Katastrophe in Québec Ermittler behandeln Tankzug-Explosion als Kriminalfall

Nach der Explosion eines Tankzugs in Québec geht Kanadas Polizei jetzt Hinweisen auf eine Straftat nach. Man habe "Elemente" entdeckt, die zu kriminalpolizeilichen Ermittlungen geführt hätten, hieß es. Einen Terrorakt schließen die Behörden allerdings aus.


Hamburg/Lac-Mégantic - 15 Menschen starben, Dutzende weitere werden noch vermisst: Die mysteriöse Explosion eines mit Rohöl beladenen Tankzugs hat in der kanadischen Kleinstadt Lac-Mégantic schlimme Verwüstungen angerichtet. Jetzt haben die Behörden nach eigenen Angaben kriminalpolizeiliche Ermittlungen eingeleitet.

En Polizeisprecher sagte, man habe "Elemente" entdeckt, die zu den Ermittlungen führten. Details nannte er nicht, schloss einen Terrorakt jedoch ausdrücklich aus. Man konzentriere sich eher auf die Möglichkeit grob fahrlässigen Handelns. Ein weiterer Polizeisprecher gab an, es habe bisher keine Festnahmen gegeben.

Der führerlose Zug mit 73 Kesselwagen voller Rohöl war am Samstagmorgen in das 6000-Einwohner-Städtchen gerast und explodiert. Mindestens 30 Gebäude wurden zerstört, darunter ein Supermarkt, eine beliebte Bar und die Bibliothek. Rund 2000 Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Mehrere Waggons brannten bis zum nächsten Tag. Etwa 100.000 Liter Öl wurden in den Québec River gespült.

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Explodierter Tankzug: Möglicher Durchbruch bei Ermittlungen
Rund anderthalb Stunden vor der Katastrophe sei in der im Nachbarort Nantes geparkten Lokomotive ein Feuer ausgebrochen, das seine Männer bekämpft hätten, sagte der Feuerwehrchef von Nantes, Patrick Lambert, der "Montreal Gazette". Dabei hätten die Feuerwehrmänner den Motor der Lokomotive heruntergefahren, danach aber den zuständigen Zugführer informiert. Die Ermittler gehen offenbar zur Zeit auch der Frage nach, ob dieser erste Brand eine Fehlerkette ausgelöst hat, die letztlich in die Katastrophe führte.

Der Chef der Mutterfirma der betroffenen Bahngesellschaft Montreal, Maine & Atlantic Railway sagte, die Feuerwehrleute könnten unwissentlich die Druckluftbremsen der Lokomotive deaktiviert haben. Dies wies die Feuerwehr zurück. Mitarbeiter der Bahngesellschaft seien anwesend gewesen. "Sie sagten uns, das Feuer sei gelöscht, alles sei stabil und wir könnten nun wieder fahren", sagte Lambert.

Züge der Montreal, Maine & Atlantic Railway waren kanadischen Medienberichten zufolge schon häufiger in Unfälle verwickelt. Seit 2010 habe es acht Entgleisungen und vier Kollisionen gegeben, berichtete der Fernsehsender CTV.

rls/AP/dpa



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
henrypimpernell 10.07.2013
1.
NSA hat voll versagt.
cirkular 10.07.2013
2. Druckluftbremsen hierzulande
benötigen die Druckluft zum Lösen der Bremsen. Ohne Druckluft werden die Bremsbacken fest angedrückt. In Kanada mag das anders geregelt sein.
Ratzbär 10.07.2013
3. Wenn
Zitat von sysopAPNach der Explosion eines Tankzugs in Quebec geht Kanadas Polizei jetzt Hinweisen auf eine Straftat nach. Man habe "Elemente" entdeckt, die zu kriminalpolizeilichen Ermittlungen geführt hätten, hieß es. Einen Terrorakt schließen die Behörden allerdings aus. http://www.spiegel.de/panorama/hinweise-auf-straftat-nach-explosion-eines-tankzugs-in-lac-megantic-a-910322.html
Wenn es denn tatsächlich ein Verbrechen gewesen sein sollte, dann frage ich mich, wie es bei der Totalüberwachung aller Bürger denn so weit kommen konnte. Oder will man uns die Überwachung zur Verbrechensbekämpfung tatsächlich nur als Trojaner verkaufen?
Ptrebisz 10.07.2013
4.
Zitat von henrypimpernellNSA hat voll versagt.
Kanada ist nicht die USA
Ptrebisz 10.07.2013
5.
Zitat von RatzbärWenn es denn tatsächlich ein Verbrechen gewesen sein sollte, dann frage ich mich, wie es bei der Totalüberwachung aller Bürger denn so weit kommen konnte. Oder will man uns die Überwachung zur Verbrechensbekämpfung tatsächlich nur als Trojaner verkaufen?
Und auch hier gilt: Kanada ist nicht die USA
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