Wetter in Deutschland Tropische Nächte

Tagsüber mehr als 30 Grad, nachts nicht unter 20 Grad: Es ist so heiß in Deutschland, dass sogar die Polizei ihre Kleidungsvorschriften lockert - zumindest in Schleswig-Holstein.

Fernsehturm in Berlin
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Fernsehturm in Berlin


Millionen Menschen in Deutschland schlafen wegen der Hitze schlecht - und es wird in den kommenden Tagen nicht besser werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet auch für die zweite Wochenhälfte vielerorts mit sogenannten Tropennächten. Das heißt, dass die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad fallen.

Der Donnerstag beginnt tagsüber im Südosten und Osten noch mit kräftigen Gewittern. Das ist laut dem DWD-Meteorologen Thomas Ruppert allerdings nur der sprichwörtliche "Tropfen auf dem heißen Stein".

Vor allem in östlich gelegenen Städten wie Berlin und Dresden werden die Nächte mit mindestens 21 Grad warm. Bis zum Wochenende bleibt es vielerorts bei über 30 Grad am Tag und nicht weniger als 20 Grad in der Nacht. Dazu ist es anhaltend trocken.

Die geringste Abkühlung brachte die Nacht den Menschen in Berlin. Mit 24,4 Grad Tiefstwert an zwei Messstellen erlebte die Hauptstadt die wärmste Nacht seit 1905. Nach Berlin war laut Messungen der Pfälzerwald der zweitwärmste Ort in den Nachtstunden. Dort wurden an der Station Weinbiet 24 Grad als Untergrenze registriert. In Frankfurt am Main sanken die Temperaturen nicht unter 23,7 Grad.

Da sich zwischen den Gebäuden die Hitze staut, werden besonders Großstädter von warmen Nächten heimgesucht, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Zudem seien auch Orte in Mittellagen besonders von Tropennächten betroffen, da sie in wärmeren Luftschichten liegen.

Die Hitzewelle sei Auswirkung einer Großwetterlage über Skandinavien. "Seit April hat sich ein riesiges Hochdruckgebiet über Nordskandinavien bis in den nordrussischen Raum festgesetzt", sagte Friedrich. Dieses blockiere das wechselhaftere Wetter vom , das es normalerweise in Mitteleuropa gibt.

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"Die Zahl an Tropennächten hat in den vergangenen Jahren zugenommen", sagte Friedrich. Das sei ein weiterer Effekt der Klimaerwärmung. Der Deutschland-Rekord wurde allerdings noch nicht gebrochen. Im Juli 2007 wurde in Kubschütz in der Oberlausitz eine Tiefsttemperatur von 26,1 Grad gemessen.

Warnung vor UV-Strahlung und gelockerte Dienstvorschriften

Angesichts der Hitzewelle warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vor der zunehmenden UV-Strahlung und mahnt mehr Schattenplätze zum Schutz der Bürger an. "Schatten ist nicht nur ein Zufluchtsort vor Hitze, sondern meist auch vor zu viel UV-Strahlung", sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini. Der Klimawandel verschärfe die Dringlichkeit. Das Amt setze sich daher für mehr schattenspendende Plätze in Kindergärten und Schulen, aber auch auf öffentlichen Plätzen oder in Freizeiteinrichtungen ein.

Auch der Straßenverkehr wird von der Hitze beeinträchtigt. So platzte auf der Autobahn 9 bei Leipzig die Fahrbahn auf. Betroffen war zwar vor allem eine Stelle auf dem Standstreifen. Laut dem Verkehrsministerium in Sachsen-Anhalt reichte der Schaden aber auch in die rechte Fahrspur hinein. Für die Reparatur wurden auf der Autobahn in Richtung Berlin zwei Spuren gesperrt. Auf der Berliner Stadtautobahn wölbte sich die Fahrbahndecke. Die Polizei rief Motorradfahrer zu besonderer Vorsicht beim Spurwechsel auf.

In Schleswig-Holstein führen die hochsommerlichen Temperaturen zu mehr Freiheiten für die Polizisten: Sie müssen derzeit keine Dienstmützen tragen. "Die Einhaltung der Bekleidungsvorschrift ist wichtig, muss aber bei solchen Witterungsbedingungen selbstverständlich gelockert werden", sagte Innenstaatssekretär Torsten Geerdts. "Entscheidend ist doch, dass unsere Polizeikräfte mit einem kühlen Kopf ihren Dienst verrichten. Wie das bei dieser Hitze möglich ist, wissen sie selbst am besten."

bbr/dpa

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