Belgien: Debatte nach Hitzetod von Baby in Auto

Ein Vater vergisst seine sechs Monate alte Tochter auf dem Rücksitz des Autos, die Sonne scheint unerbittlich, das Baby stirbt. Dem Mann droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung, in Belgien ist eine Debatte über die Sorgfaltspflicht von Eltern entfacht.

Parkplatz des Militärgeländes Evere: Baby auf Rücksitz vergessenZur Großansicht
AFP/ Belga

Parkplatz des Militärgeländes Evere: Baby auf Rücksitz vergessen

Brüssel - Ein sechs Monate altes Mädchen ist in Belgien in der Hitze gestorben, nachdem sein Vater es auf dem Rücksitz eines Autos vergessen hatte. Dem Mann droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

Der Vater, ein 31-jähriger Soldat, sollte auf dem Weg zum Dienst seine Tochter in der Krippe abgeben. Stattdessen fuhr er zum Militärgelände in Evere im Norden der belgischen Hauptstadt, stellte sein Auto in der prallen Sonne ab und vergaß das Kind. Als er am Abend nach Dienstende zurückkam, war das Mädchen tot. Die Scheiben des Wagens waren offenbar getönt, schreibt "Le Soir". Deshalb habe kein Passant das Kind entdeckt.

In Belgien werden nun auch technische Lösungen diskutiert, etwa ein automatisches Warnsystem. Studenten eines technischen Instituts im nordwestbelgischen Veurne hätten ein solches System bereits entwickelt, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet. Solange sich eine Person im Auto befindet, messen Sensoren permanent die Temperatur im Innenraum. Wird es zu heiß, senken sich automatisch die Scheiben, die Lüftung geht in Betrieb und die Warnblinkanlage alarmiert Passanten. Einige Autohersteller hätten bereits Interesse signalisiert.

Tageszeitungen und Internetforen griffen das Thema auf, Wissenschaftler und Psychologen sollen erklären, wie es möglich ist, das eigene Kind zu vergessen.

"Sein Handy oder seinen Laptop hätte er niemals liegen lassen", schrieb ein Leser auf der Webseite der flämischen Tageszeitung "Het laatste Nieuws". Der Neuropsychologe Eric Salmon erklärte in der Zeitung "Le Soir" mögliche Ursachen: Das menschliche Gedächtnis sei für Handlungen, die erst in der Zukunft stattfinden, sehr schwach. "Es kann durch eine Reihe von Gründen aussetzen - wie Stress, Angst oder Müdigkeit", sagte Salmon. Der Mensch vergesse dann schlicht, was er vorhatte.

Der Tod des sechs Monate alten Mädchens war nicht der erste Fall dieser Art in Belgien: Laut Belga starb 2009 ebenfalls ein im Auto vergessenes Baby in der Hitze. 2007 kam ein Junge nach 16 Stunden im Wagen seiner Mutter ums Leben.

aar/dpa

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  • Freitag, 27.07.2012 – 13:12 Uhr
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Fläche: 30.528 km²

Bevölkerung: 10,965 Mio.

Hauptstadt: Brüssel

Staatsoberhaupt: König Albert II.

Regierungschef: Elio Di Rupo

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