tun?
4.
Trondesson 17.04.2013
Zitat von hdudeckdas es selbst fuer Bio Bauern (fast) unmoeglich ist, im Freiland etwas Bio anzubauen und es Bio zu halten. Wo (ungefilterte (s)) Luft oder Wasser rankommt, ist Schluss mit Bio.
Das geht in Deutschland, ach, in ganz Mitteleuropa, sowieso nicht. Dafür leben hier viel zu viele Menschen auf engem Raum. Wer meint, in Deutschland angebaute Tomaten (beispielsweise) seien, weil im Freiland angebaut und als Biotomaten etikettiert, gesünder als welche aus holländischen Gewächshäusern, in denen der Anbau unter ständiger Kontrolle ist, der hat den Schuss nicht gehört.
5.
Trondesson 17.04.2013
Zitat von darkviewEs war einmal ein Biobauer mit einem viereckigen Feld. Östlich von ihm wohnte der Genetiker, nördlich der Chemiker, westlich der Apotheker und im Süden Nestle. BioBio eben.
Auch wenn nördlich, südlich, östlich und westlich von ihm ebenfalls "Bio"bauern leben (was wesentlich wahrscheinlicher ist als das von Ihnen fabrizierte Szenario), wird das Ergebnis das gleiche sein.
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