Hitzewelle: Deutschland erwartet den heißesten Tag des Jahres

Sonne, Sonne, Sonne: Meteorologen erwarten am Donnerstag in weiten Teilen Deutschlands eine Hitzewelle. Ortsweise sollen die Temperaturen auf bis zu 37 Grad steigen, es dürfte der heißeste Tag des Jahres werden. SPIEGEL ONLINE zeigt, wo das Thermometer am höchsten klettert.

Sommer 2009: Deutschland, ein Hitzemärchen Fotos
AP

Offenbach/Freiburg - Sonnencreme, Sonnenhut oder viel Schatten - um mehr sollte man sich am Donnerstag in den meisten Regionen Deutschlands nicht kümmern: Nach den Voraussagen der Meteorologen klettern die Temperaturen auf Werte zwischen 30 und 35 Grad. Am Mittelrhein und im Moseltal könnten sogar vereinzelt Spitzenwerte um 37 Grad erreicht werden.

Ob der Hitzerekord dieses Jahres geknackt werde, der am 23. Juli mit 37,0 Grad im bayerischen Piding erreicht wurde, sei noch nicht ganz klar. Besonders im Westen und Südwesten entlang von Rhein, Mosel, Main und Neckar würden verbreitet Temperaturen über 35 Grad erwartet. Am Mittelrhein rund um und im Moseltal im Raum Trier seien sogar vereinzelt bis zu 37 Grad möglich. In den übrigen Teilen des Landes liegen die Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad.

Es gibt nur zwei Ausnahmen: An der Küste und in den Bergen soll das Quecksilber unter der 30-Grad-Marke bleiben, vermutlich zwischen 24 und 28 Grad.

Hitzerekorde im August sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes nichts Ungewöhnliches. Die heißesten Tage des Jahres fielen häufig in die Zeit der "Hundstage" zwischen Mitte Juli und Mitte August. Die Bezeichnung stammt aus dem alten Griechenland, da die heißeste Zeit des Jahres mit dem Aufgang des Sirius im Sternbild "Großer Hund" zusammenfiel. Im vergangenen Jahr war der heißeste Tag auf den 2. Juli gefallen. Im rheinland-pfälzischen Bendorf war damals der Spitzenwert von 36,4 Grad gemessen worden.

Besonders für Senioren, Kranke und Kinder sei die Hitze eine hohe Belastung, warnen Medizin-Meteorologen. Wichtig sei, genug zu trinken, sportliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden und möglichst wenig Alkohol und Kaffee zu sich zu nehmen. "Hitze ist Stress für den Körper - jeglichen anderen Stress sollte man deshalb besser vermeiden", sagte eine Sprecherin.

Hier finden Sie die aktuelle Wettervorhersage für die kommenden Tage:

Der Jahres-Hitzerekord am Donnerstag bleibt jedoch nur ein kurzes Intermezzo: Vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands können schon ab dem Nachmittag teils kräftige Schauer und Gewitter für einen Temperatursturz um bis zu zehn Grad sorgen, wie der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch in Offenbach mitteilte. Für Samstag werden Höchstwerte um 26 Grad erwartet.

Wie für den "Schaukelsommer 2009" üblich, folge vor allem im Westen zum Freitag hin ein Temperatursturz auf nurmehr 25 Grad. Der Absturz werde gebietsweise von Unwettern begleitet. Die ersten, teils schweren Gewitter werden für den späten Donnerstagnachmittag westlich des Rheins erwartet. Bis Freitagmorgen breiten sie sich langsam nach Osten aus.

Am Freitag ist es im Osten von Brandenburg, Sachsen und Bayern anfangs noch überwiegend sonnig. Die Höchsttemperaturen steigen hier noch einmal auf Werte um 30 Grad. In den übrigen Landesteilen ist es zumeist stark bewölkt mit Schauern und Gewittern. In Gewitternähe muss mit Sturmböen gerechnet werden. In der Mitte und im Westen wird es mit 21 bis 26 Grad kühler als am Vortag.

