Hochwasser in Norddeutschland: Bangen an der Elbe

Hochwasser an der Elbe: Die Flutwelle rollt nach Norden Fotos
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Vor allem Brandenburg und Schleswig-Holstein rüsten sich gegen die heranrollende Hochwasserwelle. Weiter südlich haben die Elbe-Fluten bereits ihre zerstörerische Kraft gezeigt. Die Kommunen fordern Konsequenzen aus der Katastrophe.

Hamburg - Die Flutwelle rollt weiter nach Norden. In Teilen Ost- und Norddeutschlands ist dramatische Hochwasserlage noch lange nicht ausgestanden. In Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hoffen Helfer, der Elbe-Flut mit Deichen und Sandsäcken standhalten zu können. In der Nacht zum Dienstag blieb die Lage weitgehend konstant.

In Sachsen-Anhalt suchen sich gigantische Wassermengen bei Fischbeck im Landkreis Stendal neue Wege, nachdem am Montag ein Deich gebrochen war. Die Bundeswehr warf Sandsäcke aus Hubschraubern ab, um die Fluten einzudämmen. Rund 9000 Soldaten sind in dem Bundesland weiter im Einsatz, wie ein Bundeswehrsprecher sagte. Der Krisenstab der Landesregierung erklärte, man werde den Einsatz in Stendal nun selbst koordinieren, weil sich die Lage so zugespitzt habe. Eine enge Koordination mit dem Nachbarland Brandenburg und ein größerer Bundeswehreinsatz seien notwendig.

Auch in Brandenburg war die Lage deshalb weiter angespannt. In der Prignitz wird an diesem Dienstag der Scheitelpunkt der Elbe-Flutwelle erwartet. Der Höhepunkt der Flut soll Wittenberge am Mittag erreichen. Nach Berechnungen der Behörden könnte ein historischer Höchstwert von 8,20 Metern erreicht werden. Der Mittelwert des Wasserstandes liegt dort bei 2,77 Metern.

Am Montagabend wurde zudem im Landkreis Havelland ein rund 3,5 Kilometer langer Notdeich fertiggestellt, der seit den Morgenstunden errichtet worden war. Er soll als Schutz gegen das Wasser dienen, das seit dem Bruch des Deichs bei Fischbeck ins Hinterland strömt.

Auch in Lauenburg in Schleswig-Holstein rüsten sich die Menschen für den Höchststand der Elbe-Flut. Der Scheitelpunkt soll hier erst am Donnerstag erreicht werden. Die kritische Marke von 9,30 Metern wurde bereits überschritten, am Morgen lag der Pegelstand bei 9,56 Metern. Das ist knapp fünf Meter über dem normalen Wert. Teile der Altstadt sind ohne Strom, rund 400 Bewohner hatten das bedrohte Gebiet bereits bis in die Nacht zum Montag verlassen müssen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Flutregion zwischen Dömitz und Boizenburg zur Sperrzone erklärt. Ortsfremde, die keine Einsatzkräfte sind, dürfen nicht mehr hinein. Einheimische sollen sich auf eventuelle Evakuierungen vorbereiten. Der Wasserstand der Elbe am Pegel Dömitz blieb aber auch in der Nacht bei 7,20 Metern konstant.

Der Hochwasserscheitel der Elbe erreichte am Montag auch Niedersachsen. Doch anders als flussaufwärts wurden hier bislang keine größeren Schäden gemeldet. Der Wasserstand in den betroffenen Kreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg werde sich nun aber über mehrere Tage auf einem hohen Niveau halten, teilte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mit.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) forderte länderübergreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz wie Bauverbote am Wasser oder gezielte Vorflutflächen. Auch Enteignungen dürfe man nicht ausschließen, sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Sie müssen aber immer die Ultima Ratio bleiben", so Altmaier.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, machte sich für die Einführung eines "Hochwasserschutz-Beschleunigungsgesetzes" stark. "In einem solchen Gesetz sollte klarwerden, dass, auch wenn der Naturschutz betroffen ist oder es Bürgerproteste gibt, im Zweifel der Hochwasserschutz Vorrang hat", sagte er der "Rheinischen Post".

