Heißes Wochenende Hitzegewitter stören den Sommerspaß

Heiß, heißer - und wo ist es am heißesten? In der Lausitz könnte der deutsche Hitzerekord gebrochen werden. Die Begleiterscheinung des Hochsommers sind heftige Gewitter und Brände. Einer davon stoppte einen IC vier Stunden lang auf freier Strecke.

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Offenbach - Schon am Vormittag klettern die Temperaturen auf subtropisches Niveau: In Deutschland wird am Sonntag möglicherweise der Hitzerekord von etwas über 40 Grad gebrochen. "Die Lausitz ist dafür im Wortsinne ein ganz heißer Kandidat", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold. Aber auch in Südost-Bayern könnten Temperaturen um 40 Grad erreicht werden.

Im Norden und Westen hatten sich die Temperaturen nach Gewittern am Samstagabend zunächst abgekühlt. Hannover traf ein Hagelschauer mit Körnern, die bis zu sechs Zentimeter groß waren. Laut Medienberichten sollen Autos stark beschädigt und Scheiben eingeschlagen worden seien. In Gütersloh wurde eine 69-jährige Frau von einem abbrechendem Teil einer Baumkrone schwer verletzt. Bei extremem Unwetter musste die Polizei in dem Kreis 44-mal ausrücken.

In Schleswig-Holstein hat eine Unwetterfront den Feuerwehren mindestens hundert Einsätze beschert, Menschen wurden aber nicht verletzt. Am heftigsten in dem Bundesland war der Kreis Dithmarschen betroffen, wie die Regionalleitstelle in Elmshorn mitteilte. Straßen und Keller standen unter Wasser, Bäume stürzten auf die Fahrbahn. Auch in Leck in Nordfriesland mussten die Wehren häufig ausrücken.

In der Nähe von Hude bei Oldenburg hielt ein brennender Baum in der Oberleitung rund 170 Passagiere in einem IC auf. Fast vier Stunden musste der Zug, der am Samstagnachmittag auf dem Weg von Oldenburg nach Leipzig war, auf freier Strecke halten. Die 15.000 Volt starke Oberleitung musste für das Löschen und Bergen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden, teilte eine Bahnsprecherin mit, daher funktionierte in dem IC zwei Stunden lang die Klimaanlage nicht.

30 Verletzte auf einem französischen Festival

In Frankreich und in Belgien haben Gewitter Musikfestivals getroffen: In Joinville-le-Pont, rund elf Kilometer östlich von Paris, rissen heftige Windböen am Samstagabend ein Festzelt aus der Verankerung. Es stürzte auf die 300 bis 400 Personen in dem Zelt, wie die französische Tageszeitung "Le Parisien" auf ihrer Internetseite berichtete. 30 Menschen wurden dabei verletzt, sechs von ihnen schwer.

Im Örtchen Boechout bei Antwerpen retteten sich knapp hundert Camper vom Gelände des Musikfestivals "Sfinks Mixed" in ein Sportzentrum. Wegen starker Regenfälle befürchteten die Organisatoren Überflutungen. Das Festival ging aber weiter - nach Angaben auf der Website hat es in der Regel etwa 40.000 Besucher. Auch auf dem Festival "Tomorrowland" zwischen Brüssel und Antwerpen mit rund 35.000 Campern standen etwa hundert Zelte im Wasser, 300 Menschen seien in einem großen Zelt mit Decken und Kaffee versorgt worden. Mehrere Pfadfinderlager in Belgien mussten außerdem evakuiert werden.

Mallorca: Ort wegen Waldbrand evakuiert

Auf Mallorca hat sich ein großer Waldbrand im Westen der Insel ausgeweitet. Rund 700 Menschen seien in Estellencs im Westen der spanischen Ferieninsel aus ihren Häusern geholt und in Sicherheit gebracht worden, teilte die Regierung der Balearen mit. Unter den Menschen, die in der Nacht ab 4.30 Uhr geweckt wurden, seien auch zahlreiche Deutsche gewesen, hieß es in Palma.

Rund 370 Angehörige der Feuerwehr, des Zivilschutzes und der Militärischen Nothilfeeinheit UME waren mit 24 Flugzeugen und Hubschraubern im Einsatz. Verletzte oder beschädigte Häuser wurden zunächst nicht gemeldet. Die Flammen im Gebiet um Andratx und Estellencs haben bisher mindestens 1600 Hektar Kiefernwald vernichtet. Medien sprachen unter Berufung auf verschiedene Statistiken vom schlimmsten Brand auf der Insel seit den 1990er Jahren.

Auch auf Rhodos brennt es: Mehr als 3000 Hektar Waldland hat ein Großfeuer im Süden der griechischen Ferieninsel in der Nacht zum Sonntag vernichtet. Dies berichtet die Lokalzeitung "Rodiaki" auf ihrer Website. Der Brand ist noch nicht unter Kontrolle. Zeitweilig waren mehrere Dörfer bedroht, der Ort Arnitha wurde vorsorglich evakuiert. In den Gemeindebezirken Lindos und Süd-Rhodos wurde der Notstand ausgerufen.

Auch am Sonntag wird das sommerliche Vergnügen nicht ganz ungetrübt bleiben. Von Frankreich sollen Gewitter nach Westen ziehen und auch dort für kühlere Luft sorgen: "Wir beobachten das mit Argusaugen, denn es ziehen nicht nur welche herüber, sondern es entstehen auch neue Gewitter", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold.

Am Montag soll es sich auf verbreitet 25 bis 28 Grad abkühlen, am Mittwoch sind dann aber schon wieder 30 Grad möglich. "Die Hitze verlässt uns in der neuen Woche noch nicht." Ob aber eine neue Hitzewelle drohe, sei noch nicht abzusehen.

abl/dpa



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