Am Samstag ist es nach Auflösung von Frühnebelfeldern wechselnd bewölkt und überwiegend sonnig. Im Südosten von Bayern und in den Küstenregionen kann es zeitweise noch schauerartigen Regen geben. Vereinzelt sind auch noch Gewitter möglich. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 19 Grad an der Nordsee und 26 Grad am Oberrhein.

Italien hat Alarmstufe drei ausgerufen, Wirbelsturm "Bill" braut sich zusammen

Italien stöhnt bereits längst unter einer Hitzewelle mit gefühlten Temperaturen von mehr als 40 Grad. Für mehrere große Städte quer durchs ganze Land wurde am Mittwoch Hitze-Alarm ausgegeben. Unter anderem wurde in Rom, Mailand und Bologna die höchste Alarmstufe drei ausgerufen. Insgesamt galt für sechs Städte diese Alarmstufe.

Für Donnerstag wurde mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen gerechnet, dann soll in acht Städten die höchste Alarmstufe gelten. Wegen der Hitze kommt es auch immer wieder zu Waldbränden. Allein am Dienstag seien 72 Brände im ganzen Land ausgebrochen, teilten die Behörden mit.

Über dem Atlantik braut sich indes Wirbelsturm "Bill" zu einem gefährlichen Hurrikan zusammen. Mit Windstärken von mehr als 215 Stundenkilometern tobte er am Mittwoch rund 700 Kilometer entfernt von den Leeward-Inseln im Osten der Karibik über dem Ozean. Wie das US-Hurrikanzentrum in Miami am Mittwoch mitteilte, wurde "Bill" mittlerweile auf die Stufe vier der fünfstufigen Skala hochgesetzt. Mit einer weiteren Stärkung sei zu rechnen, hieß es.

Das Zentrum des Hurrikans schob sich mit 26 Stundenkilometern nach Westen auf die Inseln am östlichen Rand der Karibik zu. Dort wurden am Mittwoch zunächst noch keine Sturmwarnungen herausgegeben. In Antigua und Barbuda etwa wurden die Menschen in den Medien lediglich aufgefordert, die Entwicklung des Sturms zu beobachten.

Nach derzeitigen Berechnungen der Meteorologen wird "Bill" sich in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) nach Nordwesten drehen und in sicherem Abstand nördlich an den Antillen-Inseln vorbeiziehen. Es wird auf den Inseln aber damit gerechnet, dass der Sturm meterhohe Wellen an die Strände werfen und heftige Regenfälle auslösen wird.

Im weiteren Verlauf wird "Bill" an den Bermudainseln vorbeiziehen, wo ebenfalls Regenfälle und schwere See erwartet werden. Dann wird er nach Norden schwenken und sich weiter in Richtung Nova Scotia sowie Neufundland in Kanada bewegen. "Bill" ist der erste Hurrikan dieses Jahres im Atlantik. Im vergangenen Jahr hatten drei Hurrikane in der Karibik gewütet und vor allem schwere Schäden in Haiti und Kuba verursacht. Beide Länder haben sich bis heute nicht von den Verwüstungen erholt.

Klimaforscher prognostizieren abenteuerliche Höchsttemperaturen

Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen Klimaforscher in Hamburg mit Höchsttemperaturen von bis zu 44 Grad. "Wie heiß es tatsächlich werden wird, hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre künftig sein werden", sagte die Leiterin des Norddeutschen Klimabüros im Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), Insa Meinke, am Mittwoch. "Wärmer wird der Hamburger Sommer künftig aber auf jeden Fall."

Der Rekord für die Hansestadt zwischen 1961 und 1990 lag nach GKSS-Angaben bei 34,8 Grad. Rechnungen für die Zukunft weisen darauf hin, dass die Temperaturen bis 2100 in Hamburg um 1,4 bis 9,4 Grad Celsius steigen können.

Besonders in Städten müsse rechtzeitig mit Maßnahmen reagiert werden, die für Abkühlung sorgen können. "Großflächige Begrünung könnte hier beispielsweise einen wichtigen Betrag leisten", sagte Meinke. Auch Krankenhäuser und Arztpraxen müssten sich gerade während der Ferienzeit im Sommer auf mehr Patienten einstellen.

jjc/ddp/dpa/AFP/AP

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