Hexenjagd auf Papua-Neuguinea: Junge Mutter lebendig verbrannt

Mount Hagen am Mittwochmorgen: Eine 20-Jährige starb in den Flammen Zur Großansicht
AFP/ Post-Courier

Mount Hagen am Mittwochmorgen: Eine 20-Jährige starb in den Flammen

In Papua-Neuguinea ist eine 20-Jährige gefoltert und dann bei lebendigem Leib verbrannt worden. Die Verwandten eines Jungen hatten ihr vorgeworfen, den Sechsjährigen verhext zu haben und für seinen Tod verantwortlich zu sein.

Port Moresby - Die Männer zogen sie aus, folterten sie mit einer erhitzten Eisenstange, fesselten sie und übergossen sie mit Benzin. Es war früh am Mittwochmorgen, als sie Kepari Leniata zu einer Straße in Mount Hagen brachten, einem Ort in der Mitte von Papua-Neuguinea. Dort entzündeten sie ein Feuer auf einem Müllhaufen, die 20-Jährige muss es noch gesehen haben, ebenso die Schaulustigen, die sich um die Flammen versammelt hatten. Darunter auch Kinder.

Polizisten und Feuerwehrleute kamen, angeblich ließ die Meute aber nicht zu, dass sie einschritten. So berichten es zwei Lokalzeitungen.

Kepari Leniata wurde in das Feuer geworfen, sie verbrannte bei lebendigem Leib. Bilder zeigen sie unter einem brennenden Lkw-Reifen, der offenbar noch auf sie geschmissen wurde. Sie war laut lokalen Medienberichten Mutter eines acht Monate alten Mädchens.

Der örtliche Polizeichef sagte der Zeitung "The National", man werde die Verantwortlichen festnehmen, sie müssten sich wegen Mordes verantworten.

Das Motiv scheint schon festzustehen: Offenbar warfen die Täter der Frau vor, einen Jungen verhext zu haben. Der Sechsjährige war ins Krankenhaus gebracht worden, er soll über Schmerzen in Magen und Brust geklagt haben. Er starb am Dienstagnachmittag.

Der Mord an Kepari Leniata war demnach ein Racheakt von Angehörigen des Jungen. Sie beschuldigen laut "The National" zwei weitere Frauen: Eine wurde von der Polizei gerettet, die andere wird vermisst.

Mehr als 90 Prozent der Menschen in Papua-Neuguinea bekennen sich zum Christentum, doch trotz eifrigen Missionierens katholischer Nonnen und Mönche praktizieren viele Einwohner bis heute im Glauben an Geister und Hexerei animistische Riten. Als "Saguma" ist die schwarze Magie auf der Insel bekannt.

Immer wieder machen die lokalen Zeitungen mit Geschichten über Hexenjagden auf, oft geht es um Todesfälle, für die irgendjemand verantwortlich gemacht wurde und sterben musste. Aufsehen erregte zuletzt der Fall einer Kannibalensekte, deren Mitglieder sieben Medizinmänner getötet hatten. Die Hirne ihrer Opfer hatten sie roh verspeist - und nach ihrer Festnahme nicht wirklich verstanden, was an ihrem Verhalten falsch gewesen sei.

bim

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