Hinrichtungsbusse in China Tod auf Rädern

China setzt für Hinrichtungen künftig mobile Exekutionsbusse ein. In den Fahrzeugen werden die Todeskandidaten mit einer Giftspritze statt - wie sonst üblich - mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Die dortige Presse bejubelt die Todesbusse als "humanere Methode des Tötens".


Hinrichtungen sind in China an der Tagesordnung
AFP

Hinrichtungen sind in China an der Tagesordnung

Peking - Die 18 blauweißen Busse, die seit Ende Februar in der südchinesischen Provinz Yunnan unterwegs sind, sehen aus wie gewöhnliche Polizeifahrzeuge: Mit Blaulicht und Sirene auf dem Dach, und an der Seite steht "Gericht". Doch das Innere ähnelt nach Presseberichten eher einem Operationssaal. Die Busse sind mobile Exekutionseinheiten, die Einheimischen nennen sie "Tod auf Rädern".

Wie viele Menschen bereits in den "Death Vans" hingerichtet wurden, darüber schweigen sich die chinesischen Behörden aus. Zwei Bauern, die wegen Heroinhandels verurteilt waren, "profitierten vom jüngsten Fortschritt im chinesischen Justizsystem", schrieb die Zeitung "Beijing Today". Innerhalb einer Minute waren die beiden tot.

In China sind öffentliche Hinrichtungen in Fußballstadien abgehalten worden. Die gängige Prozedur: Der Verurteilte wird auf einem Laster herangefahren und muss sich vor dem tödlichen Schuss mit gebundenen Händen und gesenktem Kopf auf den Boden knien. Angehörigen, die den Leichnam beanspruchen, werde die Kugel in Rechnung gestellt, schreibt die australische Zeitung "The Age". Offizielle Zahlen über die Exekutionen im Reich der Mitte gibt es nicht, westliche Menschenrechtsorganisationen gehen aber von 10.000 bis 15.000 pro Jahr aus. Die Todesstrafe steht in China auf 68 Vergehen, darunter fallen Drogenhandel, bewaffneter Raubüberfall und Mord.

Die Todesstrafe wird oft öffentlich vollstreckt
EPA/DPA

Die Todesstrafe wird oft öffentlich vollstreckt

"Der Gebrauch von tödlichen Spritzen zeigt, dass Chinas System der Todesstrafe zivilisierter und humaner wird", sagte der Präsident des höchsten Zivilgerichts der Provinz Yunnan, Zhao Shijie. Der Universitätsprofessor Wang Shizhou aus Peking bezeichnete die Einführung der Giftbusse als "sehr traurige Entwicklung". Zur Giftinjektion sagte er: "Man kann sie für eine positive Entwicklung gegenüber der Erschießung halten, aber man kann sie auch als negative Entwicklung sehen. Dadurch werden Hinrichtungen provoziert."

Die Hinrichtungsfahrzeuge sind umgebaute 24-sitzige Busse. In der fensterlosen Exekutionskammer im hinteren Teil steht eine metallene Liege, wo der Häftling festgeschnallt wird. Ein Polizeibeamter betätigt einen Knopf, woraufhin eine automatisierte Spritze das tödliche Gift in die Adern des Gefangenen injiziert. Die Hinrichtung kann auf einem Monitor neben dem Fahrersitz beobachtet und, wenn nötig, aufgezeichnet werden. Vertreter des Gerichts sagten, bei der Entwicklung des Gifts hätten zwei Merkmale im Vordergrund gestanden: Die Substanz sollte erstens weder starke Schmerzen noch emotionale Qualen verursachen und - zweitens - innerhalb von 30 bis 60 Sekunden töten.



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