Landsberg fügte hinzu: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass ein Jahrhunderthochwasser nur alle 100 Jahre einmal auftritt." Bis die Schäden des jetzigen Hochwassers beseitigt seien, dauere es mindestens zwei bis drei Jahre. Die Schäden würden sich voraussichtlich auf mindestens zehn Milliarden Euro belaufen.

wit/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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1.
regensommer 11.06.2013
Länderübergreifende Hochwasserschutzmaßnahmen? Altmaier meint nicht Länder im eigentlichen Sinne, er meint Bundesländer, Verwaltungsbezirke. Und das in einem Europa wo wir doch alle geeint sein sollten. Wir alle zahlen für ein gemeinsames Europa, doch die Grenze des Beamten fängt am Flußufer an.
2. Zeit verschlafen
hubertrudnick1 11.06.2013
Zitat von regensommerLänderübergreifende Hochwasserschutzmaßnahmen? Altmaier meint nicht Länder im eigentlichen Sinne, er meint Bundesländer, Verwaltungsbezirke. Und das in einem Europa wo wir doch alle geeint sein sollten. Wir alle zahlen für ein gemeinsames Europa, doch die Grenze des Beamten fängt am Flußufer an.
Deutschland hat die Zeit total verschlafen, man hätte schon viel früher einen Hochwasserführungsstab von gesamt Deutschland einrichten müssen. Es kann einfach nicht den Bürgermeistern und Landräten überlassen werden, selbt die Landesinnenminister haben jämmerlich versagt. Und in den letzten 12 Jahren ist viel zu wenig an Deichen erneuert worden, die deutsche Bürokratie fuscht da mächtig drinnen herum. Die Menschen sind immer bereit sich mit einzubringen, nur wenn es keine geordnete Führung vom Land und Bund gibt, dann reicht das nicht aus. Dank an allen Helfern und besonders an der Bundeswehr. HR
3. Nur Zahlen, null Bedeutung
HARK 11.06.2013
Also langsam geht mir die unqualifizierte Berichterstattung auf den Zeiger. Immer werden nur die prognostizierten Höchststände (xy Meter) zitiert. Aber was bedeuten sie konkret? Wo drohen Deiche, überschwemmt zu werden? Welche Landstriche müssen evtl. noch evakuiert werden? Die Zahlen kann ich man auch direkt im Internet einsehen... Das ist Journalismus mit null Aussagekraft...
4. Tritt Vernunft ein ??
dr.joe.66 11.06.2013
Zitat von sysopAPVor allem Brandenburg und Schleswig-Holstein rüsten sich gegen die heranrollende Hochwasserwelle. Weiter südlich haben die Elbe-Fluten bereits ihre zerstörerische Kraft gezeigt. Die Kommunen fordern Konsequenzen aus der Katastrophe. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-an-der-elbe-flutwelle-rollt-nach-norden-a-904934.html
Der wichtigste Satz ist ja wohl der mit dem "Bauverbot am Fluss" und den "Flutflächen". Tritt da in der Politik endlich Vernunft ein? Ich wiederhole mich: - Wer erteilt Baugenehmigungen in Flussauen direkt hinterm Deich? - Wer sperrt sich gegen Überflutungsflächen? Und warum? - Wer erschließt Gewerbegebiete in solchen Überflutungsflächen? Diese Fragen müssen beantwortet werden. Übrigens waren das meistens jene Bürgermeister und Stadträte, die jetzt nach finanzieller Hilfe für ihre Bürger jaulen...
5. Was ist denn hier wirklich so schlimm...?
giovanniconte 11.06.2013
Zitat von sysopAPVor allem Brandenburg und Schleswig-Holstein rüsten sich gegen die heranrollende Hochwasserwelle. Weiter südlich haben die Elbe-Fluten bereits ihre zerstörerische Kraft gezeigt. Die Kommunen fordern Konsequenzen aus der Katastrophe. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-an-der-elbe-flutwelle-rollt-nach-norden-a-904934.html
Das ganze kann man doch nur als ein repetierendes Wirtschaftsprogramm auffassen und verstehen. Anstelle Polder zu fluten und für ein paar Millionen € Ausgleichszahlungen an die Bauern zu zahlen, wird hier die Industrie, Handwerksbetriebe, Baumärkte, Möbelhäuser, Versandhäuser, halt alle Wirtschaftzweige, mit Milliarden € Beträgen bis aufs Blut gefördert. Das kann nur gewollt sein, denn Regen und Überschwemmungen gab es schon immer. Und wer glaubt, diese Wassermassen wirklich zu beherschen, wird auch dieses Jahr wieder eines Besseren belehrt.
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