Historische Stromausfälle Wenn ganz plötzlich das Licht ausgeht…

Kaum ein Land der Erde, und schon gar keine Industrienation, bleibt von ihnen verschont: Technisches oder menschliches Versagen können ebenso gigantische Stromausfälle auslösen wie Unwetter und andere Naturkatastrophen. Ein Überblick.


Im Juli 2006 müssen im Westen der Türkei, vor allem an der Ägäis-Küste, Millionen Türken und Urlauber plötzlich ohne Klimaanlangen auskommen: Eine Panne im Kraftwerk von Bursa überlässt sie sechs Stunden lang der Hitze.

Im November 2005 kommt es zum Monster-Blackout in Deutschland: Bis zu vier Tage lang bleiben Haushalte in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Regionen ohne Strom, nachdem der Wintereinbruch 50 Strommasten beschädigt hat. Hunderttausende sind betroffen, das Technische Hilfswerk rückt aus. Am Ende stellt sich heraus: Der Stromversorger RWE war über Schäden an den Mästen durchaus informiert. Der Sachschaden soll mehrere hundert Millionen Euro betragen haben.

Im Oktober 2005 trifft es Stuttgart: Ein einziges defektes Kabel legt die Innenstadt der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg lahm. Dutzende Menschen sind in Fahrstühlen gefangen, zum Teil stundenlang. Der Verkehr kommt zum Erliegen.

Im Juli 2005 erfasst eine Hitzewelle Südeuropa: Überall fällt immer wieder der Strom aus. Grund: Die vielen Klimaanlagen und Ventilatoren überlasten die Netze.

22. Juni 2005: Um 17:47 bleiben plötzlich 2000 Züge in der Schweiz stehen. Gleichzeitige Bauarbeiten am Netz führten zur Überlastung, Stromlieferungen aus dem Ausland können den Mangel nicht ausgleichen. Die Folge: angeblich hunderttausende eidgenössische Pendler stecken in der Bahn fest.

Im Mai 2005 wird Moskau vom schlimmsten Stromausfall seiner Geschichte erfasst. Alleine in der U-Bahn stecken zehntausende Menschen stundenlang fest, insgesamt sind Millionen Russen betroffen. In der gesamten Stadt fallen Ampeln aus, ein gigantisches Verkehrschaos entsteht. Präsident Putin gibt der stockenden Modernisierung die Schuld; doch wenig später bekennen sich auch tschetschenische Rebellen.

Im November 2004 trifft es Spanien. In nur zehn Tagen gibt es fünf Blackouts, über zwei Millionen Menschen leiden unter den Folgen. Ursache sind mehrere Brände in Umspannwerken.

September 2004: Wegen einer defekten Hochspannungsleitung in der Nähe von Trier gehen in Teilen Süddeutschlands und in Luxemburg die Lichter aus - für über drei Stunden sind über eine Millionen Bürger betroffen.

August/September 2003: Eine Serie von schweren Stromausfällen erfasst zunächst die USA und Kanada, kurz darauf gehen erst in London und schließlich in Teilen Skandinaviens die Lichter aus. Für die Blackouts im Nordosten der USA und in Kanada ist der Ausfall eines Kraftwerkes in Manhattan der Auslöser - es kommt zu einer Kettenreaktion, in drei Minuten schalten sich 21 Kraftwerke ab. Die Folge: Millionen Menschen bleiben zum Teile Tage lang ohne Energie aus der Steckdose. Bis nach Deutschland sind Folgen zu spüren Interkontinentalflüge haben bis zu 209 Stunden Verspätung. "New York stinkt zum Himmel", titelt SPIEGEL ONLINE über die unangenehmen Folgen vor Ort. Von Beginn an mutmaßten verschreckte Bürger, das Terrornetzwerk al-Qaida könnte hinter dem gigantischen Blackout stecken. Und in der Tat bekannten sich die "Brigaden des Abu Hafs al-Masri" dazu. Aber dabei handelte es sich um Desinformation, die Brigaden gelten als reine Trittbrettfahrer des Terrors, die nur durch Behauptungen Angst und Schrecken verbreiten wollen.

Ende August ist dann London dran: eine halbe Million Menschen ist ohne Strom, nachdem es in einem Kraftwerk einen Fehler bei der Montage von Teilen gegeben hat.

Und nur einen knappen Monat danach müssen vier Millionen Dänen und Schweden mehrere Stunden lang ohne Strom auskommen - hier ist ein Schaltfehler der Auslöser.

In Hamburg ist das Jahr 2003 übrigens ein Rekordjahr: 185 Stromausfälle zählt die Hansestadt. Hauptgrund: Der Jahrhundertsommer hat viele Kabel angegriffen.

Dezember 1995: Schwere, bis zu 160 km/h schnelle Stürme verwüsten den Norden Kaliforniens und den Süden Oregons. Zwei Millionen Menschen bleiben viele Stunden lang ohne Strom.

Die Mutter alle Monster-Stromausfälle trifft im November 1965 die USA: 30 Millionen Menschen sind betroffen, in New York gehen für zehn Stunden alle Lichter aus. Angeblich werden in dieser Zeit besonders viele Kinder gezeugt. Aber das stellt sich als Legende heraus. Auslöser war übrigens ein kaputtes Stromrelais in Kanada.

yas



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