Hochwasser am Mississippi Cajun-Land geht unter

Um die Großstädte und Industrieanlagen am Mississippi vor einer Katastrophe zu bewahren, haben die Behörden die Flutentlastungstore des Flusses geöffnet. Das ländliche Umland soll vollständig evakuiert werden - und dann unter einer riesigen Schlammwelle versinken.

REUTERS

New Orleans - Erwartungsgemäß wurden am Samstag die Flutentlastungstore des Morganza Spillway geöffnet, um Druck von den Großstädten und Industrieanlagen am Mississippi zu nehmen. Das seit rund zwei Wochen kontinuierlich ansteigende Hochwasser bedroht nicht nur New Orleans und Baton Rogue, sondern auch die Öl-Raffinerien und Chemiewerke am Fluss. Mit der Flutung des mehr als 7000 Quadratkilometer großen Gebietes im Hinterland soll eine drohende größere Katastrophe abgewendet werden.

Die erleben nun aber die ländlichen Gebiete zwischen Mississippi und dem Golf von Mexiko. Rund 25.000 Menschen leben in dem weiträumigen Gebiet, von dem große Teile auch als Cajun Country bekannt sind: Etliche der betroffenen Gemeinden gehören zum frankophonen Teil des US-Bundesstaates Louisiana. Für viele der Menschen dort bedeutet die Überflutung das Ende ihres bisherigen Lebens.

Denn das Gebiet soll zunächst evakuiert und dann kontrolliert überschwemmt werden. Bis zu 8,5 Meter hoch wird dann das Flusswasser stehen, dass sich über eine Strecke von bis zu 115 Kilometern über das Land in Richtung Meer walzt. Was von der Region übrig bleiben wird ist bisher kaum abzuschätzen. Fest steht aber, dass der schon jetzt auf einige Milliarden Dollar bezifferte Hochwasserschaden durch die Maßnahme kräftig steigen wird.

Am Sonntag sollten möglicherweise zwei weitere Schleusen geöffnet werden. "Das wird sicherlich ein Marathon und kein Sprint", sagte Generalmajor Michael Walsh vor Journalisten über die kontrollierte Überschwemmung. Er sprach von einem "enormen Druck auf das gesamte System". Würde der Entlastungskanal vollständig geöffnet, könnten rund 17.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde umgeleitet werden, bei der Öffnung einer Schleuse sind es nur 280 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Zu der kontrollierten Überflutung gab es nach Auskunft der US-Katastrophenhelfer und US-Army allerdings keine Alternative. Das Hochwasser hatte bei New Orleans Höhen erreicht, die bei einem Versagen der dortigen Hochwasserschutzanlagen größere Überschwemmungen hätten anrichten können als Hurrikan Katrina im Jahre 2005. Auch von dieser letzten großen Katastrophe hatte sich die Region noch nicht erholt.

Der Bürgermeister von New Orleans, Mitch Landrieu, sagte, er sei sich im Klaren darüber, welch großes Opfer die Bewohner der ländlichen Gebiete für die Sicherheit der Städte brächten.

"Was gibt ihnen das Recht, uns zu überschwemmen? Ich verstehe es, aber es gibt so viele Gemeinden, so viele Landwirte und Betriebe", sagte Cindy Prejean, eine Einwohner der betroffenen Stadt Gibson. In einigen Vierteln wurden Überschwemmungen bis zu 4,5 Metern Höhe erwartet. Das Rote Kreuz bereitete Notunterkünfte für die Evakuierungsopfer vor, während in New Orleans noch weitgehend Alltag herrschte.

Am Samstag wurde zunächst nur ein Fluttor geöffnet, schon das treibt in vielen der Gemeinden, die durch das Hochwasser aus Zuflüssen des Mississippi Überflutungen erlebt hatten, die Pegel weiter nach oben. In den nächsten Tagen werden nach Bedarf und Fortschritt der Evakuierung weitere Tore geöffnet.

Der Mississippi ist durch starke Regenfälle und die Schneeschmelze stark angeschwollen. Sollte der Fluss weiter steigen, könnte er in den kommenden Tagen den Rekordpegel von 1927 übersteigen. Die Fluten haben bereits erhebliche Schäden in den weiter flussaufwärts gelegenen Bundesstaaten Illinois, Kentucky, Tennessee und Mississippi angerichtet. Tausende Häuser, Höfe und Straßen wurden von den Überschwemmungen zerstört.

pat/AFP



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