Hitlers Traumschiff Das Ende der "Graf Zeppelin"

Bei Bohrarbeiten in der Ostsee ist eine Ölfirma auf ein gigantisches Wrack gestoßen. Experten der polnischen Marine haben den Riesen nun als "Graf Zeppelin" identifiziert, Hitlers ersten - und letzten - Flugzeugträger. Das Schiff war in den vierziger Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden.

Von Roman Heflik


Hamburg - Mit seiner Flotte war Deutschlands oberster Marineoffizier alles andere als zufrieden: "In diesem Krieg", schrieb Großadmiral Raeder zu Kriegsbeginn an Adolf Hitler, "kann das wenige, was fertig ist oder noch kriegsbereit wird, nur anständig kämpfend untergehen." Auch das Prunkstück von Raeders Flotte, der 260 Meter lange Flugzeugträger "Graf Zeppelin" sollte nie fertig werden - und ging nach einer jahrelangen Odyssee doch unter. Wo, das war jahrzehntelang ein Geheimnis.

"Graf Zeppelin": Nie fertiggestellt, 1947 versenkt - nun gefunden?
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"Graf Zeppelin": Nie fertiggestellt, 1947 versenkt - nun gefunden?

Schon 1936, drei Jahre vor Kriegsbeginn, hatten die Arbeiten an dem gewaltigen Schiff begonnen, das einmal der deutschen Kriegsmarine die Lufthoheit auch in fernen Gewässern erkämpfen sollte. Am 8. Dezember 1938 war die "Graf Zeppelin" in Anwesenheit Adolf Hitlers zu Wasser gelassen worden: Deutschlands erster Flugzeugträger maß 262 Meter Länge, 36 Meter Breite und war mit einer der weltweit stärksten Maschinenanlagen ausgerüstet, die den schwimmenden Kampfkoloss einmal auf 33 Knoten Geschwindigkeit anschieben sollte.

"Eine grandiose technische Leistung", sagt Militärhistoriker Ulrich Israel zu SPIEGEL ONLINE, "vor allem wenn man bedenkt, dass die Deutschen keinerlei Vorbilder für die Konstruktion eines solchen Trägers hatten." Israel war Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam und ist Autor eines Buches über die "Graf Zeppelin".

Mit mehr als 40 Flugzeugen und Dutzenden Geschützen sollte das Schiff ausgestattet werden - so lauteten zumindest die Planungen. Doch als der Krieg 1939 ausbrach, war die Riesenkonstruktion noch immer nicht fertig. Hastig änderten die Marineplaner ihr Konzept: Der U-Boot-Bau hatte nun Priorität, kostspielige Großprojekte mussten warten.

"Versenkung wäre Prestigefrage gewesen"

Die "Graf Zeppelin" wurde nach Danzig geschleppt und als Depotschiff verwendet. Zwei Jahre später sollten die Arbeiten in Kiel fortgesetzt werden, doch nach nur einem Monat und insgesamt rund 100 Millionen Reichsmark Entwicklungskosten befahl der neue Marinechef Karl Dönitz, das Mammutprojekt einzustellen - obwohl es zu 85 Prozent fertig war.

"Der deutschen Marine fehlte der Wille und die klare Linie", sagt Ex-Marineoffizier Israel heute. "Gott sei Dank!" Denn der Einsatz des Großkampfschiffs hätte seiner Ansicht nach keinerlei militärischen Nutzen gebracht, sondern nur zahlreiche Menschenleben gekostet. "Für die Engländer wäre die Versenkung der 'Graf Zeppelin' zu einer Prestigefrage geworden, ähnlich wie bei der 'Bismarck'." Das Schlachtschiff "Bismarck" war im Mai 1941 nach einer tagelangen Hetze von britischen Kriegsschiffen versenkt worden - rund 1500 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben.

Angeblicher Untergang mit Beutegut

So wurde die "Graf Zeppelin" 1942 wieder in die Ostsee zurückgeschleppt, wo sie schließlich in einem Seitenarm der Oder verankert wurde - ein deutscher Großmachtstraum auf dem Abstellgleis. Als schließlich die Rote Armee anrückte, sprengten die Deutschen Löcher in den Schiffrumpf, der im flachen Gewässer auf Grund lief. Nach Kriegsende setzten die Sowjets das Wrack jedoch wieder instand. Was dann passierte, darüber gibt es zahlreiche Geschichten: Bei der Überführung nach Russland sei der Pott auf eine Mine gelaufen, lautet eine Version, eine andere spricht davon, dass der Träger von den Sowjets derart mit Beutegut überfrachtet worden sein soll, dass er in einem aufkommenden Sturm irgendwo in der Ostsee schließlich untergegangen sei.

Nichts anderes als Märchen seien diese Behauptungen, versichert Historiker Ulrich Israel dagegen. Seinen Recherchen und denen seiner Kollegen zufolge überführten die Sowjets die "Graf Zeppelin" bis nach Leningrad und schließlich nach Swinemünde, in ihren letzten Hafen.

Am 14. August 1947 wurde der unfertige Riese aus dem Hafen geschleppt. Die sowjetische Flotte wollte an dem Schiff testen, auf welche Weise sich feindliche Flugzeugträger, wie die amerikanische Navy sie schon zahlreich besaß, am besten versenken ließen. Mehrere Bomben wurden an Bord gezündet. Weil die "Graf Zeppelin" aber immer noch nicht untergehen wollte, feuerte man schließlich zwei Torpedos auf sie ab. Das Schiff verschwand von der Meeresoberfläche. Wo, darüber schwiegen sich die Militärs bislang aus.

Nun haben die Mitarbeiter der polnischen Erdölfirma "Petrobaltic" unbeabsichtigt das Rätsel gelöst. Vor wenigen Tagen entdeckten sie bei der Suche nach Öl- und Gasvorkommen in der Ostsee das Wrack. Es liege in etwa 80 Metern Tiefe, der Fundort befinde sich 55 Kilometer vom Hafen Wladyslawowo entfernt, teilte das Unternehmen danach mit.

Die polnische Marine entsandte umgehend ein Schiff zum Fundort. Bei Tauchgängen und Sonaruntersuchungen bestätigte sich die Vermutung, dass es sich bei dem Wrack um die "Graf Zeppelin" handelte, sagte ein Marinesprecher heute dem polnischen Rundfunksender "Radio RMF". Die Mannschaft, die die Identität des Schiffes nun bestätigte, hatte vor zwei Jahren bereits das Wrack des Flüchtlingsschiffs "Steuben" in der Ostsee entdeckt.

Internationalem Seerecht zufolge müsste die "Graf Zeppelin" jetzt in den Besitz der Bundesrepublik übergehen. Das kann jedoch noch eine Weile dauern: Im Bundesverteidigungsministerium hieß es auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp, man prüfe für diesen Fall noch die Zuständigkeiten.

mit Material von AFP/ddp/dpa



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